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Brandenburg

20. November 2017 | 13:13 Uhr

Wenn das Klettergerüst bröckelt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sachverständige der Dekra überprüfen Spielplätze in vielen Kommunen – die Ergebnisse sind ernüchternd

Hunderte Spielplätze sind seit der Wende in Brandenburg entstanden. Doch bei der Wartung der Spielgeräte sowie bei der Sauberkeit wird oft gespart. Gutachter der Dekra stellen immer wieder gravierende Mängel fest.

Wenn Mandy Spletzer und ihre Kollegen ihren Job machen, dann sorgt das immer wieder für Aufsehen. Denn zu ihrer Aufgabe als Prüfer der oft fantasievollen Spielgeräte zählt auch, diese zu testen. „Das sieht dann schon komisch aus, wenn Erwachsene sich an einer Kletterspinne nach oben hangeln“, sagt die Expertin für Arbeitssicherheit bei der Prüforganisation Dekra in Potsdam.

Allerdings sind diese sportlichen Einlagen notwendig, um auf sämtliche Mängel zu stoßen. Dazu klappen die Spielplatz-Gutachter regelmäßig ihre Leitern auf, um Schraubverbindungen an der Spitze der Bauten inspizieren zu können. Beim Check müssen die Dekra-Mitarbeiter auch zu den Fundamenten der Bauten vordringen – dann kommen Spaten zum Einsatz. „Wir fassen alles an und bewegen alles“, betont sie.

Laut einer DIN-Norm sind wöchentliche Begehungen auf den Plätzen vorgeschrieben, alle ein bis drei Monate sollte eine Funktionskontrolle erfolgen, bei der auch die Stabilität überprüft wird. Darüber hinaus ist eine jährliche Hauptinspektion vorgeschrieben, bei der jedes kleine Detail der Spielgeräte untersucht wird. Während sich Städte und Gemeinden in Brandenburg ihrer Verantwortung bewusst sind, stößt die 35-jährige Expertin bei privaten Betreibern immer wieder auf Unwissen. „Viele haben gar nicht auf dem Schirm, welche Schadensersatzforderungen bei Unfällen auf sie zukommen können“, sagt sie. Auch Sofortmaßnahmen bei gravierenden Gefahren leiten nicht alle Eigentümer unverzüglich in die Wege.

Schwere Unfälle gibt es deutschlandweit immer wieder: So starb 2013 eine 18-Jährige im nordrhein-westfälischen Datteln, als eine marode Schaukel zusammenbrach. Ebenso wurde 2010 im bayrischen Lindau ein Jugendlicher von einem Klettergerüst erschlagen. Derartige Tragödien haben sich in Brandenburg in den vergangenen Jahren nicht ereignet, sagt Hans-Nikolaus Müller, Bereichsleiter bei der Dekra in Berlin.

Vor allem bei älteren Spielplätzen ist die Liste der Mängel lang. Spletzer zeigt Aufnahmen, auf denen morsche Balken, verwitterte Stützpfeiler, zerschlissene Ketten, angebrochene Schaukelsitze, hervorstehende Nägel oder überquellende Mülleimer zu sehen sind. Auch Spalte, in denen sich Kordeln verfangen können, sind nicht selten. Nur bei vier der zuletzt von ihr geprüften 30 Anlagen gab es keine Probleme.

Feuchtigkeit und Frost setzen insbesondere Holzbauten zu, deren Standsicherheit irgendwann nicht mehr gewährleistet ist. „Wenn man solche Spielgeräte aufstellt, sollte man bei der Auswahl der Holzart nicht sparen“, empfiehlt sie. Ebenso werden immer mehr Spielgeräte aufgestellt, die fast nur aus Seilen bestehen. „Hier gibt es irgendwann Sicherheitsgrenzen“, betont Müller. Zugleich warnt er davor, in Eigenregie abenteuerliche Konstruktionen zu zimmern und für die Öffentlichkeit freizugeben. Jährlich absolviert Spletzer mehr als 200 Inspektionen auf brandenburgischen Spielplätzen, meist wird sie von Kommunen oder Wohnungsgesellschaften beauftragt. „Man bekommt einen Blick dafür, wo sich häufig Mängel auftun. Natürlich habe ich auch als Mutter meine Erfahrungen gesammelt.“ Dass nach ihrer Expertise ein baufälliger Spielplatz gesperrt werden muss, komme in der Region jedoch äußerst selten vor.

Aus Sicht der Kommunen gibt es jedoch keinen Reparaturstau auf Spielplätzen. „Man wäre ganz schlecht beraten, an der Sicherheit der Kinder zu sparen“, sagt Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds. „Mit attraktiven Spielplätzen können Gemeinden bei jungen Familien für sich werben.“ Eines räumt Böttcher allerdings ein: Bei der Planung sei in den 90er-Jahren, als die Fördertöpfe für neue Anlagen noch prall gefüllt waren, mitunter einiges schief gelaufen. „Da waren Handlungsreisende unterwegs, die Bürgermeistern viele Geräte aufgeschwatzt haben, die sehr pflegeaufwändig sind.“

 

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