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Verkürzte Öffnung : Weiter Ärger über Schleusenzeiten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes macht den Hobbykapitänen zunehmend das Leben schwer.

von
erstellt am 20.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Sie heißen „Sommerwind“, „Seebär“ oder „Flipper“. Vor der Schleuse in Storkow stauen sich bei schönem Wetter die Sportboote. Wer am Morgen in Berlin losgetuckert ist, und über die Dahme den Scharmützelsee erreichen will, der muss hier durch. Doch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes macht den Hobbykapitänen zunehmend das Leben schwer. An der Bundeswasserstraße „Storkower Gewässer“ endet der Schleusenbetrieb werktags um 18 Uhr, und am Wochenende ist um 19 Uhr Schluss. Wichtigster Grund dafür ist die fehlende Frachtschifffahrt. Die „Storkower Gewässer“ stehen deswegen auf der Prioritätenliste nicht weit oben. Und fehlendes Personal tut ein Übriges dazu, dass die Schleusen früher dichtmachen. Bei der örtlichen Tourismuswirtschaft sorgt das für Verärgerung. „Die Kunden müssen jetzt früher losfahren“, sagt Otmar Burchhardt, der in Erkner und Wolzig Boote verleiht. „Auf die kleinen Wassersportler nimmt hier keiner mehr Rücksicht.“ Bei den Sportbootkapitänen sei die Stimmung schlecht.

Im vergangenen Jahr waren die Schleusenöffnungszeiten schon Thema im Brandenburger Landtag. Damals forderte das Landesparlament Minister Albrecht Gerber (SPD) auf, einen Bericht zum Wassertourismus vorzulegen. Am Dienstag wurde dieser Bericht im Kabinett beschlossen. „Wasser ist unser touristisches und kulturhistorisches Alleinstellungsmerkmal“, sagte Gerber nach der Kabinettssitzung – und hatte Glück, dass kein Zuhörer aus Mecklenburg-Vorpommern gerade in der Nähe war. „Nicht zuletzt aufgrund unserer Seen und Flüsse kommen von Jahr zu Jahr mehr Gäste nach Brandenburg.“ Bei der Entwicklung des Bundesverkehrswegeplans, und der damit einhergehenden Kategorisierung der Wasserstraßen, sei nur auf Gütermengen geschaut worden – und nicht auf die am Wassertourismus hängenden Arbeitsplätze. „Bei Bootsvermietungen, Häfen, Marinas und in der Fahrgastschiffahrt arbeiten 2100 Menschen, die jährlich mehr als 200 Millionen Euro erwirtschaften.“ Weswegen Gerber die Bundesregierung am Dienstag aufforderte, die Verkürzungen der Schleusenöffnungszeiten zurückzunehmen. Zudem solle man klar sagen, welche Wasserstraßen künftig renaturiert, und damit weniger stark für die Schifffahrt unterhalten werden sollen. „Wir haben bereits in der Unteren Havelniederung bewiesen, dass das Land Naturschutz und Tourismus in Einklang bringen kann.“ Zudem plädierte Gerber dafür, wieder mehr Güter auf dem Wasser zu transportieren: „Der Transport auf dem Binnenschiff ist vergleichsweise preiswert und umweltverträglich“, sagte der Wirtschaftsminister.

Dass auch die Schleusen an manchen Landeswasserstraßen nur sehr kurze Öffnungszeiten haben, fiel dagegen am Dienstag nicht sonderlich ins Gewicht. An den „Ruppiner Gewässern“ etwa haben die Schleusen „Tiergarten“, „Hohenbruch“ und „Altfriesack“ nur von 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr geöffnet. Dort allerdings fahren auch in der Saison weniger Boote durch als auf den wichtigen Bundeswasserstraßen, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Denn auch auf dem Wasser gibt es nun einmal Haupt- und Nebenstraßen.

 


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