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Brandenburgs beste Tierwirtin : Von wegen „doofe Kuh“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Arbeitsplatz im Kuhstall – für Rebecca Harnack aus Dannenberg im Landkrei Märkisch-Oderland erfüllte sich ein Traum.

Dass sie einmal das Sagen bei 360 Kühen haben würde, hatte sich Rebecca Harnack vor wenigen Jahren so nicht gedacht. Aufgewachsen im östlichen Berliner Speckgürtel, fühlte sich die gebürtige Berlinerin eher als Städterin, denn als Landkind. Das Interesse für die Landwirtschaft begann im Alter von zwölf Jahren, als sie ihre Freizeit regelmäßig auf einem Reiterhof verbrachte. „Das Reiten kostete nichts. Dafür mussten wir Kinder mithelfen – Stall ausmisten, Heu machen“, erinnert sich die heute 26-Jährige, die inzwischen Brandenburgs beste Tierwirtin ist.

Mit einem Notendurchschnitt von 1,0 hat sie im Sommer ihre Facharbeiterprüfung am Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland gemacht und wurde nahtlos von ihrem Ausbildungsbetrieb, der Produktivgesellschaft Dannenberg (Märkisch-Oderland), übernommen. Für Geschäftsführer Jens Petermann gab es da gar kein Zögern. „Rebecca ist unwahrscheinlich engagiert, tierlieb und hat eine gute Beobachtungsgabe, was wichtig bei Tieren ist. Sie übernimmt Verantwortung weit über das normale Maß hinaus.“

Was er damit meint, erklärt die Nachwuchs-Tierwirtin gleich selbst. „Ich kann nicht einfach Feierabend machen, wenn ich sehe, dass eine Kuh gleich kalben wird oder irgendwas anderes noch in Ordnung gebracht werden muss.“ Zu ihren Aufgaben als Abteilungsleiterin Tierproduktion gehört die Sortierung der Kühe nach Milchleistung, die Anpassung der Futterrationen und die Kälberaufzucht. „Ich wollte nie in so einem Riesenbetrieb arbeiten, wo keine Zeit für das einzelne Tier bleibt“, erklärt die bodenständig wirkende Blondine. Wenn es einer Kuh augenscheinlich nicht gut gehe, müsse sie schließlich ergründen, warum das so ist.

Rebecca ist froh, in Dannenberg solch eine Firma nach Maß gefunden zu haben. Schließlich musste sie die Auswirkungen der aktuellen Milchpreiskrise schon miterleben. Denn ursprünglich hatte sie einen anderen Ausbildungsbetrieb in der Märkischen Schweiz. Doch der schaffte im vergangenen Sommer aus Kostengründen seine Milchkühe ab und die angehende Tierwirtin verlor ihre Arbeitsgrundlage.

Glücklicherweise konnte sie nach Dannenberg wechseln und wurde nach dem erfolgreichen 1,0-Abschluss in diesem Sommer auch übernommen. „Hier fand gerade ein Generationswechsel statt, die alte Crew ging in Rente“, erläutert sie. Einfach in den Schoß gefallen sei ihr der Abschluss nicht, stellt die 26-Jährige klar. „Ich habe total gebüffelt.“

In der Landwirtschaft gebe es immer Hochs und Tiefs und auch die Milchpreiskrise lasse sich überstehen, glaubt sie. Ihr Chef ist da skeptischer. „Erst ufern die Milchmengen staatlich subventioniert aus. Jetzt wird der Markt bereinigt und die kleinen Betriebe springen dabei über die Klinge“, sagt Petermann, der mit 13 Mitarbeitern insgesamt 750 Hektar Land bewirtschaftet.

Rebecca Harnack bleibt optimistisch, vor allem wenn sie beobachtet, wie gut die hofeigene Milchtankstelle und das Fleisch der geschlachteten Rinder beim Verbraucher ankommen. Die regionale Eigenversorgung gewinne immer mehr an Bedeutung, glaubt der bekennende Kuh-Fan. Der Ausdruck „doofe Kuh“ stimme überhaupt nicht, die Tiere hätten Charakter, sagt sie. „Kühe sind ziemlich intelligent, können über Zäune springen, sogar Türen aufmachen, aus dem Melkstand flüchten – da müssen wir echt auf zack sein.“

Brandenburgs beste Tierwirtin spricht häufig vom „wir“. Denn im Kuhstall Dannenberg hat sie ihren Lebensgefährten Paul Chudzinski kennen gelernt, der seinen Facharbeiter-Abschluss bereits vor fünf Jahren machte. „Rebecca ist hier mit so viel Herzblut dabei, da musste ich mich einfach verlieben“, sagt der 25-Jährige lächelnd.

Gemeinsam leben sie im Oderbruch-Örtchen Altmädewitz. Dort startet fast jeder Tag um 2 Uhr in der Nacht, anderthalb Stunden später ist Arbeitsbeginn in Dannenberg – auch an Sonn- und Feiertagen. „Tiere müssen täglich versorgt werden.“ Theoretisch endet die Schicht um 14.30 Uhr, doch meist sind die beiden viel länger im Stall. Beispielsweise wenn die monatliche Milchkontrolle ansteht, bei der beim Melken von jeder Kuh Proben genommen werden müssen. Oder wenn mal wieder ein paar Kälber ausgebüxt sind. „Das Schöne an dem Beruf ist ja, dass er nicht berechenbar ist“, meint die Tierwirtin.  

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erstellt am 27.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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