Landgaststätten schließen : Wegen Personalmangel geschlossen

Einst ein beliebtes Ausflugslokal: Die Gaststätte „An der Spreebrücke“ in Trebatsch (Oder-Spree) schloss Ende vergangenen Jahres. Personalmangel, fehlende Nachfolger machen vor allem Wirten auf dem Land zu schaffen.
Einst ein beliebtes Ausflugslokal: Die Gaststätte „An der Spreebrücke“ in Trebatsch (Oder-Spree) schloss Ende vergangenen Jahres. Personalmangel, fehlende Nachfolger machen vor allem Wirten auf dem Land zu schaffen.

Gastronomie sucht händeringend Köche und Kellner / Gewerkschaft und Dehoga sehen unterschiedliche Gründe für Notstand

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05. Juli 2019, 05:00 Uhr

Brandenburgs Wirte suchen händeringend Köche und Kellner. Gewerkschafter fordern höhere Löhne, doch die Branche sieht die Ursachen woanders.

„Fachkräftemangel zwingt uns zur Geschäftsaufgabe.“ So ist die Anzeige in der Zeitung überschrieben. Darin kündigen Daniela und Jörg Hieronimus an, dass sie ihr Restaurant in Oderberg-Neuendorf zum 30. Juni vorübergehend schließen. Nach 73 Jahren, so lange gibt es den Familienbetrieb. Es gelinge nicht, fachkundige und motivierte Mitarbeiter für die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen zu finden, sagen die Wirte. Liest man die Kommentare über das Gasthaus im Internet, werden die Gäste das wohl auch bedauern: Von gutem Essen und freundlicher Bedienung ist die Rede.

Das Restaurant im Barnim ist kein Einzelfall. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht von einem Gaststättensterben auf dem Land. Mehr als 600 Betriebe hätten in den vergangenen Jahren in Brandenburg geschlossen. Betroffen sind vor allem ländliche Regionen. Das Dorf Trebatsch (Oder-Spree) besaß noch nach der Wende vier Gaststätten, dann waren es drei. Im vergangenen Jahr schlossen die verbliebenen  beiden Gasthäuser. Der Ort liegt in einer Touristen-Gegend, nahe am Schwielochsee. Touristen finden zumindest noch einen Bäcker im Dorf.

Andere Restaurants schränken ihre Öffnungszeiten ein, wie das Café Kunze in Strausberg, ein Familienbetrieb am Straussee, den es  seit mehr als 100 Jahren gibt. Sven Blaß muss sein Café jetzt statt an einem an zwei Tagen in der Woche schließen, dienstags und mittwochs. „Mir fehlen zwei Vollzeitkräfte“, sagt Blaß. Er sucht einen ausgebildeten Bäcker/Konditor und eine Verkäuferin. „Ich kenne keinen Gastronomen, der nicht händeringend sucht. Es ist eine Katastrophe.“

Einen wesentlichen Grund für den Personalnotstand sieht der Strausberger darin, dass Ausbildungsberufe mit Wochenendarbeit für junge Leute nicht mehr interessant sind. „Die Anerkennung für diejenigen, die auch am Wochenende arbeiten, ist gering. Keiner will das mehr machen,“ meint auch Guido Haß, Geschäftsführer der Bad Saarow Gastronomiegesellschaft mbH. Sie betreibt das Park-Café in Bad Saarow, einem beliebten Touristenort am Scharmützelsee. Auch Haß musste die Öffnungszeiten einschränken.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG hat 2018 für Facharbeiter in Brandenburg 11,30 Euro pro Stunde ausgehandelt mit einer Steigerung um 3,5 Prozent seit Februar 2019 und weiteren 3,2 Prozent 2020. Allerdings gibt es keine verlässlichen Zahlen dazu, wie viele Betriebe so viel zahlen. Nach Schätzungen von NGG sind in Brandenburg maximal zehn Prozent der Betriebe tarifgebunden. „Die Vergütung spielt eine entscheidende Rolle“, sagt Sebastian Riesner, NGG-Geschäftsführer in der Region Berlin-Brandenburg. In Berlin lägen die Löhne um etwa 20 Prozent höher.

„Es liegt nicht mehr an den Löhnen“, sagt Olaf Lücke, Geschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga in Brandenburg und zitiert Umfragen unter jungen Leuten. Danach sei Wochenendarbeit ein entscheidendes Ausschlusskriterium. Den Lehrlingen bietet die Branche nach Lückes Angaben inzwischen eine Vergütung zwischen 700 im ersten und 950 Euro im  dritten Lehrjahr. Lücke verweist auch auf veränderte Strukturen in der Gastronomie. Nach Daten des Statistischen Amtes Berlin-Brandenburg ist die Beschäftigung dort insgesamt gestiegen. Das hat damit zu tun, dass es immer mehr Caterer, Imbisse, Kantinen gibt. Statt sich ins Lokal zu setzen, greifen Kunden lieber zum Snack-to-go.

Gewerkschafter Riesner erkennt an, dass sowohl Dehoga als auch Unternehmen sich bemühen, bessere Bedingungen zu schaffen, auch wenn ihm das noch nicht weit genug geht.

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