Wenn der Wolf kommt: Falco passt auf

Der Schäfer Andreas Hauswald steht mit seinen Pyrenäenberghunden auf einer Weide in Mülberg an der Elbe. Ende der 1990er Jahre wurden in der Lausitz in Brandenburg und Sachsen wieder Wölfe angesiedelt. Schafhalter  rüsten mit einer speziellen Wachtruppe auf vier Pfoten auf. dpa
Der Schäfer Andreas Hauswald steht mit seinen Pyrenäenberghunden auf einer Weide in Mülberg an der Elbe. Ende der 1990er Jahre wurden in der Lausitz in Brandenburg und Sachsen wieder Wölfe angesiedelt. Schafhalter rüsten mit einer speziellen Wachtruppe auf vier Pfoten auf. dpa

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25. Mai 2010, 01:57 Uhr

Mühlberg | Unter der Menge friedlich weidender Schafe bei Schäfer Andreas Hauswald in Mühlberg an der Elbe (Elbe-Elster) sind die Pyrenäenberghunde nur schwer auszumachen. Die helle Farbe ihres Fells hebt sich kaum von der Wolle der Schafe ab. Doch mit der Idylle kann es schnell vorbei sein: "Falco" und "Dux" passen auf und sichern ihre Schützlinge vor Angriffen des gefürchteten Wolfs.  Die ersten toten Schafe nach Wolfsangriffen in Brandenburg und Sachsen hatten die Schäfer in Alarmbereitschaft versetzt. Geeignete Strategien wurden gesucht: Flatterbänder oder Elektrozäune um die Weideflächen. "Oder der Einsatz geeigneter Schutzhunde", sagt der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, Jan Greve.

"Normale" Hütehunde wie Deutsche Schäferhunde sind auf den Schäfer fixiert. Sie lenken und leiten die Herde, bringen sie sicher über Felder und Wege und halten sie zusammen. Herdenschutzhunde verstehen sich als Teil der Herde. Ihre "Familie" verteidigen sie.  2003 wurde in Brandenburg ein Schweizer Projekt vorgestellt. Dabei übernehmen spezielle Hunderassen die Absicherung der Herden vor allem vor Wolfsangriffen. Sachsen hat 2008 drei Herdenschutzhunde aus der Schweiz geholt. Pro Jahr gibt der Freistaat 10 000 Euro dafür. Das Land Brandenburg beteiligt sich zu 80 Prozent sowohl am Erwerb als auch an den Haltungskosten in den ersten zwei Jahren. Der Mehraufwand des Schäfers mit der Haltung kann aber nicht vergütet werden.    Schäfer Hauswald meldete sich, um Hunde für die Einsatzgruppe auszubilden - obwohl an der Elbe noch kein Wolf gesehen wurde. "Aber man muss vorbereitet sein", meint der 60-Jährige. Dann kamen zwei helle Fellknäuel: "Dux" und "Falco". Mit Geduld mussten sich alle aneinander gewöhnen: die Schafe an die Neuankömmlinge und die Hütehunde an die künftigen "Spezialkräfte". "Keiner darf dem anderen ins Gehege kommen, jeder muss den anderen akzeptieren", erläutert Hauswald das Rollenverhalten.    Heute wissen die Pyrenäenberghunde Bescheid und können zwischen friedlichen und gefährlichen Zwei- und Vierbeinern unterscheiden. "Spaziergänger mit Hund oder Kinderwagen oder Reiter tun der Herde nichts", erläutert Hauswald den simpel klingenden Auftrag an die Pyrenäenberghunde. Doch die Tücke liegt im Detail: Die Alarmglocken müssen angehen, wenn sich ein Wolf nähert oder ein anderer Dieb Beute machen will.

Hauswald hat zwei Hundepaare ausgebildet. Bei seinem Kollegen Jürgen Körner in Teltow-Fläming sind es weitere zwei Paare. Sie bilden den Grundstock für die Brandenburger Task Force auf vier Pfoten im Kampf gegen Wölfe.  Die Hunde können jetzt an Schäfer verliehen werden, wenn diese Gefahr für ihre Herden vermuten. Nach drei Tagen Eingewöhnung kommen die Hunde in der Regel mit der neuen Herde klar, vergrämen Wölfe durch Bellen und auch durch ihre imposante Erscheinung. Die Wächter sind keine Jagdhunde. Sie töten keine Wölfe, sagt Hauswald.  

Der Brandenburger Schafzuchtverband beklagt, dass das Projekt hauptsächlich durch den Enthusiasmus der Beteiligten läuft. In der Regel kostet die Ausbildung eines Hundes etwa 1000 Euro. Für den Wolf, der unter Schutz steht, wird nach Ansicht des Verbandes mehr getan als für die Herdenschutzhunde. "Es sind noch viele Fragen zu klären, aber einiges ist schon besser geworden", sagt Greve. In Brandenburg sind 2008 rund 60 Schafe von Wölfen gerissen worden. Die Besitzer wurden mit rund 7200 Euro entschädigt. Im Vorjahr gingen auf das Konto von Wölfen etwa 40 Nutztiere - rund 7300 Euro wurden dafür vom Landesumweltamt in Brandenburg gezahlt. In Sachsen gehören bislang rund 220 Schafe zur Opferbilanz.    Derzeit leben nach Angaben des Kontaktbüros Lausitz in Sachsen fünf Wolfsfamilien und in Brandenburg eine sowie ein Paar noch ohne Welpen. Ihr Revier erstreckt sich den Angaben zufolge über 2500 Quadratkilometer vom Nord-Osten Sachsens bis nach Süd-Brandenburg.

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