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Ein weithin unbekannter Schatz : Welterbe Bernauer Bauhaus-Areal

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Klare Formen mitten in der Natur: Nördlich von Berlin gibt es ein imposantes Zeugnis der Bauhaus-Architektur

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Der Blick geht weit durch den langgezogenen nüchternen Glasgang und bietet freie Sicht ins Grüne. Mehrere Teile des Gebäudes in Bernau sind durch den Verbindungsflur wie an einer Schnur aneinandergereiht. Das historische Schul- und Internats-Areal wirkt dadurch aufgelockert.

Hier in einem Waldgebiet steht ein beeindruckendes Zeugnis der Bauhaus-Architektur. Nun gehört es zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Entscheidung fiel am Sonntag im polnischen Krakau. „Das ist der lang ersehnte Lohn der Tüchtigen“, freut sich der Bernauer Bürgermeister André Stahl (Linke). Der Welterbestatus werde ganz sicher dazu beitragen, diesen weitestgehend noch immer verborgenen „Schatz vor den Toren der Hauptstadt“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Kulturministerin Martina Münch (SPD) sieht die Entscheidung als Glücksfall. Damit verfüge das Land nach den preußischen Schlössern und Gärten bereits über ein zweites Weltkulturerbe.

Der bestehende Bauhaus-Weltkulturerbe-Eintrag ist nun um Bernau und die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau erweitert worden, es geht also nicht um einen völlig neuen Eintrag. Bisher gehören in Weimar die ehemalige Kunstschule, die ehemalige Kunstgewerbeschule und das Haus am Horn dazu. In Dessau sind es das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser. Die Bauhaus-Architektur gilt als Grundstein der Moderne. Der Bauhaus-Gedanke steht für Funktionalität, klare Linien und eine neue Form des Wohnens.

Peter Steininger und seine Kollegen vom Förderverein Baudenkmal Bundesschule Bernau sehen die Entscheidung für Bernau als eine „logische Folge“, sagt Vorstandsmitglied Steininger. Während Dessau die Bauhaus-Ausbildungsstätte war, sei Bernau das Produkt.„Hier konnte man zeigen, was Bauhaus heißt“, sagt er.

Bauhaus-Direktor Hannes Meyer und sein Partner Hans Wittwer schufen von 1928 bis 1930 im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in einem Forst den mehrteiligen Schul- und Internatskomplex Bundesschule. Die Gebäude sind ockerfarben, im Außenbereich entstanden ein Freibad und ein Sportplatz. Zu DDR-Zeiten, als das Gelände nicht öffentlich für jeden zugänglich war, wurde das Areal erweitert. Viele Bauhaus-Elemente sind aber noch klar zu erkennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände als Gewerkschaftshochschule des FDGB weitergeführt, wie der Förderverein erläutert. „Es geriet auch bei Bernauern zum Teil in Vergessenheit“, sagt Steininger.

In Bernau ist nachzuvollziehen, was die Verbindung von Form und Funktion bedeutet. Zum Beispiel gibt es in der Aula nur Oberfenster.„Die Teilnehmer im Raum sollten nicht von der Umgebung abgelenkt werden“, sagt Steininger. Dagegen ist genau daneben der imposante Speisesaal ganz anders konzipiert: Eine riesige Glasfront gewährt den Blick ins Grüne. In den angrenzenden Gebäudeteilen waren Wohnungen für die Lernenden untergebracht. Heute nutzt die Handwerkskammer Berlin das Areal als Internat.

Auf dem Gelände tut sich derzeit viel. Bauarbeiten sind im Gange, der Vorplatz des Hauptgebäudes wird wieder an den Urzustand angelehnt, wie Steininger berichtet. Auch ein Besucherzentrum sei in Planung.  

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