Landwirte hoffen auf bessere Zeiten : Weiter dünnes Eis beim Milchpreis

Henrik Wendorff steht in Fehrbellin vor einem überfluteten Maisfeld.
Henrik Wendorff steht in Fehrbellin vor einem überfluteten Maisfeld.

Brandenburger Landesbauernverband will im Herbst erste Ergebnisse zu den nächsten Schritten für mehr Tierschutz vorlegen

von
23. September 2017, 05:00 Uhr

Brandenburgs Landwirte leiden - unter schlechtem Wetter wie unter staatlicher Bürokratie. Beim Tierschutz komme man voran, sagt der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff. Benjamin Lassiwe sprach mit ihm.


Herr Wendorff, wie geht es Brandenburgs Landwirten?
Henrik Wendorff: Es geht ihnen nicht besonders gut. Wir haben jetzt das zweite Jahr in Folge Probleme: Bei den Milchbetrieben ist zwar nach einem schlechten Milchjahr dank höherer Preise nun Licht am Horizont, dafür hatten die Landwirte, die auch Ackerbau betreiben, kein gutes Jahr. Zur Ernte hatten wir in diesem Jahr schwierige Bedingungen – und nach den Regenfällen des Sommers stehen sogar heute noch manche Felder in Brandenburg unter Wasser.
Wie kommt es zu den höheren Milchpreisen, die ja auch jeder Verbraucher im Supermarkt merkt? Fand da eine notwendige Marktbereinigung statt?
Die Molkereien und die Discounter haben gemerkt, dass sie die Bauern nicht bis aufs letzte Hemd ausnehmen dürfen. Dazu kommt ein guter Weltmarktpreis für Milchfette. Derzeit kann ein Milchbauer für einen Liter Milch bis zu 37 Cent erlösen. Im vergangenen Jahr waren es 20 Cent. Schon das macht deutlich, wie schnell sich der Weltmarkt verändert.

Sollten die Betriebe, die im Vorjahr Kühe abgeschafft haben, nun wieder ihre Produktion ausweiten?
Ich glaube, wir haben im letzten Jahr deutlich gemerkt, dass es nicht zielführend ist zu glauben, dass bloße Mengenproduktion zu besseren Erlösen führt. Und im Moment kann auch noch niemand absehen, wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns beim Milchpreis bewegen. Für die Milchbauern wäre es hilfreich, wenn der Preis jetzt ein, zwei Jahre in dieser Höhe stabil bliebe. Damit könnten Verluste aus den letzten Jahren ausgeglichen werden. Aber ich fürchte, dass das Eis wirklich sehr dünn ist.

Brandenburgs Politik arbeitet im Moment daran, den nach dem erfolgreichen Volksbegehren ausgehandelten Kompromiss zur Massentierhaltung umzusetzen. Wo steht man da aus Ihrer Sicht?
Wir haben einen Tierschutzbeauftragten und es gab den Beschluss des Landtags zur Erstellung eines Landestierschutzplanes. Daran sind wir intensiv beteiligt, im Übrigen auch in Zusammenarbeit mit den Verbänden und Organisationen, die hinter dem Volksbegehren zur Massentierhaltung standen. Wir suchen dort nach Lösungen und hoffen, dieses Vorhaben bis zum Jahresende zu Ende zu bringen. Dabei geht es uns vor allem um Dinge, die in Brandenburg auch machbar sind.
Was heißt das konkret?
Wir haben in den Arbeitsgruppen auch Bereiche angepackt, bei denen wir nicht so zuversichtlich waren, dass wir zu Lösungen kommen würden. Zum Beispiel das Kürzen von Schwänzen beim Schwein oder die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes. Da stoßen wir Türen auf, um Dinge zu entwickeln, haben aber noch nicht für alles wirklich Lösungen parat. Aber wenn der Berufsstand als ein Partner wahrgenommen wird, gibt es auch Bereitschaft, über Dinge nachzudenken.
Wo soll es denn künftig Veränderungen geben?
Wir haben gemeinsam beschlossen, erst im Herbst die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zu veröffentlichen, deshalb muss ich um Verständnis bitten, dass ich da jetzt noch nicht so viel sagen kann. Letztlich muss sowieso der Landtag entscheiden, wie der Tierschutzplan aussehen wird. Aber ich kann vielleicht sagen, dass wir über klare Definitionen bei der Schlachtung trächtiger Tiere, das Kürzen von Schnäbeln und Schwänzen und auch den Heißbrand bei Pferden diskutieren.

Wichtig ist auch, dass wir bestimmte Zielkonflikte endlich auflösen: Wenn wir Rindern mehr Auslauf bieten, gibt es auch mehr Emmissionen. Da kann es sein, dass Tierhaltung und Klimaschutz in Konflikt miteinander geraten.
War das Volksbegehren aus Ihrer Sicht am Ende also doch sinnvoll?
Das Volksbegehren war aus meiner Sicht nicht notwendig. Man hätte besser daran getan, der Landwirtschaft mehr Zeit zu geben, sich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. Wir mussten auch Forderungen nach der völligen Abschaffung der Tierhaltung hören und wurden im letzten Jahr übel beschimpft. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.
Das Potsdamer Landwirtschaftsministerium hatte in dieser Woche eine Anfrage der Grünen beantwortet, bei der der Landwirtschaft eine Mitschuld am Verschwinden von Brutvögeln gegeben wird. Fällt man Ihnen da aus Potsdam in den Rücken?
Ich kann den Sinn der Anfrage und die Antworten des Ministeriums jedenfalls nicht vollumfänglich teilen. Zumal es bei den Brutvögeln weit mehr Ursachen gibt, als nur die Landwirtschaft: Für die Entwicklung bei den Prädatoren besser Räubern zum Beispiel sind nicht die Landwirte verantwortlich.

Und was den Naturschutz angeht, stehen wir Landwirte in Brandenburg im Vergleich nicht so schlecht da, wie es die Umweltverbände immer sagen: Wir setzen uns mit Brachen, Greening, Blühstreifen und Gewässerrandstreifen durchaus für Artenvielfalt ein, und wollen das auch ausbauen.

Und was die Anfrage der Grünen betrifft: Wir fragen uns schon - will man nur Landwirte an den Pranger stellen oder auch wirklich in diesen sehr komplexen Zusammenhängen nach Lösungen suchen? Nur eine einfache schriftliche Antwort des Ministeriums auf die Fragen hilft uns nicht weiter.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen