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Expertenforum in Wildau : Wenn die Drohne Diebe jagt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Flugroboter erobern den zivilen Luftraum – selbst einige Landkreise nutzen die Technik

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2016 | 18:14 Uhr

Sie sind als Kriegsgerät bekannt und als Spielzeug. Aber Drohnen können mehr, wie ein Expertenforum in Wildau jetzt zeigte. Diebe abschrecken oder Störche zählen. Bergbauunternehmen, die Bahn, Kliniken und erste Landkreise entdecken die Flugroboter.

Bisher musste die Feuerwehr den „Schrottimmobilien“ im Kreis Elbe-Elster oft aufs Dach steigen. Mit der Hebetechnik hoch, Fotos schießen. Jetzt macht diesen Job die Neue, die der Kreis für rund 2000 Euro eingestellt hat. Die Elbe-Elster-Landkreis-Drohne. Ihre Aufnahmen zeigen der Bauverwaltung, wo Dachsteine auf Gehwege zu fallen drohen und dringend repariert werden müssen. Die Baubegutachtungen sind eine Hauptaufgabe des Fluggeräts.

„Das macht etwa 60 bis 70 Prozent des Alltagsgeschäfts aus“, sagt Frank George von der Bauaufsicht des Kreises. „Die Drohne ist effizient, wir sparen damit viel Zeit.“ Wenn das Mini-Fluggerät nicht um baufällige Häuser kreist, schaut es, ob auf illegalen Abfallhalden weiterer Schutt abgeladen wird, oder zählt den Storchennachwuchs. „Luftbilder erweitern den Horizont“, sagt George. „Man sieht Details, die man sonst nicht mitbekommt.“

Zum Beispiel Trampelpfade, auf denen Diebe in Tagebaue von Vattenfall eindringen, um tonnenweise Kupferkabel zu stehlen. Der Bergbaukonzern testet die Fluggeräte, um Langfinger abzuschrecken. Die Bahn erkundet, wo Diebe Kabelkanäle neben den Strecken offengelegt haben, um später Kabel zu stehlen. Die fliegenden Augen halten auch Ausschau nach umsturzgefährdeten Bäumen oder unsicheren Böschungen neben den Gleisen. Sie liefern Daten für detaillierte 3-D-Modelle von Bahnhofsgebäuden, um deren aktuellen Reparaturbedarf zu checken. Dort sieht man dann genau, wo der Stuck an der Fassade bröckelt.

Menschen brauchen für so eine gründliche Gebäudeinventur 80 bis 100 Stunden. „Eine Drohne erledigt das in drei bis vier Stunden“, sagt Mario Finkbeiner von der DB Sicherheit GmbH. Die Multikopter liefern auch Daten für Vermessungsarbeiten. Kliniken transportieren damit Blutproben. Landwirte werfen Schlupfwespen-Eier zur biologischen Schädlingsbekämpfung ab. Das sind nur einige zivile Einsatzmöglichkeiten, die das Innovationsforum „Zivile Nutzung unbemannter Flugobjekte – Curpas“ in Wildau vorstellte.

Verbreitet sind unbemannte Flugobjekte beim Film und der Erfassung von Geländestrukturen für Geo-Dien-ste, sagt Uwe Meinberg, Professor für Industrielle Informationstechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. „Im Kommen ist die Inspektion von technischen Einrichtungen.“ Das können Gleise sein, Förderanlagen im Tagebau oder Brücken.

Was die Drohnen noch bremst, sind technische Probleme, an deren Lösung Meinberg mit seinen Kollegen forscht. Sensoren, die Schäden an Gebäuden erfassen, arbeiten noch nicht exakt genug. Es dauert zu lange, bis große Mengen von Bilddaten ausgewertet sind. Drohnen und Zubehör wie Kameras sind nicht kompatibel. Und mit Flugzeiten von 15 bis 30 Minuten sind gerade die kleineren der fliegenden Augen nicht ausdauernd genug.  

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