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Protest bei Senvio in Trampe : „Wir haben volle Auftragsbücher“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Mitarbeiter der Tramper Senvion-Niederlassung wollen mit ihren Kollegen in Husum und Bremerhaven um ihre Jobs kämpfen.

svz.de von
erstellt am 16.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Mit uns nicht: Mehr als 200 Menschen haben auf einer Betriebsversammlung vor den Toren der Senvion-Niederlassung in Trampe (Barnim) gegen die Schließungspläne der Chefetage des Windkraftanlagenherstellers protestiert. „Wir haben bis Ende 2017 volle Auftragsbücher. Für 2018 sind erste Anfragen da. Von Insolvenz kann also nicht die Rede sein“, erklärte der Tramper Betriebsratschef Thomas Rex gestern. „Dennoch wollen sie uns vor die Tür setzen.“ „Das werden wir uns nicht gefallen lassen“, sagte der stellvertretende Konzern-Betriebsratschef Alan-Thomas Bruce. Er kündigte einen „harten Kampf“ um jeden Arbeitsplatz an. „Die Arbeitgeber werden sich noch wünschen, dass sie das Schließungspapier nie veröffentlicht hätten“, erklärte er.

Am Montag hatte Senvion in Hamburg überraschend mitgeteilt, rund 730 Stellen in Deutschland streichen zu wollen. Von den Schließungsplänen sind auch Husum (Schleswig-Holstein) und Bremerhaven betroffen. Die Konzernholding begründete die Einschnitte mit einem stärker werdenden Wettbewerbs- und Preisdruck. Deshalb sollen Teile der Produktion verlagert und Standorte in Deutschland aufgegeben werden. „Die wollen sparen, kommen zur Schließungsverkündung aber per Hubschrauber, lassen sich die 500 Meter vom Landeplatz per Taxi zum Tramper Werk fahren. Das nenne ich den ersten Faustschlag in Sachen Beschäftigten-Wertschätzung“, sagte Bruce bitter. „Für die Unternehmensleitung sind wir nur betriebswirtschaftliche Kennzahlen“, betonte Rex. Viele der Mitarbeiter vertrauten dem Unternehmen, weil volle Auftragsbücher eine gewisse Sicherheit versprach. „Sie haben Häuser gebaut, müssen Familien versorgen“, sagte Rex. „Die feinen Herren wollen die Produktion nach Polen und Portugal verlagern, damit noch mehr Rendite für den Senvion-Besitzer Centerbridge herausspringt“, sagte Bruce, der auch als Betriebsratsvorsitzender der Rotor-Fertigung in Bremerhaven fungiert. Dieses Werk ist ebenfalls von Schließung bedroht.

Centerbridge, ein amerikanischer Investmentfonds, hatte vor zwei Jahren den deutschen Windkraftanlagenhersteller vom indischen Windenergiekonzern Sulzon übernommen.

„Mitbestimmung in Deutschland geht anders“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Er sicherte den 120 Tramper Beschäftigten und den 80 Mitarbeitern der Senvion-Servicegesellschaft in Eberswalde seine Unterstützung zu. „Kämpfen lohnt sich!“ Das habe er im Ringen um das Bahnwerk Eberswalde gesehen. Vor zweieinhalb Jahren wollte die Deutsche Bahn den Stecker ziehen. Unter großen Kraftanstrengungen konnte ein Verkauf an einen privaten Investor organisiert und der Standort gesichert werden.

„Anders als bei der Bahn ist Senvion aber kein Staatsunternehmen“, betonte der Minister. Daher könne er nichts versprechen. Es sei aber sein Ziel, dass entweder ein neuer Investor gefunden werde, oder dass die Beschäftigten anderswo unterkommen. Konkretes konnte er den Beschäftigten nicht mitteilen. „Dazu hat mich die plötzliche Schließung auch überrascht.“ Die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes sei aber in der Spur. „Wir brauchen von Senvion einen festen Ansprechpartner, damit wir tätig werden können“, verlangte der Wirtschaftsminister. „Uns helfen derzeit keine Robin-Hood-Attitüden, sondern vernünftige Gespräche“, erklärte Senvion-Sprecher Immo von Fallois in Hamburg. Der Windkraftanlagen-Hersteller sei hierzu bereit „und die Gespräche sollten bald beginnen“, betonte er.

Indes wurde bekannt, dass sich unter anderem Gewerkschafter, Betriebsräte und Vertreter von Landesregierungen am 27. März in Hamburg an einen Tisch setzen wollen, um die Folgen der Schließungspläne für die 730 betroffenen Beschäftigten abzumildern.

 

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