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Glühwein statt Gurken : Winterlicher Spreewald lockt immer mehr Gäste

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Glühwein, Tee und warme Decken: Wenn Helmut Michler um diese Jahreszeit Fahrgäste mitnehmen will, muss er seinen Kahn winterfest machen. Auch ein paar Schnäpschen stehen bereit. „Es soll ja keiner frieren“, sagt Michler und stakt los mit seinem langen Kahn.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 12:42 Uhr

Glühwein, Tee und warme Decken: Wenn Helmut Michler um diese Jahreszeit Fahrgäste mitnehmen will, muss er seinen Kahn winterfest machen. Auch ein paar Schnäpschen stehen bereit. „Es soll ja keiner frieren“, sagt Michler väterlich und stakt los mit seinem langen Kahn.

Gemächlich geht es durch eiskaltes Wasser. Ein Boot mit frischem Brennholz schippert vorbei - ansonsten herrscht kaum Verkehr auf den Fließen in Lübbenau. Durch die kahlen Bäume blinzelt die Januarsonne, es ist ganz ruhig. Aber genau das lockt immer mehr Touristen an, die Entspannung suchen.

Winter im Spreewald - das liege im Trend, sagt Dieter Hütte, Geschäftsführer der TMB Tourimus-Marketing Brandenburg GmbH. Übernachteten im Januar und Februar 2003 noch rund 30 000 Touristen im Spreewald, seien es Anfang 2013 bis zu 58 000 gewesen. Die Zahlen hätten sich fast verdoppelt. Für diesen Winter liegen noch keine genauen Daten vor, nur für den herbstlichen Oktober. Da gab es laut TMB über 132 000 Übernachtungen - ein Plus von knapp neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Früher, erinnert sich der Fährmann, da sei im Oktober Schluss gewesen mit den Kahnfahrten. Der Spreewald, das war in der Winterzeit ein fast menschenleerer Ort. „Heute fahren wir, so lange Wasser ist“ - also die Fließe nicht zugefroren sind - erzählt Michler, der seit 43 Jahren für die Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft arbeitet. Freilich seien die Besucherzahlen im Winter nicht mit dem Riesenandrang im Sommer zu vergleichen. „Aber es sind bedeutend mehr Gäste geworden.“

„Die Wintermonate machen einen Besuch im Spreewald besonders reizvoll“, wirbt TMB-Geschäftsführer Hütte. Denn zu keiner Jahreszeit sonst könne die Region so entspannt und fernab des Trubels entdeckt werden. „Der lärmgeplagte Großstädter findet hier Ruhe und Zeit für sich selbst.“ Etwa bei einer Winterkahnfahrt, beim Winterpaddeln oder bei ausgedehnten Spaziergängen. In Burg kann man „Mummelkahnfahrten“ machen; andere quartieren sich in Hotels und Thermen ein und machen Wellness-Urlaub.

Reinhard und Ines Braun sind aus Hannover zum Urlaub nach Brandenburg gekommen. „Basislager“ ist die Wohnung der Tochter in Berlin. Von da aus startet das Ehepaar täglich Ausflüge ins Umland. Heute ist der Spreewald dran. Die kahlen, entlaubten Bäume seien nicht öde, sondern reizend, findet Ines Preikschas-Braun. „So kann man schön durchgucken - im Sommer ist doch alles zugewuchert.“

Überhaupt sei ganz Brandenburg im Winter eine Reise wert. „Nicht so überlaufen und einfach schön“, meint Preikschas-Braun. Kloster Neuzelle, Fürstenwalde, Potsdam und nun der Spreewald - das Ehepaar ist schon gut herumgekommen. Nur mit dem Kahn wollen beide nicht fahren. „Wir haben überlegt. Aber wir laufen lieber.“ Nur Vorsicht: Nicht alle Brücken über die Fließe sind gestreut. „Kein Winterdienst“, heißt es an vielen Übergängen in Lübbenau.

Bei Fährmann Helmut Michler dauert die Fahrt durch den winterlichen Spreewald knapp anderthalb Stunden. Es sei die gleiche Route wie im Sommer, nur ohne Pause. Denn alle Gasthäuser und Museen seien im Winter geschlossen. Außerdem will der Fährmann in Bewegung bleiben. „Sonst fang ich an zu frieren“, sagt Michler und schiebt sich seine weiße Kapitänsmütze zurecht. Pause haben die Fährleute erst, wenn strenger Frost einsetzt und die Fließe zufrieren. Dann beginnt im Spreewald die Eislaufsaison.

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