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500-Euro-Schein vor dem Aus : Wertvoll und umstritten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Am kommenden Mittwoch soll das Ende des 500-Euro-Scheins durch den Rat der Europäischen Zentralbank besiegelt werden

svz.de von
erstellt am 30.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Während Bankmanager und Verbraucherschützer diesen Schritt kritisieren, zeigen sich Kriminalisten in Brandenburg erleichtert.

Er ist federleicht, lila und durchaus so viel wert wie ein Kurzurlaub samt Flug: Der 500-Euro-Schein löst seit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung eine gewisse Faszination aus. Viele Menschen hatten diese Banknote noch nie im Portmonee, in anderen Geldbörsen findet sich ein ganzes Bündel davon. Nun könnte dieses wertvolle Stück Papier von der Bildfläche verschwinden.

Begründet wird die Abschaffung mit dem Kampf gegen den Terrorismus sowie gegen die organisierte Kriminalität. Denn die Banknote gehört weltweit zu den Geldscheinen mit dem höchsten Wert.

Für eine Abschaffung setzten sich Polizeibehörden vehement ein. Die 500-Euro-Scheine seien eines der beliebtesten Werkzeuge der Kriminellen, wenn es um die Aufbewahrung ihrer Gewinne gehe sowie die Verschleierung von illegalen Einnahmen, teilte Europol in einer Analyse mit. Sie seien kein übliches Zahlungsmittel für die Bürger. Bislang existieren freilich nur grobe Schätzungen, wie viele der Banknoten in einzelnen EU-Staaten existieren. „Sie sind ja nicht mit Sendern versehen“, sagt ein Sprecher der Bundesbank.

Auch deutsche Ermittler hoffen auf die Abschaffung, um die grenzüberschreitende Geldwäsche einzudämmen und Steuerhinterziehung zu erschweren. Nach einer Studie der Martin-Luther-Universität Halle werden hierzulande jährlich 100 Milliarden Euro „gewaschen“. Doch Statistiken, wie oft größere Mengen an 500-Euro-Scheinen im kriminellen Milieu sichergestellt wurden, existieren nicht. In Brandenburg wurde kein entsprechender Fall bekannt. „Das Dunkelfeld ist allerdings hoch“, erklärt Riccardo Nemitz, Landesvorsitzender des Bundes der Kriminalbeamten. „Wenn es einen Verdacht gebe, ziehen sich die Verfahren lange hin.“

Die Befürworter sind allerdings nicht in der Überzahl: Schon während der Diskussion über das Schicksal des Geldscheins hagelte es Kritik von Experten. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele betonte unlängst, er bezweifle, dass mit der Abschaffung kriminelle Handlungen eingeschränkt werden könnten. Zudem entstünden hohe Folgekosten. Der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, verweist darauf, dass der Anteil der Barzahlung im Einzelhandel nach wie vor hoch sei.

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