Schlafmediziner warnt : Warnung vor ewiger Sommerzeit

Dr. Frank Käßner, Schlafmediziner aus Cottbus
Dr. Frank Käßner, Schlafmediziner aus Cottbus

Cottbuser Schlafexperte befürchtet negative Auswirkungen / Sonnenlicht ist wichtig für Gesundheit

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22. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Am Sonnabend haben sich in Cottbus Schlafmediziner aus Brandenburg und Berlin zur Jahrestagung getroffen. Der Gastgeber Dr. Frank Käßner erklärt im Gespräch mit Mathias Hausding, was auf der Agenda stand und wie er die Debatte um die Zeitumstellung sieht.

Was treibt Sie und Ihre Kollegen derzeit besonders um?

Dr. Frank Käßner: Die Schlafmedizin entwickelt sich sehr stark, und wir gehen mit der Zeit. Telemedizin wird deshalb bei unserem Treffen eine große Rolle spielen. Wie können wir Schlafstörungen noch besser diagnostizieren und behandeln? Zu Hause aufgezeichnete Schlafdaten könnten zum Beispiel per Telemedizin sehr schnell zum Arzt übertragen werden. So bekommen Patienten ein schnelles Feedback und sparen sich den einen oder anderen Besuch im Schlaflabor.

Wie steht es um den Schlaf im Pendlerland Brandenburg?

Bundesweit klagen sehr viele Berufstätige über Schlafstörungen. Die Situation in Brandenburg ist besonders prekär: Jeder vierte schläft hier zu wenig, also weniger als fünf Stunden. Das ist auf Dauer nicht gesund. Die Fahrtauglichkeit von Menschen mit Schlafstörungen ist übrigens auch ein Thema unserer Tagung. Was dürfen und was müssen Ärzte tun, um zu verhindern, dass sich jemand hinter das Steuer setzt, der am Tage zum Einschlafen neigt?

Wo ist der Hebel anzusetzen, damit wir besser schlafen?

Es ist immer noch nicht in allen Köpfen angekommen, dass der Schlaf ein wichtiges Gut ist, Voraussetzung für eine gute Gesundheit. Wir haben rund um die Uhr Fernsehprogramm und Internet, geschlafen wird im Schnitt pro Nacht zwei Stunden weniger als vor 100 Jahren. Das ist keine gute Entwicklung. Mit der Initiative „Deutschland schläft gesund“ wollen führende Schlafmediziner auf dieses nach wie vor unterschätzte Problem aufmerksam machen. Bürger, Politiker und Ärzte müssen stärker dafür sensibilisiert werden.

Der heiße Sommer bescherte auch Menschen Schlafstörungen, die sonst damit keine Probleme haben. Wie haben Sie das als Arzt erlebt?

Das war für viele unserer Patienten problematisch. In etlichen Schlafzimmern hatten wir auch nachts 25 bis 28 Grad Raumtemperatur, die ideale Schlaftemperatur liegt bei 16 bis 18 Grad. Das wird uns wohl auch in den nächsten Jahren beschäftigen, in meinen Augen ein größeres Problem als die Beschwerden rund um die Zeitumstellung.

In einer EU-weiten Umfrage hat sich eine große Mehrheit für die Abschaffung der Zeitumstellung und die ewige Sommerzeit ausgesprochen. Wie sehen Sie das?

Wir haben sechs Schlaflabore in Brandenburg, und überall klagen die Patienten in den Phasen der Zeitumstellungen über schlechten oder ganz ausbleibenden Schlaf, über Nervosität und Konzentrationsschwierigkeiten. Als Schlafmediziner lehne ich die Zeitumstellung ab, warne allerdings auch vor der ewigen Sommerzeit.

Warum?

Die dauerhafte Winterzeit wäre besser, weil sie einfach die richtige, die normale Zeit ist. Bei dauerhafter Sommerzeit würde in den Wintermonaten früh das Licht fehlen. Das erhöht die Gefahr von Depressionen. Schüler, für die um 8 Uhr der Unterricht beginnt, würden keinen Sonnenaufgang erleben. Das wäre ein Fiasko.

Ihr Kollege, der Berliner Schlafmediziner Dieter Kunz, wirbt mit Verweis auf die immense Bedeutung des Tageslichts für eine Beibehaltung der Zeitumstellung.

Tja, und ich sehe in der Praxis, dass die Zeitumstellung vielen Menschen Probleme bereitet.

Kunz sagt, dass wir uns der Tageslänge anpassen sollten. Mit dauerhafter Winterzeit würde im Juni morgens um vier Uhr die Sonne aufgehen. Dafür würde im Sommer abends eine Stunde Helligkeit fehlen, in der man zum Beispiel nach einem heißen Tag noch Sport treiben könnte.

Ja, das sind durchaus Argumente. Das sollte genauer untersucht und verglichen werden. Es könnte ein Forschungsauftrag sein, mit Hilfe von Modellen Erkenntnisse über die Vor- und Nachteile zu sammeln und dann zu einer Entscheidung zu kommen.


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