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Brandenburg

24. November 2017 | 08:46 Uhr

Vorwurf: Zu wenige Lehrstellen

vom

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erstellt am 14.Aug.2012 | 11:12 Uhr

Berlin/Potsdam | Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beklagt eine nachlassende Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in Berlin und Brandenburg. Trotz Fachkräftemangels und weniger Schulabgängern gäben immer weniger Betriebe jungen Menschen eine Chance auf eine Berufsausbildung, sagte die DGB-Landesvorsitzende Doro Zinke. "Das ist kurzsichtig."

In Berlin droht Zinke zufolge in diesem Jahr ein rechnerisches Defizit von 2800 Ausbildungsstellen. So sollen 7600 Jugendliche noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Dem stünden 4800 unbesetzte Lehrstellen gegenüber. In Brandenburg gibt es demnach 4000 unversorgte Bewerber und 4700 unbesetzte Stellen.

Zinke betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der dualen Ausbildung. Die Kombination aus Berufsschule und betrieblicher Praxis sei europaweit ein Vorzeigeprojekt. Ausgerechnet deutsche Unternehmen ließen aber in jüngster Zeit das bewährte System zunehmend austrocknen. "Das ist ein Drama", sagte die DGB-Chefin. Viele Unternehmen klagten über Fachkräftemangel. Ihre Anstrengungen, das Problem aus eigener Kraft zu lösen, seien aber nur unzureichend. "Das ist das eigentliche Problem", sagte Zinke. So werde das Programm für ausbildungsbegleitende Hilfen viel zu wenig in Anspruch genommen. Mit diesem Programm finanzieren die Arbeitsagenturen eine Art Nachhilfe in den Betrieben, um Lehrlingen nachträglich fehlende Schulkenntnisse zu vermitteln.

Seitens der Arbeitsverwaltung würden nur ausbildungsreife Jugendliche in der Statistik geführt, sagte Zinke. Auffällig sei, dass jeder zweite ausländische Jugendliche noch keine Lehrstelle gefunden habe, obwohl mehr als 80 Prozent über einen Haupt- oder Realschulabschluss verfügten. Trotz vergleichbarer Qualifikation mit deutschen Bewerbern hätten Jugendliche anderer Herkunft schlechtere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.

Zinke führte dies auf die mangelnde Anpassung der Unternehmen an veränderte gesellschaftliche Verhältnisse zurück. Viele Firmen seien offenbar immer noch der Meinung, der Auszubildende müsse "ein weißer, deutscher Abiturient" sein. "Diese Zeiten sind vorbei", sagte Zinke.

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