Interview : „Wir bilden Normalität ab“

Freut sich über neue Ideen: Oberst Olaf Detlefsen.
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Freut sich über neue Ideen: Oberst Olaf Detlefsen.

Brandenburgs ranghöchster Soldat über aktuelle Herausforderungen der Bundeswehr

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10. Januar 2018, 05:00 Uhr

Seit gut anderthalb Jahren ist Olaf Detlefsen Brandenburgs ranghöchster Soldat. Im Gespräch mit Michel Nowak beschreibt der 56-jährige Kommandeur des Landeskommandos die aktuellen Herausforderungen für die Bundeswehr.

Herr Detlefsen, Sie wurden in Kalifornien zum Waffensystem-Offizier ausgebildet, waren später in der Luftwaffen-Zentrale der Nato tätig, wurden in Afghanistan eingesetzt. Was war die interessanteste Aufgabe?

Olaf Detlefsen: In einem Tornado zu fliegen ist eine besondere Herausforderung. Genauso spannend ist es aber, ein halbes Jahr in Kabul zu sein. Im Bundesverteidigungsministerium war ich Referent für Rüstungsfragen. Es gab immer eine enorme Vielfalt.

Wie wurden Sie Landeskommandeur?

Ich wurde gefragt und musste nur fünf Sekunden überlegen, dann war das „Ja“ auf dem Tisch.

Was sind Ihre Aufgaben?

Das Landeskommando mit seinen Soldaten steht den Landkreisen und kreisfreien Städten als Ansprechpartner zur Verfügung. Mit der Landesregierung stehe ich im fortlaufenden Dialog. Es geht vor allem darum, im Katastrophenfall zu helfen.

Wie viele Kasernen vertreten Sie?

Neben Beelitz und Storkow ist da zum Beispiel Potsdam. Wir und 13 weitere Dienststellen der Bundeswehr sind hier vertreten. Die größte ist das Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Darüber hinaus gibt es in Strausberg zwei Einrichtungen, die von besonderer Bedeutung sind. Der Inspekteur des Heeres hat dort seinen Stab und darüber hinaus gibt es das Zentrum für Informationsarbeit der Bundeswehr. In Prenzlau haben wir ein Fernmeldebataillon. Insgesamt sind es 6800 Soldaten und 2200 Zivilbeschäftigte.

Seit 16 Jahren sind Frauen in sämtlichen Laufbahnen zugelassen. Hat sich das Klima dadurch verändert?

Ich finde das angenehm, weil wir unsere Umgangskultur diesem Umstand anpassen. Heute sind Frauen auch im Kampfjet zu finden oder sind Kommandeurin für ein Kampfbataillon. Im Übrigen ist das eine Art der Normalisierung. Da kommen auch neue Gedanken, neue Ideen und neue Prinzipien in die Bundeswehr.

Das Bataillon in Storkow hat erstmals eine Kommandeurin. Anastasia Biefang hat Aufsehen erregt: Sie kam als Mann zur Bundeswehr und ist jetzt eine Frau. Wundern Sie sich, in welch hohem Tempo sich die Bundeswehr verändert?

Na ja, ich finde das nicht zu rapide. Wir bilden das ab, was in der Gesellschaft auch passiert, was Normalität ist. Die Bundeswehr sollte sich nicht absondern oder etwas anders machen.

Die Wirtschaft beklagt einen Mangel an qualifiziertem Personal. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Wir müssen uns immer bemühen, weiteres Personal zu gewinnen. Da stehen wir sehr in Konkurrenz zur freien Wirtschaft. Wir kämpfen um die gleichen Köpfe. Dazu kommt, dass wir in der Armee heute einen hohen Grad der Spezialisierung haben, und gerade die Spezialisten sind besonders knapp.

Die Nachwuchsgewinnung war mit der Wehrpflicht einfacher. Seit sechs Jahren ist sie ausgesetzt. Trauern Sie ihr nach?

Nicht aus diesem Grund. Ich bin überzeugt, dass wir in einem fantastischen Land leben und dass es lohnenswert ist, sich einzubringen. Es ist gut, eine Verpflichtung für den Zusammenhalt der Gesellschaft zu empfinden und dann zu den Streitkräften oder eben zum Deutschen Roten Kreuz oder zur freiwilligen Feuerwehr zu gehen.

Also ein Pflichtjahr für alle jungen Leute?

Das könnte man da rauslesen. Ich mache aber keine Politik.

Es gibt das berühmte Zitat des damaligen Verteidigungsministers Peter Struck: „Unsere Sicherheit wird nicht nur aber auch am Hindukusch verteidigt“. Schließen Sie sich dem an?

Unbedingt. Deutschland hat keine Mauer um sich herum. Wir machen aus dieser Überlegung heraus im Ausland internationales Krisenmanagement.

Sie haben natürlich auch einen Fokus auf Deutschland. Wird der in der aktuellen weltpolitischen Lage wieder stärker?

Deutschland hat sich im vergangenen Jahr ein neues Weißbuch gegeben. Dort ist erkennbar, dass die Landes- und Bündnisverteidigung wieder an Bedeutung gewinnen und mittlerweile gleichauf mit den Aufgaben im Rahmen des internationalen Krisenmanagements sind. Man muss die Soldaten dafür ordentlich ausbilden. Das ist auch ein Paradigmenwechsel gegenüber früheren Jahren als nach dem Fall der Mauer vor allem die Friedensdividende zu ernten war. Nun gibt es eine Verschiebung und damit einen Ressourcenkonflikt. Man muss sich um eine ordentliche Ausstattung kümmern und sie auch bezahlen.

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