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Tierwelt : Waschbär weiter auf dem Vormarsch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Er ist putzig, süß und eine ernste Gefahr für seltene Arten − Jäger wollen mehr Fallen aufstellen

Die Waschbär-Population ist in Brandenburg weiter deutlich gewachsen. Darauf weisen neue Zahlen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) hin. Demnach stieg die Zahl der getöteten Waschbären im Jagdjahr 2014/2015 um 11,6 Prozent auf 24 090 Tiere. Fachleute leiten von der Zahl der toten Tiere die Entwicklung des Gesamtbestands ab.

„Es ist nicht möglich, den Waschbären aus Deutschland wieder zu entfernen. Der hat sich etabliert und wird sich auch weiter ausbreiten“, sagte der Vize-Geschäftsführer des DJV, Torsten Reinwald. „Aber, und das ist das Entscheidende: Mit der Jagd kann man regional und ganz besonders in Schutzgebieten - beispielsweise für den Uhu, die Großtrappe oder die Sumpfschildkröte - die Zahl der Waschbären effektiv reduzieren. Und damit auch den Druck auf gefährdete Arten.“ Der DJV sprach sich für eine Ausweitung der Fallenjagd aus.

Bundesweit stieg die Zahl der geschossenen, überfahrenen und tot aufgefunden Tiere sogar um gut 20 Prozent auf über 116 000. „Die EU zählt den Waschbären zu den 100 schlimmsten invasiven Arten“, sagte Reinwald.

Die grau-weißen Kleinbären mit der markanten schwarzen Gesichtsmaske gibt es seit rund 80 Jahren in Deutschlands Wildbahn. Hier bedroht der Waschbär laut DJV seltene Tierarten, darunter die in Brandenburg beheimatete Sumpfschildkröte. „Waschbären versuchen Schildkröten zu fressen“, sagte Reinwald. „Sie beißen den Sumpfschildkröten die Schwänze und Gliedmaßen ab. Und sie buddeln die Gelege aus und fressen die jungen Schildkröten.“ Bei Studien wiesen 50 Prozent der ausgewachsenen Sumpfschildkröten charakteristische Bissverletzungen auf.

Auch der Uhu werde vom Waschbär bedrängt, wenn auch auf andere Weise. „Der Uhu braucht zum Brüten Felswände, Felsspalten, Felsvorsprünge. Beispielsweise alte verlassene Steinbrüche, das ist sein Brutgebiet. So viele ungestörte Felswände gibt es einfach nicht. Deswegen ist der Uhu eine seltene und geschützte Art. Der Waschbär ist ein unglaublich guter Kletterer und kommt auch solche Steilwände locker hoch.“ Er sei von Natur aus relativ bequem. „Der nimmt Uhu-Horste einfach in Beschlag und sagt: Hier wohne ich und nicht Du. Er schmeißt den Uhu einfach raus.“ Deutschlands größte Eule werde so aus angestammten Brutgebieten verdrängt, so Reinhold.

„Um diese Tiere effektiv zu bejagen, brauchen wir die Fallenjagd. Das ist ganz entscheidend, weil diese Tiere dämmerungs- und nachtaktiv sind. Es geht nur mit Lebendfallen“, betonte Reinwald. Allerdings werden die gefangenen Tiere danach getötet. „Woanders aussetzen würde das Problem einfach nur verlagern. Das wäre sinnlos.“ Es sei wichtig, offen über das Problem zu sprechen. „Wir fordern da mehr Ehrlichkeit, auch von den Naturschutzverbänden.“

Christof Bock

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