Brandenburgs Wälder : Wenn Bambi zur Plage wird

Wildtiere in den Wäldern des Landes sehen in den frisch gepflanzten Bäumen ein schmackhaftes Nahrungsangebot.  Der Landesforstbetrieb sieht nur eine Lösung: die Reduzierung der Bestände durch stärkere Bejagung.
Foto:
Wildtiere in den Wäldern des Landes sehen in den frisch gepflanzten Bäumen ein schmackhaftes Nahrungsangebot. Der Landesforstbetrieb sieht nur eine Lösung: die Reduzierung der Bestände durch stärkere Bejagung.

Gerade erst gepflanzt, schon angefressen: In Brandenburger Wäldern zerstören Wildtiere immer häufiger aufgeforstete Flächen.

svz.de von
09. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Junge, knackige Bäume mit noch zarten Zweigen: Für Wildtiere in Brandenburger Wäldern ist das ein verführerisches Speiseangebot. „Langsam muss die Notbremse gezogen werden“, sagte der Direktor des Landesforstbetriebes Brandenburg, Hubertus Kraut, der Nachrichtenagentur dpa. Schutzmaßnahmen für die Bäume allein reichten nicht mehr aus. Abhilfe kann es nur durch Jagd und damit deutliche Reduzierung der Bestände geben. „Sonst gehen müheselig aufgeforstete Flächen wieder verloren“, sagte er.

In Brandenburg gibt es nach Angaben von Kraut mittlerweile einen so hohen Wildbestand wie noch nie seit Beginn der Erfassung vor 40 Jahren. Die bereits große Zahl der zur Strecke gelegten Tiere reiche jedoch nicht aus, den Bestand zu verringern. Im Jagdjahr 2012/2013 wurden allein knapp 171 000 Stück Schalenwild zur Strecke gebracht, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Rotwild waren es knapp 10 000 Stück (+ 18 Prozent) und bei Damwild knapp 14 400 Stück (+ 12 Prozent).

„Der Appetit ist enorm“, sagte Kraut. Die Tiere haben sich auf den für sie günstigen Lebensraum eingestellt. Natürliche Feinde gebe es nicht und mehr Nachwuchs komme durch. „Der Wald bietet vielfältige und schmackhafte Nahrung“, sagte er. Auch die Bauern litten unter den ungebetenen Gästen. Große Flächen mit Monokulturen wie Mais laden regelrecht zur Selbstbedienung ein.

Die Forstleute versuchten zwar, Flächen mit Setzlingen und jungen Bäumen einzuzäunen und damit zu schützen. „Doch bei einer Million Hektar Wald im Land ist es eine zeit- und kostenintensive Aufgabe“, sagte Kraut. „Davon müssen wir wegkommen.“ Pro Jahr werden etwa 1500 Hektar neu angelegte Waldflächen im Landeswald umzäunt. Jeder laufende Meter kostet nach Angaben von Kraut etwa 5 Euro, bei einem Hektar kommen etwa 2000 Euro zusammen.Die Zäune – Drahtgeflechte von etwa zwei Meter Höhe – sollen verhindern, dass sich die Tiere an Eichen oder Ahorn gütlich tun.

Einziger Ausweg ist aus Sicht des Direktors des Landesforstbetriebes eine noch stärkere Bejagung. Vor allem die Bestände bei Reh-, Dam- und Rotwild müssten begrenzt werden. „Der stärkere Abschuss ist unumgänglich, um den Wald zu bewahren“, sagte er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen