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Potsdamer Garnisonkirche : Wenn erst mal der Kran steht

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Stiftung Garnisonkirche hofft auf Baubeginn noch dieses Jahr – und weitere Spenden

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Beginnt noch 2017 der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche? Die Zeichen dafür waren noch nie so positiv. In trockenen Tüchern ist das Vorhaben trotz Großspenden, Bundesmitteln und Abstrichen aber noch lange nicht.

Der Grundstein wurde schon 2005 gelegt – symbolisch. Es folgten viele symbolische Akte: Ein Bogen wurde aufgemauert mit einem Kreuz, eine provisorische Kapelle mit Ausstellung errichtet und die zu ebener Erde monströs wirkende Wetterfahne an der Breiten Straße in Potsdam aufgestellt.

Aber erst zu Beginn dieses Jahres machte sich in der Stiftung Garnisonkirche und der Fördergesellschaft Optimismus breit, dass die im Zweiten Weltkrieg beschädigte und zu DDR-Zeiten gesprengte Dominante der Stadtansicht wieder in den Himmel ragen wird. Die Stiftung verkündete zum Neujahrsempfang, das Spendenaufkommen habe den Eigenanteil für den Beginn des Wiederaufbaus erreicht, zusammen mit Krediten der evangelischen Kirche und Großspenden unter anderem von Günther Jauch.

Wie sie aussehen könnte, zeigt ein Modell der rekonstruierten Garnisonkirche.
Wie sie aussehen könnte, zeigt ein Modell der rekonstruierten Garnisonkirche. Foto: Arno Burgi/dpa/Archiv

In der vergangenen Woche hieß es dann, der Finanzausschuss des Bundestages wolle die zwölf Millionen Euro freigeben, die für das Vorhaben seit Jahren vorgesehen sind, sobald der Rest der Finanzierung steht.

Wieland Eschenburg, Vorstand der Stiftung, reagiert noch verhalten. Die Formalien müssen eingehalten werden, noch fehlt die schriftliche Zusage. Trotzdem hofft er, dass Ende des Jahres ein Baukran an der Baustelle steht. Das hieße, dass in Rekordzeit der Fördermittelantrag gestellt und bearbeitet worden wäre, die Bauleistungen ausgeschrieben sind und die Firma, die den Zuschlag erhält, sofort loslegen kann.

Wenn es so weit kommen sollte, liegt das an einer gewissen Kreativität im Umgang mit dem Vorhaben. Noch vor drei, vier Jahren sollte das gesamte Kirchengebäude, der fast 90 Meter hohe Turm und das Kirchenschiff, errichtet werden. Der Turm wurde mit 38 Millionen Euro veranschlagt, der Rest mit etwa 60 Millionen. Dann kam das Abspecken.

Zuerst trennte man sich vom Kirchenschiff. Der Turm sollte rekonstruiert werden, eine Kapelle, Versammlungsräume und die Aussichtsplattform entstehen. Deren Besucher sollen den Betrieb des Hauses mit ihren Tickets finanzieren. Da man im Vorjahr weit von den 38 Millionen Euro für den Turm entfernt war und der Bau laut Baugenehmigung spätestens 2018 starten muss, wurde die Idee geboren, mit einer abgespeckten Variante für 26 Millionen Euro zu beginnen: Betonhülle mit Innennutzung ohne Turmhaube und Sandsteinschmuck.

Die Frage war, ob sich der Bund darauf einlässt. Das scheint er und Eschenburg unterstreicht, dass am Ziel festgehalten wird, den Turm in ganzer Pracht wieder erstehen zu lassen. Wenn erst ein Kran steht, ließen sich die fehlenden zwölf Millionen leichter einwerben.

Die Kritiker des Vorhabens sind daher nicht verstummt. Lutz Boede, Geschäftsführer der Fraktion „Die Andere“ im Stadtparlament, hat den Widerstand gegen das Projekt ebenfalls nicht aufgegeben. Er verweist darauf, dass die Baukostenschätzungen Jahre alt sind. Das Vorhaben werde entschieden teurer sein und dann vielleicht als Bauruine und Mahnmal enden, spekuliert er.  

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