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Umstrittene Werbekampagne : Weiter Ärger um „Bierbotschafter“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Grünen-Abgeordneter Jungclaus: Lokale Brauereien sollten auf alkoholfreie Biere setzen.

von
erstellt am 24.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Vorgestellt wurde er als Werbeträger für Brandenburgs Klein- und Gasthausbrauereien: Axel Schulz, ehemaliger Schwergewichtsboxer und heutiger „Bierbotschafter“ des Landes. Doch gleich um den ersten Auftritt des Sportlers in seinem neuen Amt gab es Streit im Landtag – Schulz hatte bei seiner Vorstellung in der Staatskanzlei unter anderem erklärt, dass sein Hobby „Biertrinken“ sei.

Was dann im Juni zu einem hitzigen Wortgefecht im Landtag führte. Denn als sich der Abgeordnete der Grünen, Michael Jungclaus, vor dem Hintergrund der Suchtprävention in der Fragestunde nach den Äußerungen von Schulz und der Bierwerbung erkundigte, blieb es flapsig: „Ich glaube, es wäre lebensfremd, nicht mehr dafür zu werben, nur weil die theoretische Möglichkeit besteht, bei übermäßigem Konsum gesundheitliche Schäden davonzutragen“, sagte der Chef der Staatskanzlei, Staatssekretär Thomas Kralinski (SPD). Ansonsten dürfe man auch nicht mehr „für Hausmacherleberwurst oder Mettwurst werben.“ Jungclaus indes reichte das nicht. Unmittelbar nach der Landtagssitzung stellte er eine „Kleine Anfrage“. „Wie begründet die Landesregierung ihre Auffassung, dass die Wahrscheinlichkeit, bei „übermäßigem Konsum“ von Alkohol gesundheitliche Schäden davonzutragen, lediglich eine „theoretische Möglichkeit“ sei?“, wollte er darin zum Beispiel wissen.

Und siehe da: In ihrer schriftlichen Antwort hält auch die Landesregierung fest, dass „übermäßiger Konsum von Alkohol das Risiko gesundheitlicher Schäden deutlich erhöht.“ Die Aussage von Kralinski im Landtag habe sich lediglich auf die „theoretische Möglichkeit, dass durch Werbung für regionale alkoholhaltige Produkte Personen zu übermäßigem Konsum von alkoholischen Getränken angeregt werden könnten“ bezogen. Zudem würden „die Risiken eines übermäßigen Konsums von Fleischprodukten nicht mit den Risiken übermäßigen Konsums von Alkohol gleichgesetzt.“

Dass Jugendliche durch die Werbeauftritte des „Bierbotschafters“ zu übermäßigem Alkoholkonsum angeregt werden könnten, schließt das zuständige Gesundheitsministerium ebenfalls aus: Der Ex-Boxer Schulz wende sich mit seinen Aussagen nur an Erwachsene.

Gestern begrüßte der Grünen-Abgeordnete die Klarstellungen. Mit dem Bierbotschafter aber wird sich Michael Jungclaus wohl nicht mehr anfreunden: „Es ist nicht Aufgabe der Landesregierung, Werbung für alkoholische Produkte zu fördern, und steht auch nicht im Einklang mit der Bedeutung, die sie nach eigener Aussage der Suchtprävention beimisst – Regionalität hin oder her“, sagte der Grünen-Politiker. „Aber vielleicht erarbeitet sie ja mal mit den hiesigen Bierbrauern ein Marketingkonzept für alkoholfreie Biere – diese sind in deren Warenkorb bislang noch Mangelware.“  

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