Alwine in Brandenburg : Wer will ein Dorf kaufen?

Erika Kühne (79) und Paul Urbanek (71) vor ihrem Wohnhaus
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Erika Kühne (79) und Paul Urbanek (71) vor ihrem Wohnhaus

Gleich eine ganze Wohnsiedlung in Brandenburg kommt bei einer Auktion demnächst unter den Hammer

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17. November 2017, 05:00 Uhr

Wer schon immer mal davon träumte, Besitzer eines Mini-Dorfes zu sein, könnte bald zum Zuge kommen. Mitten in einer entlegenen Region in Brandenburg - viele Großstädter würden wohl „Pampa“ sagen – steht eine kleine Wohnsiedlung mit mehreren Häusern zum Verkauf. Plötzlich kommt Aufregung in einen Ort, an dem doch eines so sehr geschätzt wird: Ruhe.

Erika Kühne steht in Kittelschürze am Fenster ihrer Mietwohnung in Alwine und telefoniert. Im Hintergrund läuft der Fernseher. Es sind Interessenten, die sich nächste Woche die kleine Siedlung in Südbrandenburg ansehen wollen, wie die 79-Jährige berichtet, als sie aufgelegt hat. Bis vor kurzem hätten die Bewohner überhaupt nicht gewusst, dass die Versteigerung von Alwine ansteht. Sie sieht dem Ganzen gelassen entgegen. „Och, die sollen machen, was se wollen“, sagt die Seniorin.

So kam die geplante Auktion am 9. Dezember in Berlin zustande: Das etwa 16 000 Quadratmeter große Areal wurde nach den Angaben des Auktionshauses Karhausen nach der Wende von zwei Brüdern erworben.

Einer von ihnen ist inzwischen gestorben und nun soll das Areal verkauft werden. Es handelt sich um sechs in die Jahre gekommene Doppel- und Mehrfamilienhäuser, die von rund 15 Mietern bewohnt werden, wie Vorstand Matthias Knake sagt. Das Anfangsgebot liege bei 125 000 Euro.

Alwine liegt an der Landstraße 65, umgeben von Wäldern. Von Berlin braucht man ungefähr zwei Stunden mit dem Auto. Hier in Alwine kräht zwar kein Hahn, dafür bellt aber ein Hund, wenn man durch die kleine Straße geht. Diese ist als Schleife an der Landstraße angelegt.

Die Glanzjahre hat die kleine Siedlung hinter sich. An den Häusern blättert der Putz ab, zum Teil sind die Häuser, Baracken und Garagen Ruinen. Fenster sind zerschlagen, eine alte Gardine hängt heraus.

Aber es gibt auch sehr gepflegte Stellen: zum Beispiel akkurat rund geschnittene Buchsbäumchen in Kübeln oder ein sauber angelegtes Beet in einem Garten.

Alwine wirkt, als ob die Zeit stehengeblieben ist. Erika Krüger sagt: „Wir haben keine Heizung, wir heizen mit dem Kohleofen.“ Oder mit Holz, das ihr Nachbar für sie in einem der Gärten hackt.

Heute ist Alwine ein Ortsteil von Domsdorf und gehört zur Stadt Uebigau-Wahrenbrück. Deren Bürgermeister Andreas Claus (parteilos) hat wegen der Versteigerung der Siedlung keine Bedenken. „Das ist eine ganz normale zivilrechtliche Angelegenheit“, sagt er. Nach der Wende habe die Treuhand die einstigen volkseigenen Flächen an die beiden Interessenten verkauft. Das sei heute Privatland.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich Bergleute um die Brikettfabrik „Louise“ – heute ein technisches Denkmal – und den Braunkohletagebau nieder. Ihre Siedlung nannten sie „Alwine“, sagt er. Erinnert wurde damit vermutlich an die Ehefrau oder Tochter des Grubenbesitzers, wie er ergänzt.

Für Alwine ist Bürgermeister Claus in puncto Versteigerung und Preis zuversichtlich. Er rechne damit, dass in den nächsten Tagen noch viele Interessenten vor Ort das Objekt in Augenschein nehmen werden, um zu sehen, auf was sie sich möglicherweise einlassen.

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