Landesdenkmalamt : „Wir sind im Notbetrieb“

Dem Mausoleum in Frauendorf bescheinigen die Denkmalschützer einen „alarmierenden Erhaltungszustand“ .
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Dem Mausoleum in Frauendorf bescheinigen die Denkmalschützer einen „alarmierenden Erhaltungszustand“ .

Brandenburger Denkmalpflege warnt vor weiterem Personalabbau. Pflege, Bewahrung und Sicherung von Denkmalen wird immer wichtiger.

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07. Februar 2018, 05:00 Uhr

Brandenburgs Denkmalpflege schlägt Alarm: „Wir sind im Notbetrieb“, sagte Landeskonservator Thomas Drachenberg gestern in Berlin. Seit dem Jahr 2000 habe das Brandenburger Landesdenkmalamt knapp 50 Mitarbeiter verloren. Damit sei man personell „unten aufgeschlagen.“ Derzeit habe das Landesdenkmalamt nach Angaben seines Direktors Franz Schopper 74 Stellen, die noch auf 72 absinken sollen. „Wir leben in den verschiedensten Bereichen aus der Substanz.“ Nötig sei eine Anhebung um mindestens 25 Stellen.

Bei der traditionellen Jahrespressekonferenz der Denkmalpflege zog Drachenberg eine Bilanz der wichtigsten Projekte der letzten Jahre. Einige langjährige Sorgenkinder des Denkmalamts seien mittlerweile gerettet worden: Dies gilt etwa für das Brauhaus der ehemaligen Klosteranlage in Himmelpfort (Kreis Ostprignitz-Ruppin), wo die Sanierung voranschreite. Auch die Georgskapelle in Neuruppin und das barocke Kettenhaus in Prenzlau stünden nicht mehr auf der Notliste akut gefährdeter Objekte. Anders ist es mit einer ganzen Reihe Baudenkmale in der Lausitz, die von der Landesdenkmalpflege in der Rubrik „Bedrohungen und Verluste“ aufgelistet werden.

Dazu zählt etwa das Cottbuser Wichernhaus, das eigentlich in Teilen in einen Neubau integriert werden sollte. Doch bei den Abrissarbeiten wurden auch die Teile zerstört, die eigentlich erhalten werden sollten. Damit zählt das Gebäude ebenso wie ein barocker Prunksarg in der Dorfkirche von Schenkendorf (Dahme-Spreewald), der ohne Rücksprache mit dem Landesdenkmalamt einfach mit einem Trennschleifer durchschnitten wurde, zu den zwei Objekten, für deren Zerstörung Drachenberg deutliche Worte findet: „Durch völlige Inkompetenz“ und „mangelnde Sorgfalt“ seien sie in einen „besorgniserregenden Zustand“ geraten oder schlicht nicht mehr vorhanden.

Nur wenig besser steht es um das ehemalige Braunkohlekraftwerk von Plessa (Elbe-Elster), dem der Verkauf von historisch wertvollen Maschinen und Anlagen droht oder um das Mausoleum von Frauendorf (Kreis Oberspreewald-Lausitz), dem die Denkmalpflege einen „alarmierenden Erhaltungszustand“ und „dringende Sanierungsbedürftigkeit“ attestiert. Obwohl sich ein Förderverein „beispielhaft“ für die ehemalige Gutsanlage des Sektfabrikanten Franz Hitze einsetze, seien bereits Teile des Betongesimses abgebrochen. „Die Stahlgebinde liegen frei und korrodieren“, heißt es in dem Jahresbericht. „Auch die Kassettenmalerei und die Wandgestaltung im Inneren werden durch die eindringende Feuchte massiv gefährdet.“

Dagegen begrüßte Drachenberg gestern die vom Land neu geschaffene Denkmalhilfe für besonders dringende Fälle, die immerhin ein Jahresvolumen von einer Million Euro habe. Damit sei man „vom Wassereimer in der Wüste weg, den man einmal im Jahr mit einer großen Feier ausgeschüttet hat.“ Man habe stattdessen „einen kleinen Wasserhahn installiert, der mit einer Million Förderung einen kleinen, aber sichtbaren Wasserstrahl ermöglicht.“ Kontinuität und Verlässlichkeit seien in der Denkmalpflege wichtig.

„Wir wollen nicht die Wüste zum Schwimmbad machen, aber nachhaltige Oasen der Baukultur schaffen“, sagte Drachenberg. Dennoch stehe man mit der einen Million Euro immer noch Förderanträgen von fünf Millionen Euro gegenüber.


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