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Säumige Mieter : Angebote statt Zwangsräumung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bei Mietschulden kommt es immer wieder zum Drama – das könnte sich ändern.

Mit einem Sozialmanagement versuchen Wohnungsunternehmen, drohende Zwangsräumungen zu verhindern. In Potsdam zeigt diese Strategie erste Erfolge. Seit einigen Jahren verfolge man eine konsequente Linie, die aber dazu diene, Mietern möglichst schnell Hilfsangebote zu unterbreiten, sagte Jörn-Michael Westphal, Chef des Potsdamer Wohnungsunternehmens Gewoba. So werde nach zwei säumigen Mieten ein Mahnverfahren eingeleitet, gleichzeitig würden eigene Sozialarbeiter und Ämter eingeschaltet.

2012 und 2013 wurden bei der Gewoba zwar je 87 Räumungen angesetzt, die Hälfte konnte jedoch abgewendet werden. Häufig springt die Stadt ein und reicht Darlehen an Mietschuldner aus, damit diese ihre Wohnung nicht verlieren. Rund 400 000 Euro waren es im vergangenen Jahr, berichtete Katja Fuchs, Leiterin der Wohnungssicherung. In Potsdam wurden im vergangenen Jahr knapp 100 Wohnungen geräumt.

Der Verlust der eigenen vier Wände sei vor allem für Familien dramatisch und bedrohe Existenzen, sagte Elona Müller-Preinesberger, Sozialbeigeordnete der Stadt. Alle Bevölkerungsschichten seien betroffen, auch Selbstständige rutschten immer häufiger in die Schuldenfalle.


Die Situation in Wittenberge


2013 habe man 16 Kündigungen aussprechen müssen, sagte der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Wittenberge, Torsten Diehn. Zu einer Zwangsräumung sei es jedoch nicht gekommen. Im Jahr zuvor habe es 26 Kündigungen und zwei Räumungen gegeben. „Wir haben ein ausgefeiltes Miet- und Mahnmanagement“, betonte Diehn gegenüber dem Prignitzer. Bevor es zu einer Räumung komme, lasse sich in der Regel eine andere Lösung mit Mietern, Ämtern und Kommune finden.

Auch andere Wohnungsgesellschaften betonten, dass Zwangsräumungen immer das letzte Mittel seien.

Nach Angaben des Landesjustizministeriums führten Gerichtsvollzieher im letzten Quartal 2013 in Brandenburg insgesamt 450 Wohnungsräumungen durch. Erst seit Oktober würden entsprechende Zahlen bundesweit erfasst, sagte eine Ministeriumssprecherin. Daher lasse sich nicht beurteilen, ob die Zahl der Räumungen steige oder sinke.

Immer wieder kommt es zu dramatischen Fällen: So verlor 2011 ein Familienvater kurz vor Weihnachten in Frankfurt (Oder) die Wohnung, obwohl er seine Schulden zurückgezahlt hatte. 2006 stürzte sich in derselben Stadt ein Mieter beim Eintreffen des Gerichtsvollziehers aus dem Fenster. In Berlin starb 2013 eine schwerkranke Seniorin kurz nach der Räumung.



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