Polen will grenzbrücke : Wirtschaft braucht Lkw-Übergang

Polen scheint zum Bau einer neuen Grenzbrücke bei Küstrin bis 2022 fest entschlossen.

svz.de von
16. Juni 2016, 05:00 Uhr

„Die ersten Gespräche mit dem deutschen Verkehrsministerium haben stattgefunden. Und wenn alles klappt, können wir den Staatsvertrag über die neue Brücke noch in diesem Jahr unterzeichnen.“ Mit so viel Optimismus, den der Staatssekretär des polnischen Infrastrukturministeriums, Jerzy Szmit, gestern bei einer Verkehrskonferenz im polnischen Küstrin verbreitete, hatten die deutschen Teilnehmer offenbar nicht gerechnet. Schließlich wird seit über einem Jahrzehnt über den Neubau der Straßenbrücke bei Küstrin debattiert, ohne dass die polnische Seite dafür eine Finanzierung in Aussicht gestellt hätte.

Das gegenwärtige Bauwerk, dessen Pfeiler noch aus dem 19. Jahrhundert stammen, war 1992 eigentlich nur als kurzfristiges Provisorium saniert worden, nachdem in den Jahrzehnten zuvor, die in der DDR stationierte sowjetische Armee die Brücke genutzt, aber kaum etwas für deren Erhalt getan hatte. Die Metallträger waren 1992 sogar nur für maximal zehn Jahre vom Zivilschutz in Berlin ausgeliehen worden. Und weil die Standhaftigkeit des Bauwerks im Laufe der Zeit nicht besser wurde, ist die Nutzung seit Jahren auf Kleintransporter bis maximal 7,5 Tonnen beschränkt. „Für unsere Wirtschaft in Kostrzyn ist diese Brücke ein Bremsklotz“, erklärte Krzysztof Kielec, Chef der Sonderwirtschaftszone Küstrin, in der mehr als 40 Betriebe ansässig sind. Und Bürgermeister Andrzej Kunt fügte hinzu, dass die meisten der 700 Lkw, die täglich Erzeugnisse aus der Sonderzone nach Deutschland fahren, den Umweg über Frankfurt (Oder) oder Hohenwutzen nehmen müssen. „Dass unser Ort nur 80 Kilometer von Berlin entfernt ist, aber keine direkte Verbindung dorthin hat, ist ein Unding“, schimpfte der Lokalpolitiker und fügte hinzu, dass man eigentlich nur Zustände wiederherstellen wolle, die es vor 1945 bereits einmal gab.

Der Bau der Brücke, der mit 158 Millionen Zloty (nach derzeitigen Kurs 37 Millionen Euro) veranschlagt wird, müsste nach bisher gültigen Verträgen vor allem von Polen getragen werden. Offenbar scheint die neue Regierung in Warschau dafür jetzt Finanzierungsmodelle gefunden zu haben, während es für die angestrebte Umgehungsstraße um Kostrzyn noch nicht so gut aussieht. Der Brückenbau sei für die Jahre 2019 bis 2022 eingeordnet, erklärte ein Vertreter der polnischen Straßenbaudirektion. Sowohl der Landrat von Märkisch Oderland, Gernot Schmidt, wie auch der Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz (CDU) verwiesen darauf, dass man durch diese Planungen auch über Ortsumgehungen im Verlaufe der Bundesstraße 1 neu nachdenken müssen. Denn ein allzu großer Lkw-Verkehr sei den Orten auch nicht zuzumuten.

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