Innenministerium schlägt Alarm : „Wir sind am Limit“

Dicht an dicht stehen Zelte für Flüchtlinge auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt.
Dicht an dicht stehen Zelte für Flüchtlinge auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt.

Unterbringung von Flüchtlingen zunehmend problematisch / Brandenburg sucht händeringend Unterkünfte

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14. September 2015, 14:02 Uhr

Brandenburg bereitet die Unterbringung von Flüchtlingen zunehmend Probleme. Die Plätze in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt seien nahezu ausgebucht, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker, gestern. „Wir sind am Limit“, sagte er. Es werde intensiv nach Schlafstellen für die ankommenden Menschen gesucht. „Wir brauchen zusätzliche Kapazitäten“, betonte er.

In diesem Jahr wird in Brandenburg mit rund 25 000 Flüchtlingen und Asylbewerbern gerechnet, möglicherweise könnten es sogar 30 000 werden. Im Vorjahr kamen etwa 5300. Bis Ende August reisten bereits etwa 9000 Menschen an.

Seit Freitag sind nach den Angaben 671 neue Flüchtlinge in Brandenburg eingetroffen. Zuletzt wurden am späten Sonntagabend rund 300 Menschen in Bussen nach Eisenhüttenstadt gebracht. Sie gehörten zu etwa 650 Flüchtlingen, die mit einem ICE aus München am Regionalbahnhof am Flughafen Berlin-Schönefeld angekommen waren. Über die Hälfte von ihnen kam in Berlin unter.

Ein für gestern angekündigter weiterer Zug für die Region mit etwa 600 Flüchtlingen aus München wurde wieder abgesagt. Gründe dafür seien nicht bekannt, sagte der Sprecher in Potsdam. Auch davon sollten etwa 300 Menschen nach Brandenburg gebracht werden.

„Brandenburg ist nicht in der Lage, weitere Sonderzüge mit Flüchtlingen aufzunehmen“, sagte Decker. Es kämen zudem nicht nur Menschen über Ungarn, sondern auch über andere Wege nach Deutschland.

Nach der Aufnahme in Eisenhüttenstadt werden sie auf die Landkreise verteilt. In Eisenhüttenstadt sind derzeit laut Ministerium 3541 Personen erfasst. Die Kapazität liege bei 3600. Bereits jetzt müssten Notplätze in Anspruch genommen werden. Betten wurden in Eisenhüttenstadt in einer Turnhalle und der Landesfeuerwehrschule aufgestellt. In der Außenstelle in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) sind gestern weitere 100 Flüchtlinge in Zelten untergekommen.

Das Land Brandenburg will nach Zeitungs-Berichten in der Landeshauptstad eine zweite Zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge einrichten. Dies solle am morgigen Mittwoch vom Kabinett beschlossen werden, hieß es in Zeitungsberichten unter Berufung auf Regierungskreise.

Zudem wolle das Land nun Flüchtlinge in alten Ministeriumsgebäuden in der Potsdamer Heinrich-Mann-Allee unterbringen. Das ehemalige Sozial- und das Umweltministerium würden demnach als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Auch der ehemalige Landtag auf dem Brauhausberg sei als Notunterkunft im Gespräch. Rund 500 Menschen, die über Ungarn eingereist sind und nun am Münchner Hauptbahnhof auf ihre Weiterreise warteten, könnte so geholfen werden.

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