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Brandenburg

18. November 2017 | 11:33 Uhr

Wald der nagenden Plagegeister

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kiefernbuschhornblattwespe bedroht Forstflächen / Schädling in Ostprignitz-Ruppin in den 1990er-Jahren ein Problem – jetzt wohl nicht mehr

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Gerade macht in Brandenburg wieder ein Schädling von sich reden, der Kiefern hektarweise kahlfrisst – die Raupen der Kiefernbuschhornblattwespe. In den weitläufigen Waldgebieten rund um Finsterwalde (Elbe-Elster) waren die Raupen zu einer Plage geworden. Ab Ende August wurden sie mit der Chemiekeule – einem Insektizid namens „Karate Forst Flüssig“ – von oben, aus dem Hubschrauber heraus, bekämpft. Eine Fläche von 4  500 Hektar war betroffen. Es hatte Auswirkungen auf die Bevölkerung. Denn während der Zeit durften die Wälder nicht betreten werden. Pilz- sowie Beerensammler sollten das Gebiet mindestens für 47 Tage meiden. Mittlerweile ist die Aktion aber abgeschlossen.

Es könnte auch im Nordwesten Brandenburgs kritisch werden, stellt Diplom-Forstingenieur Jan Engel vom Landesbetrieb Forst fest. Die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel seien dieses Jahr zwar nicht betroffen, aber es gäbe „im Bereich zwischen Neuruppin und Herzberg – nördlich der B 167 – Waldbestände, die von ihrer Disposition her potenziell gefährdet sind“. Die Raupen seien nicht gefährlich für den Menschen, teilt Jan Engel überdies mit. Sie sind „jedoch häufig tödlich für den Kiefernwald“.

Mehr als 250 000 Hektar Fläche hat der Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Auf 34 Prozent davon wächst Wald. Die Kiefer gehört zu den dominierenden Forstgehölz-Arten. Tatsächlich gab es in den 1990er-Jahren auch Probleme in diesem Revier. Daran erinnert sich Torsten Langhoff, der die Wälder um Lindow einst betreute. Das liege vor allem daran, dass dort Monokulturen der Baumart gepflegt werden. Mittlerweile kümmert er sich um das von Laubbäumen durchsetzte Revier in Stendenitz: „Dort sind derzeit keine Probleme zu befürchten.“

Brandenburg überwacht seine Wälder regelmäßig, sucht nach sogenannten biotischen Schädlingen wie Insekten und Pilzen. Aber auch abiotische Gefahrenquellen wie Hitze, Feuer, Wasser, Wind und die Emission von Schadstoffen werden kontrolliert. Der märkische Wald ist dabei durchaus als Problem-Forst zu betrachten, sagen Experten. Schuld daran sei die Witterung – das heißt: die Wetterextreme, die zunehmen und heftiger würden. Dem Wald bekomme das nicht gut. Er werde dadurch geschwächt und anfälliger für Dürre- und Frostschäden, heißt es. Wenn dann noch mehrere Faktoren wie Wassermangel, zu warme Winter, Insekten oder Pilze zusammentreffen, spricht das Umweltministerium von „Komplexkrankheiten“, welche die Bäume überstehen müssten.

Mittels eines Monitorings werden die Waldflächen des Landes Brandenburg genau im Blick behalten. Dafür müssen die Förster Vorgaben einhalten und ihre Beobachtungen aufzeichnen und bewerten. Nur so können – wie in Ostprignitz-Ruppin beim Eichenprozessionsspinner oder wie bei der Kiefernbuschhornplattwespe im Kreis Elbe-Elster – Schädlinge bekämpft werden.

Seit einigen Jahren werden über das Waldmonitoring zum Beispiel auch Quarantäneschädlinge überwacht. Das sind Schaderreger, für die eine Gefahr der Einschleppung besteht. Das betrifft den Asiatischen Laubholzbock oder die Kiefernholznematode. Im Juli wurden auffällige, aber zumeist nicht folgenschwere Blattschäden durch Eichenerdfloh und Erlenblattkäfer gemeldet.

Mehrfach werden die Raupen des Mondvogels beobachtet, die denen des Eichenprozessionsspinners ähnlich sehen.

In den Eichenwäldern bleibt der Nachtfalter Schwerpunkt der Beobachtung. Die Ausbringung des Bakterienpräparats Dipel ES zur Bekämpfung dieser Spinner-Art hat bislang gut gewirkt.

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