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BER-Geschäftsführer im Landtag : Wenn Potsdam über Tegel streitet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Erster Auftritt des neuen BER-Geschäftsführers im Landtagsausschuss – einige Abgeordnete wollen Abkehr vom Single-Airport

Zum ersten Mal war der neue Flughafengeschäftsführer Lütke-Daldrup zu Gast im Sonderausschuss BER. Doch das heimliche Thema der gestrigen Sitzung war das von knapp 200 000 Menschen unterzeichnete Berliner Volksbegehren zur Offenhaltung Tegels.

Trocken ist er, direkt und sachlich, lange Sätze sind nicht seine Sache. Als der neue Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Engelbert Lütke-Daldrup, Premiere im Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags hatte, war die lange Ausschusserfahrung des ehemaligen Staatssekretärs spürbar. Lütcke-Daldrup wusste, wie er die Fragen der Abgeordneten abblockte. So, als ihn Axel Vogel (Grüne) nach Auswirkungen des Volksbegehrens „Tegel offenhalten“ fragte, das bis gestern knapp 200 000 Berliner unterzeichnet hatten. „Mir steht es nicht an, mich als Flughafengeschäftsführer zu Angelegenheiten eines Gesellschafters zu äußern“, sagte der frühere Flughafenkoordinator des Berliner Senats. „Wenn man den Text des Volksbegehrens sieht, wird man sehen, welche Auswirkungen es haben wird.“ Der Flughafen habe Interesse am Single-Airport-Modell mit einem Flughafen, weil die Wirtschaftsplanung darauf aufbaue.

Dabei gab es im Flughafenausschuss durchaus Sympathien für eine Offenhaltung Tegels. „Haben sich die Gesellschafter mal Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn wir eine Situation wie am Wochenende in Paris haben – wie dann bei einem Single-Airport die Hauptstadt aus der Luft erreichbar ist?“, fragte etwa der SPD-Abgeordnete Helmuth Barthel. Auch der Abgeordnete der Freien Wähler, Christoph Schulze, regte an, mit Vertretern der übrigen Landtagsausschüsse bei der Neufassung des Landesentwicklungsplans darüber nachzudenken, ob man bei einem Single-Airport bleiben wolle.

Doch der Aufsichtsratsvorsitzende, der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD), machte deutlich, dass es zwei ablehnende Voten der Gesellschafter Berlin und Bund zu einen Weiterbetrieb Tegels gebe. „Mit den ablehnenden Voten geht nichts.“

Ende Februar hatte der Flughafen nach Angaben Lütke-Daldrups einen Stand der Fertigstellung von 87 Prozent erreicht. Bei den Türen, die neu angesteuert werden müssen, sei man gut vorangekommen. Noch immer müssten 1,2 Kilometer Rohrleitungen für die Sprinkleranlagen ersetzt werden. „Sie wissen, dass es nicht mehr realistisch ist, den Flughafen noch in diesem Jahr zu eröffnen“, sagte Lütke-Daldrup. „Wir arbeiten zur Zeit daran, einen realistischen Terminplan zu erarbeiten, um eine Inbetriebnahmezielsetzung 2018 zu erreichen.“ Derzeit koste jeder Monat Bauverzögerung 13 Millionen Euro, man strebe aber an, die Kosten auf 10 Millionen Euro abzusenken. Aus Sicht der Landtagsopposition fehlen darin entgangene Einnahmegewinne, so dass die tatsächlichen Kosten größer sind.

Deutlich wurde gestern, welche Schwierigkeiten der Übergang vom bisherigen Flughafengeschäftsführer Karsten Mühlenfeld auf Lütke-Daldrup mit sich brachte: Eine ordentliche Übergabe habe es nicht gegeben, sagte Lütke-Daldrup. Und wie man mit dem von Mühlenfeld vereinbarten Beratervertrag des Bauexperten Christoph Bretschneider umgehe, werde derzeit noch geprüft.

 


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