Vorwurf: Zu wenige Lehrstellen

Die Auszubildende Nicole Schindhelm kontrolliert  in der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg in Ludwigsfelde ein Teil für ein Funktionsmodell eines Triebwerkes. Brandenburger Firmen bilden zu wenig aus, so der Vorwurf des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Foto: dpa
Die Auszubildende Nicole Schindhelm kontrolliert in der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg in Ludwigsfelde ein Teil für ein Funktionsmodell eines Triebwerkes. Brandenburger Firmen bilden zu wenig aus, so der Vorwurf des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Foto: dpa

von
14. August 2012, 11:12 Uhr

Berlin/Potsdam | Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beklagt eine nachlassende Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in Berlin und Brandenburg. Trotz Fachkräftemangels und weniger Schulabgängern gäben immer weniger Betriebe jungen Menschen eine Chance auf eine Berufsausbildung, sagte die DGB-Landesvorsitzende Doro Zinke. "Das ist kurzsichtig."

In Berlin droht Zinke zufolge in diesem Jahr ein rechnerisches Defizit von 2800 Ausbildungsstellen. So sollen 7600 Jugendliche noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Dem stünden 4800 unbesetzte Lehrstellen gegenüber. In Brandenburg gibt es demnach 4000 unversorgte Bewerber und 4700 unbesetzte Stellen.

Zinke betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der dualen Ausbildung. Die Kombination aus Berufsschule und betrieblicher Praxis sei europaweit ein Vorzeigeprojekt. Ausgerechnet deutsche Unternehmen ließen aber in jüngster Zeit das bewährte System zunehmend austrocknen. "Das ist ein Drama", sagte die DGB-Chefin. Viele Unternehmen klagten über Fachkräftemangel. Ihre Anstrengungen, das Problem aus eigener Kraft zu lösen, seien aber nur unzureichend. "Das ist das eigentliche Problem", sagte Zinke. So werde das Programm für ausbildungsbegleitende Hilfen viel zu wenig in Anspruch genommen. Mit diesem Programm finanzieren die Arbeitsagenturen eine Art Nachhilfe in den Betrieben, um Lehrlingen nachträglich fehlende Schulkenntnisse zu vermitteln.

Seitens der Arbeitsverwaltung würden nur ausbildungsreife Jugendliche in der Statistik geführt, sagte Zinke. Auffällig sei, dass jeder zweite ausländische Jugendliche noch keine Lehrstelle gefunden habe, obwohl mehr als 80 Prozent über einen Haupt- oder Realschulabschluss verfügten. Trotz vergleichbarer Qualifikation mit deutschen Bewerbern hätten Jugendliche anderer Herkunft schlechtere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.

Zinke führte dies auf die mangelnde Anpassung der Unternehmen an veränderte gesellschaftliche Verhältnisse zurück. Viele Firmen seien offenbar immer noch der Meinung, der Auszubildende müsse "ein weißer, deutscher Abiturient" sein. "Diese Zeiten sind vorbei", sagte Zinke.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen