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Kriminalität in Brandenburg : Weniger Einbrüche in Kirchen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl von Diebstählen in Gotteshäusern und auf Friedhöfen fast halbiert.

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Die Zahl der Einbrüche in Kirchen und kirchliche Einrichtungen hat sich in Brandenburg in den vergangenen fünf Jahren fast halbiert. Waren es nach Auskunft des Polizeipräsidiums Potsdam im Jahr 2010 noch 114 Fälle, registrierten die Beamten im vergangenen Jahr noch 66 solcher Straftaten. Jedoch haben einzelne Objekte besonders heftig unter Dieben zu leiden, wie eine Umfrage ergab.

Zudem bleibt die Aufklärungsquote mit noch nicht mal 23 Prozent nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. „Hauptsächlich werden Bunt- und Edelmetall, technische Geräte, Fahrräder, aber auch Gegenstände des persönlichen Bedarfs gestohlen“, so Polizeisprecher Mario Heinemann.

In Einzelfällen haben Diebe laut Polizei aber auch sakrale Gegenstände wie Statuen, Taufschalen oder Bibeln mitgehen lassen. So geschah es zum Beispiel Mitte Mai in der katholischen St. Elisabeth Kirche in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). „Bei uns wurde an einem Wochenende gleich zweimal eingebrochen“, sagte Pfarrer Alfredo Nava Mediavilla. Einmal stiegen Diebe in das Pfarrhaus und einmal in das Gotteshaus ein. Neben Kerzen und Priestergewändern seien auch der Schlüssel für die Eingangstür und 800 Euro aus Opferstock und Pfarrhauskasse gestohlen worden. „Einige Gegenstände haben wir bereits zurückerhalten“, so der Pfarrer.

Hilfe bei der Prävention können Opfer bei der Polizei erhalten. „Bei Bedarf führen wir kostenlose technische Beratungen durch“, sagte der Sprecher des Präsidiums. Dabei kann es darum gehen, ungebeten Gästen das Eindringen zu erschweren. Man könne sakrale Gegenstände aber auch durch künstliche DNA kennzeichnen.

Die Zahl der Einbruchsfälle in Einrichtungen des katholischen Erzbistums Berlin schwankt in den vergangenen zehn Jahren zwischen 20 und 40, teilte Bistumssprecher Stefan Förner mit. Auch intern habe es schwarze Schafe gegeben. Deshalb setze man seit einiger Zeit beim Auszählen der Kollekte auf das Vier-Augen-Prinzip, um eventueller Veruntreuung von Spenden vorzubeugen. Größere Sorgen macht sich Förner jedoch um die immer wieder auftretenden Fälle von Vandalismus, meist auf Friedhöfen. „Die Täter sind zumeist Leute, die solche Bestattungstraditionen nicht tolerieren wollen“, sagte er.

Bei Einbruchsdiebstählen werden oft Türen oder Fenster arg in Mitleidenschaft gezogen, wie ein Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mitteilte. „Die Beute ist meist gering, weil die Opferstöcke regelmäßig geleert werden – dagegen fällt der Sachschaden durch die Einbrüche meist höher aus.“ Nicht zimperlich gehen Täter auch auf Deutschlands zweitgrößtem Friedhof, dem Südwestkirchhof Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark), vor.

Über 20 schwere Delikte wurden von der Friedhofsverwaltung in den vergangenen zehn Jahren bislang zur Anzeige gebracht. „Darüber hinaus werden immer wieder aufgesetzte Metall-Inschriften auf Grabmälern entwendet“, erklärte Friedhofsleiter Olaf Ihlefeldt. Diese Delikte würden statistisch nicht erfasst und können nicht verfolgt werden.

Steigende Rohstoffpreise führten zum rasanten Anstieg von Metalldiebstahl, sagte Ihlefeldt. Aber auch Bargeld, Maschinen oder Computertechnik seien aus der Friedhofsverwaltung gestohlen worden.

Vor drei Jahren wurden bei sieben Mausoleen Kupferdächern abmontiert.„Allein dabei ist ein Schaden von 140000 Euro entstanden“, sagt er. Besonders bitter sei, dass für Schäden im 206 Hektar großen Gelände niemand aufkomme. Der Förderverein versuche, das mit Spenden zu kompensieren.

Trauriger Höhepunkt seien 2015 die Einbrüche in zwei Gruften gewesen, wobei zwei Sarkophage zerstört und sogar der Totenschädel des Stummfilmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau gestohlen wurden.

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