Spielsucht : Wenn das Spiel zur Sucht wird

Automatenspiele sind rückläufig, haben aber einen hohen Suchtfaktor.
Automatenspiele sind rückläufig, haben aber einen hohen Suchtfaktor.

Experten warnen vor Sportwetten im Internet: Hohe Gefahr, abhängig zu werden

svz.de von
23. März 2016, 08:37 Uhr

25 000 Brandenburger gelten als spielsüchtig. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer. Während der Zuspruch zu klassischen Glücksspielen sinkt, bereitet Experten der Zulauf zu illegalen Sportwetten Sorge.

„Je kürzer die Zeitspanne zwischen Einsatz und erhofftem Gewinn, um so größer ist der Reiz für die Spieler“, erläutert Alexandra Pasler, Referentin für Glücksspielsucht der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen die wachsende Beliebtheit von Sportwetten im Internet. Während beim klassischen Lotto mitunter Tage vom Kauf des Scheins bis zur Ziehung vergingen, könne man online oder in illegalen Wettbüros „stets sofort und auf alles Mögliche wetten“. Deutlich mehr Suchtgefahr inklusive.

Eine gestern von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veröffentlichte Studie bestätigt den Trend. Gaben 2007 noch 55 Prozent der Befragten an, im zurückliegenden Jahr eine Art von Glücksspiel gemacht zu haben, waren es 2015 nur 37 Prozent. Lotto „6 aus 49“ verzeichnet ebenso starke Rückgänge wie Glücksspielautomaten. Kräftig zugelegt hat vor allem bei jungen Männern die Lust auf illegale Sportwetten. Laut Studie gaben 13 Prozent der Männer von 18 bis 20 an, dort mitzumachen. Vor zwei Jahren waren es noch sechs Prozent.

„Den steigenden Trend spüren wir auch in Brandenburg, obwohl die größten Suchtprobleme nach wie vor von Glücksspielautomaten ausgehen“, sagt Alexandra Pasler. Der Zugang zu Online-Wetten sei kaum kontrollierbar. Ob deutsche Spieler Rechtsansprüche gegen Portale mit Sitz in Gibraltar haben, sei ungewiss. Auch Vorkehrungen zum Schutz der Spieler vor den Suchtgefahren würden fehlen.

Die Expertin warnt vor den Tücken der Sucht. „Man sieht es den Betroffenen äußerlich nicht an, sie sind erfinderisch, wenn es um Ausreden gegenüber Angehörigen und das Aufspüren neuer Geldquellen zum Spielen geht“, betont Alexandra Pasler. Ihr Rat an die Vielspieler und deren Familien: „Trauen Sie sich, möglichst früh eine Beratung zu holen!“

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der für die Glücksspielstudie mitverantwortliche Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) sehen den Gesetzgeber in der Pflicht, den Sportwettenmarkt zu regeln. 2012 wurde zwar versucht, in einer Experimentierphase 20 Konzessionen für staatliche und private Anbieter von Sportwetten zu vergeben. Wegen juristischen Streits kam es dazu jedoch nicht.

Die Frage sei, ob Sportwetten so angeboten werden können, dass sich ihr Suchtpotenzial durch geeigneten Spielerschutz und andere Regeln nicht entfaltet, so Torsten Meinberg vom DLTB. Eine liberale Glücksspielregelung, die Online-Poker und Wettbüros in beliebiger Zahl zulässt, legte Hessen vor einer Woche vor. Sie wurde von den anderen Ländern abgelehnt.

Mathias Hausding (MOZ)

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