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Denkmal droht das Aus : Wie weiter mit der Schlösser GmbH

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Deutsche Stiftung Denkmalschutz will sich aus Schlösser GmbH zurückziehen / Zehn Schlösser sind betroffen

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) hatte sich dafür eingesetzt. Ursprünglich war das Land zur Hälfte an der Gesellschaft beteiligt und trug 50 Prozent der Kosten. Vor zwölf Jahren wurde der Landeszuschuss eingestellt. Das Land hielt weiter eine fünfprozentige Beteiligung und sitzt mit Vertretern des Finanz- und Kulturministeriums im Aufsichtsrat. Schließlich steckt in den zehn Schlössern und weiteren Häusern, die die Gesellschaft im Auftrag von Kommunen sicherte, teilweise restaurierte und zu vermarkten versuchte, einiges Landesgeld.

Das Land müsse erklären, ob es Interesse hat, die Häuser zu übernehmen, so Schirmer. Anderenfalls könnten die Schlösser an Dritte veräußert werden, die ein durchdachtes Konzept vorlegen, sagt die Sprecherin.

Der Plan der Schlösser-Gesellschaft bestand jahrelang darin, zuerst den Verfall zu stoppen und mit dichten Dächern und Fenstern den alten Gemäuern Zeit zu verschaffen. Der Innenausbau wurde aufgeschoben, bis sich ein Nutzer fand. In Reichenow und Steinhöfel entstanden so Schlosshotels. Im Wasserschloss Fürstlich Drehna wurden Voraussetzungen für ein Luxushotel geschaffen.

Baukosten wurden dabei nicht auf die Nutzer umgelegt, die sollten für den Unterhalt der Häuser sorgen, nach Möglichkeit mit Zugang für die Öffentlichkeit. Auf der Internetseite der Schlössergesellschaft wird das Herrenhaus Dahlwitz beispielsweise für einen Mietzins von 5,50 Euro je Quadratmeter angeboten. Dennoch gelang es trotz Nähe zu Berlin nicht, einen Nutzer zu finden.

Die Stadt Mühlberg hat noch größere Probleme. Sie besitzt eines der unbekanntesten Schätzchen der Brandenburger Schlösser. Im Ortsteil Martinskirchen hatten die sächsischen Grafen Brühl ein Jagdschloss errichten lassen – viel größer als die Wohnsitze des brandenburgischen Adels. Der frühere Landeskonservator Detlef Karg schwärmte vom sächsischen Rokoko, der ihn mehr begeisterte als Sanssouci.

Die Schlösser GmbH hat rund zwei Millionen Euro investiert, der Festsaal strahlt in altem Glanz und wird für Konzerte genutzt. Der Rest der Dreiflügelanlage ist noch nicht saniert. Im Rathaus von Mühlberg weiß Bürgermeisterin Hannelore Brendel nicht, wie der Unterhalt bestritten werden soll. Die 350 Fenster des Schlosses müssen neu gestrichen werden.

Im Amt Lieberose ist man von der jüngsten Entwicklung überrascht. Die Stadt hatte das Gebäude für einen Euro an die Schlössergesellschaft verkauft. Die Sanierung ist nicht abgeschlossen, eine Nutzung nicht in Sicht. Die Stadt Lieberose kann es nicht zurücknehmen, ist die stellvertretende Amtsdirektorin Kerstin Chilla sich sicher. Auch die Betreiber der Hotels in den Schlössern Reichenow und Steinhöfel zeigten sich am Donnerstag von der Entwicklung überrascht. Allerdings verwiesen beide auf ihre langfristigen Pachtverträge, egal wie es mit der Schlössergesellschaft weitergeht.

Im Finanzministerium wird bestätigt, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sich mit dem Wunsch nach Veränderungen gemeldet hat. Finanzminister Christian Görke (Linke) macht jedoch deutlich, dass das Land nicht einfach die Schlössergesellschaft übernehmen wird.

Kulturministerin Martina Münch (SPD) sieht keine einfache Lösung. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten fällt als Auffanggesellschaft aus, da Bund und Berlin streng darauf achten, dass nur königliche Schlösser betreut werden. Münch hat ein weiteres Problem: Schloss Wiepersdorf, in dem Künstler Schaffenszeit verbringen, sollte sich aus Einnahmen eines Fonds finanzieren. Die mehr als sieben Millionen Euro werfen bei der aktuellen Zinslage nichts mehr ab.

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