Krise : Wirtschaft beklagt Geschäftseinbruch

Mit Planen zugedeckte Spreewaldkähne schwimmen auf dem Wasser an einem Hafen.
Mit Planen zugedeckte Spreewaldkähne schwimmen auf dem Wasser an einem Hafen.

Unter den Firmen herrscht große Unsicherheit / Die Erwartungen an die nächsten Monate sind mehrheitlich gedämpft

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04. April 2020, 05:00 Uhr

Brandenburgs Wirtschaft wird durch die Corona-Pandemie nach Angaben der Industrie- und Handelskammern (IHK) stark ausgebremst. Die Corona-Krise wirke sich in noch nie da gewesener Geschwindigkeit und Stärke auf fast die gesamte gewerbliche Wirtschaft aus, hieß es gestern g nach der Auswertung einer Unternehmensumfrage. „Die fast völlige Stilllegung des stationären Handels hat existentielle Auswirkungen für die gesamte Branche“, sagte Marcus Tolle, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage rutschte laut Umfrage von plus 44 Punkten zu Jahresbeginn auf minus 17 Punkte ab. Rund 650 Firmen aus den Kammerbezirken Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam wurden befragt.

Durch behördliche Schließungen sind das Gastgewerbe und der Handel am stärksten betroffen. Auch die Industrie und das Baugewerbe verzeichneten bereits geringere Auftragseingänge. Fehlende Waren und Vorprodukte sowie Personalausfälle erschwerten die aktuelle Lage, hieß es. Die Geschäftserwartungen werden in allen Branchen von großer Unsicherheit überschattet. 67 Prozent der Unternehmen rechneten in den kommenden Monaten aufgrund stark rückläufiger Nachfragen aus dem In- und Ausland mit einer schlechteren Geschäftslage. Ein Drittel der befragten Unternehmen halte einen Personalabbau für unumgänglich.

Die meisten versuchen laut Umfrage jedoch, ihr Personal zu halten. Dabei griffen 55 Prozent der Unternehmen auf das Kurzarbeitergeld zurück, 44 Prozent stellten Personal durch Urlaub und Überstundenabbau frei, 32 Prozent böten Arbeit im Homeoffice an.

Schnelle, unbürokratische, direkte Zuschüsse von Bund und Land werden von 74 Prozent der Befragten als dringend notwendig erachtet.

Weitere Unterstützungsmaßnahmen sehen die Unternehmen in befristeten Steuererleichterungen, Kostenentlastungen etwa bei der Gewerbemiete und schnell verfügbaren Krediten ohne langwierige Bonitätsprüfung.

Die Corona-Krise macht nach IHK-Angaben auch vor der Industrie nicht halt. Über 60 Prozent der Industrieunternehmen rechneten mit schlechteren Geschäften, sagte Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam. Lieferketten seien durch Grenzschließungen unterbrochen, die in- und ausländische Nachfrage breche weg, Investitionen würden stark zurückgefahren.

Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg, erwartet bei den touristischen Unternehmen starke Liquiditätsengpässe. „Der Zeitpunkt könnte für die Tourismusbranche nicht schlechter sein, mit Beginn des Frühlings und zu Ostern starten die Unternehmen in die Saison und holen die umsatzschwachen Monate zu Beginn des Jahres auf.“ Lohn- und Mietkosten sowie Kreditraten würden zu existenziellen Problemen. Er forderte weitere Unterstützung für klein- und mittelständische Unternehmen der Region.

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