Chancen für Pop-Kultur : Wenn im Wald die Bässe wummern

Die VooV-Experience in Putlitz gibt es vom 20. bis 23. Juli zum 26. Mal
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Der Kulturausschuss des Landtags beriet über Popfestivals in Brandenburg

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20. Juni 2018, 20:45 Uhr

Vögel zwitschern, Enten ziehen auf dem Wasser ihre Kreise. Normalerweise ist es am Waldsee von Grünefeld im Havelland ruhig und friedlich. Doch einmal im Jahr, meist Ende Juli, verwandelt sich das Areal am See in eine Großraum-Disko: Bässe wummern und Laser flackern. Dann findet die „Nation of Gondwana“ statt, ein Techno-Festival mit bis zu 10 000 Besuchern. Seit 1995 sind Raver aus aller Welt im Havelland zu Gast, kaum ein anderes Brandenburger Festival für elektronische Musik hat sich länger und erfolgreicher gehalten.

Die „Nation of Gondwana“ war am Mittwoch daher Thema im Kulturausschuss des Landtags. Das Augenmerk der Berliner Clubszene für Veranstaltungsorte in Brandenburg steige, sagte Mark Wohlrabe von der „Clubcommission“, dem Verband der Berliner Club-, Party- und Kulturereignisveranstalter. „Das ist eine Chance für Brandenburg.“ Berlin sei teuer geworden, die nächste Generation Festivalveranstalter und Clubbetreiber finde keine Flächen mehr. Und ein märkisches Dorf könne von einem Festival wie der „Nation of Gondwana“ profitieren, machten Festivalveranstalter Markus Ossevorth und der Bürgermeister von Schönwalde (Glien), Bodo Oehme (CDU), deutlich.

„Wir vergeben pro Jahr Aufträge von 500 000 Euro an Firmen aus dem Havelland und angrenzenden Landkreisen“, sagte Ossevorth. Die Freiwillige Feuerwehr und der Seniorenclub Grüneberg hätten einen Grillstand auf dem Festival. Jugendliche aus dem Dorf, die beim Aufbau helfen, erhielten dafür Freikarten.

Selbst mit der Universität Cottbus wirke man zusammen: Konstruktionen, die Studenten der Tragwerkslehre als Semesterarbeit entwickeln, würden bei der „Nation of Gondwana“ aufgebaut. Für die Anreise der Besucher gebe es den umweltfreundlichen Busshuttle vom Bahnhof Nauen. „Nicht nur Havelbus, auch Betriebe der Umgebung verdienen“, sagt Oehme. So würden sich Festivalgäste im nächsten Edeka mit Lebensmitteln eindecken und Gaststätten der Umgebung aufsuchen.

Im Ausschuss wurde deutlich, dass es heute wohl schwerer ist, „Brandenburgs Chancen“ zu nutzen und eine ähnliche Veranstaltungsreihe neu zu starten: „Ich weiss nicht, ob jeder das Glück hat, auf eine so großartige Gemeinde zu treffen“, sagte Ossevorth. Oehme wurde direkter: „Wenn heute jemand versuchen wollte, so etwas zu wuppen, muss er viel Geld und Zeit mitbringen, aber er schafft es nicht.“ Das Land habe sich „überbürokratisiert“. Ein Beispiel sei die Nutzung einer Waldfläche durch das Festival: Bei der „Nation of Gondwana“ werde einige Tage lang der Backstagebereich im Wald untergebracht. „Dafür muss man eine Waldumwandlungsgenehmigung haben“, so Oehme. Obwohl der Wald nach Ende des Festivals wieder Wald sei. „Die Argumente der Forstbehörde sind nicht hinnehmbar“, kritisierte der Bürgermeister. Und er sprach von einem „vertrackten Apparat der Genehmigungen.“ Wenn das Land nicht anfange, unbürokratischer zu werden, komme es nicht weiter.

Zumal Nachwuchskünstler auch an anderen Stellen mit Problemen kämpfen: So sprach die Leiterin eines Projekts zur Popularmusikszene im Land, Franziska Pollin, vom eklatanten Mangel an Proberäumen für neue Bands gerade in Ballungsräumen des Landes. „Wir brauchen Geld, viel mehr Geld“, sagte Pollin.

Bei den Abgeordneten fanden Clubs und Festivalbetreiber offene Ohren. Der CDU-Abgeordnete Henryk Wichmann regte an, die Waldumwandlungsgenehmigung für das Festival im Petitionsausschuss zu besprechen. „Das ist ein Musterbeispiel, wie Behörden Entscheidungen lebensfremd treffen.“

Auch die Linken-Abgeordnete Isabelle Vandré nannte es wichtig, das sich die Abgeordneten das Thema Festivals auf den Tisch ziehen. „Ich würde mir wünschen, dass das auch strukturell von politischer Seite unterstützt wird.“

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