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Folgen der Insolvenz für ländlichen Raum : Was bleibt, wenn Schlecker geht ?

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In ländlichen Regionen sind die Versorgungsstrukturen in den letzten Jahren kräftig ausgedünnt worden. Forscher und Gemeindevertreter betrachten das mit Sorge. Die Schlecker-Pleite bekommt da eine ganz andere Dimension.

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erstellt am 14.Feb.2012 | 07:34 Uhr

Oranienburg | Die Poststelle wurde hier schon vor Jahren geschlossen. Auch eine Bank oder Tankstelle gibt es längst nicht mehr. In der kleinen brandenburgischen Gemeinde Schmachtenhagen, gut 40 Kilometer nördlich von Berlin, bleibt den rund 2200 Einwohnern zum Einkaufen nur noch die kleine Schlecker-Filiale, ein Bauernmarkt und neuerdings ein Netto-Discounter. "Wenn Schlecker wegbricht, ist das ganz schön bitter", seufzt Ortsvorsteher Hans-Dieter Manzl. Den Drogeriemarkt gebe es seit etwa sieben Jahren. "Früher war da mal ein kleiner Dorfladen. Jetzt gehen die Leute halt zum Schlecker, um noch schnell ne Flasche Shampoo oder den vergessenen Kaffee zu kaufen."

Schmachtenhagen ist keine Ausnahme. Nicht nur im Osten Deutschlands, auch in vielen ländlichen Regionen im Westen sind die Versorgungsstrukturen in den vergangenen Jahren kräftig ausgedünnt worden. Post- und Bankfilialen wurden vielerorts geschlossen, auch die Bahn hängte zahlreiche Gemeinden einfach ab. Oft wurde das mit Rentabilität und demografischem Wandel begründet. Die Landflucht wird damit noch verstärkt. Marktforscher und Gemeindevertreter betrachten das mit Sorge. Die Schlecker-Pleite bekommt da eine ganz andere Dimension. Viele der rund 6000 Filialen liegen in sehr kleinen Gemeinden. In manchen gibt es auch die Tageszeitung zum Frühstück und die DVD für den Abend. "Gerade im ländlichen Raum ist Schlecker für viele die letzte Einzelhandelshoffnung. Das sind auch soziale Orte, wo man sich trifft und austauscht", meint Norbert Portz vom Städte- und Gemeindetag.

Schlecker spricht mit seinem breiten Sortiment Jung und Alt an. Der Stadt entwicklungsexperte spricht von einem gefährlichen Teufelskreis. Deutschland drohe eine Zweiteilung in boomende Ballungszentren und entvölkerte ländliche Gegenden. "Und wo die Lichter erstmal ausgegangen sind, wird das Rad schwer zurückzudrehen sein." Familien mit Kindern zieht es nicht an Orte, wo es keine Läden, Schulen, Ärzte und öffentliche Verkehrsverbindungen gibt. Betroffen seien Gegenden mitten in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern, im Nordosten Bayerns oder in der Osteifel. Der Einzelhandel sei gefordert, mit den Kommunen nun Konzepte zu erarbeiten, sagt Portz.

Doch für die Branche sind Standorte auf dem Lande nur dort attraktiv, wo Kaufkraft wohnt und Umsatz zu erwarten ist. Nach Einschätzung des Kölner Handelsinstituts EHI ist die Schlecker-Insolvenz auch im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung zu sehen. "Das Konzept trug sich einfach nicht mehr", sagt Geschäftsführer Michael Gerling. Aldi oder Lidl siedelten sich schon längst nicht mehr in Gemeinden unter 5000 Einwohner an. Die Einzelhandelsunternehmen feilten zwar an neuen Formaten, doch haben sie eher die Ballungsgebiete im Blick. "Eine Renaissance des kleinen Dorfladens sehen wir nicht", sagt Gerling. Dennoch gibt es vereinzelt Initiativen: So entstehen immer wieder von Kooperativen betriebene Lebensmittelmärkte. Sie haben dann Chancen, wenn sie eine Poststelle oder Reinigung integriert haben. Das Fuldaer Familienunternehmen Tegut versucht mit dem "Lädchen für alles" an die guten alten Zeiten des "Tante-Emma-Ladens" anzuknüpfen. Deren Philosphie: Die Menschen sollen für den Lebensmitteleinkauf nicht kilometerweit fahren. Von Göttingen und Körner bei Mühlhausen aus bedient "Lemkes rollender Supermarkt" seit 30 Jahren mit 16 Verkaufsfahrzeugen mehr als 450 Ortschaften in Niedersachsen, Thüringen und Hessen.

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