Bildung : Waldschulen ohne Lücken

Ein Hirschkäfermodell wird am Haus des Waldes in Gräbendorf gezeigt.
Ein Hirschkäfermodell wird am Haus des Waldes in Gräbendorf gezeigt.

Die Waldpädagogik ist in Brandenburg gesetzlicher Auftrag, doch die Forstverwaltung stößt an ihre Grenzen

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31. März 2020, 05:00 Uhr

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat Brandenburgs Koalition aufgefordert, bei dem für dieses Jahr geplanten Stellenzuwachs in der Forstverwaltung die Waldpädagogik zu berücksichtigen. „Von den 35 Stellen in den Waldschulen sind zehn unbesetzt“, sagte Landesvorsitzender Gregor Beyer. Zudem würden in den nächsten Jahren Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden.

Brandenburg hat 1995 als erstes Bundesland Waldpädagogik per Gesetz den 30 Oberförstereien zur Dienstaufgabe gemacht. Die Oberförstereien und 24 Waldschulen machen Kinder und Jugendliche mit der Natur vertraut. Seit 2012 haben rund 980 000 Teilnehmer mehr als 31 700 Veranstaltungen besucht.

Durch Stellenkürzungen ist die Beschäftigtenzahl in der Forstverwaltung laut Beyer seit Anfang der 90er-Jahre auf rund ein Drittel geschrumpft. Die Folgen spüre auch die Waldpädagogik. Die von der Schutzgemeinschaft betriebenen waldpädagogischen Einrichtungen, die oft auf die Mitarbeit der Revierförster angewiesen seien, hätten darunter gelitten. „Den unteren Forstbehörden fiel es in den letzten Jahren aber immer schwerer, ihre im Waldgesetz des Landes verankerten Aufgaben waldbezogener Bildungs- und Erziehungsarbeit umzusetzen“, sagt Beyer.

In der Antwort auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Ingo Senftleben zur Waldpädagogik heißt es aus dem Umweltministerium, besonders rund um Berlin und die größeren Städte Brandenburgs seien „die Kapazitätsgrenzen erreicht oder bereits überschritten“. Dort könne das Angebot die Nachfrage „teilweise nicht decken“.

Im Koalitionsvertrag haben SPD, CDU und Grüne vereinbart, den Landesbetrieb Forst zukunftsorientiert aufzustellen. Nach einer Evaluierung bis Ende 2020 sollen Struktur und Planziele des Betriebs neu festgelegt werden.

Im Nachtragsetat 2020, der dem Landtag vorliegt, will die Koalition im Forstbereich Zeichen setzen. „Wir werden hier erstmals seit Jahren mehr Stellen im Haushalt beschließen“, sagt Senftleben. Vorgesehen sei auch, die zehn offenen Stellen in der Waldpädagogik noch 2020 zu besetzen. Mit Personalräten und Gewerkschaften sei eine Aufgabenanalyse vereinbart. Daraus werde der Personalbedarf abgeleitet.

Dass sich die Personallage bald nachhaltig verbessert, hofft auch Beyer. Der Stellenabbau in den Revieren habe auch in anderen Bereichen als der Waldpädagogik Spuren hinterlassen. So habe der Personalmangel dazu geführt, dass Verursacher illegaler Müllablagerungen in den Wäldern nicht ermittelt werden können.

„Forstleute in den Waldschulen sind hochmotiviert, machen Veranstaltungen mit Schulklassen auch nach der Dienstzeit“, so Beyer. „Auf die Dauer aber demotiviert die anhaltende Sparpolitik. Das muss sich schnell ändern.“

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