zur Navigation springen
Brandenburg

12. Dezember 2017 | 15:02 Uhr

Weniger Märker sind überschuldet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Insolvenzverfahren gehen zurück / Prignitzer stellen die wenigsten Anträge

Die Privatinsolvenzen in Brandenburg sind auf den niedrigsten Stand seit rund zehn Jahren gesunken. 2015 wurden etwa 3120 Insolvenzverfahren für Privatpersonen eröffnet, wie aus Zahlen des Statistikamtes Berlin-Brandenburg hervorgeht; 2007 waren es noch 4500 Fälle. Der Rückgang hat sich im ersten Quartal dieses Jahres fortgesetzt. Laut Statistik wurden in den ersten drei Monaten 2016 in der Mark etwa 670 Privatinsolvenzen eröffnet, gut 20 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auch im April hielt der Trend an.

Die meisten Anträge auf eine Verbraucherinsolvenz (61) gab es im ersten Quartal dieses Jahren im Landkreis Märkisch-Oderland; Potsdam folgte mit 52 Verfahren; die wenigsten Anträge (24) wurden im Landkreis Prignitz gestellt. Rund 98 Prozent aller Fälle wurden vor den Amtsgerichten eröffnet. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Bürgel warten derzeit rund 25  700 insolvente Märker auf einen Schuldenerlass.

Ein privates Insolvenzverfahren dauert zwischen drei und sechs Jahren. In dieser Zeit müssen die Betroffenen alle Einkünfte, die über die Pfändungsfreigrenze von derzeit mindestens 1073,88 Euro pro Monat hinausgehen, zur Schuldentilgung einsetzen. Die restlichen Schulden können nach fünf Jahren erlassen werden, wenn der Betroffene zumindest die Verfahrenskosten aufbringen kann.

Wie das Brandenburger Sozialministerium mitteilte, entfällt ein Drittel der Insolvenzberatungen auf die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur rund elf Prozent beträgt. Etwa fünf Prozent der Ratsuchenden war älter als 64 Jahre.

Bei der Schuldnerberatung des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks halten die 46- bis 64-Jährigen den größten Anteil, gefolgt von der Altersgruppe 26 bis 35 Jahre. „Fast die Hälfte der Klienten haben Schulden bei Kreditinstituten“, sagte Beraterin Ingrid Trakat. Allgemein sei „Überschuldung heute kein gesellschaftliches Tabuthema mehr“.

Sorge macht Trakat die seit zwei bis drei Jahren steigende Zahl von Schuldnern mit psychischen Erkrankungen. „Wegen der steigenden Altersarmut suchen auch immer mehr Senioren Hilfe in einer Beratungsstelle.“ Sie rechne daher in den nächsten Jahren wieder mit einer Zunahme bei den Privatinsolvenzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen