Landestanzsportverband : Von Walzer bis Rock ’n’ Roll

Die Rock ’n’ Roller Meike Gülicher und Hannes Ullrich vom TSC „Take it easy“ Königs Wusterhausen schafften es bis in die Nationalmannschaft.
Foto:
Die Rock ’n’ Roller Meike Gülicher und Hannes Ullrich vom TSC „Take it easy“ Königs Wusterhausen schafften es bis in die Nationalmannschaft.

Mit sieben Vereinen ist der Landestanzsportverband Brandenburg vor 25 Jahren gestartet – jetzt zählt er 35

svz.de von
07. Juni 2016, 05:00 Uhr

Eigentlich sollte es nur der Versuch sein, etwas für den eigenen Körper, für die Gesundheit zu tun. Nach zwei Kindern, sagt Inge Kunze, habe sie schon ein paar Probleme gehabt. Und dann stand da diese Anzeige in der Zeitung: „Eine Tanzschule im Berliner Baumschulenweg suchte nicht mehr ganz junge Leute, die tanzen wollen. Also sagte mein Mann: ,Da gehen wir mal hin.’“ Fast 60 Jahre ist das her. Und den Kunzes machte das Tanzen so viel Spaß, dass sie auf Vorschlag ihrer damaligen Trainerin hin den Breitensport verließen und anfingen, sich der Sache ernsthafter anzunehmen. Eine Entscheidung, die 30 Jahre später zum Glück für Brandenburgs Tanzsport werden soll. Es ist die Zeit der politischen Wende: Die Kunzes hatten sich durch alle Klassen der Senioren getanzt, ihre aktive Karriere auf dem Parkett 1971 als Zweite der DDR-Meisterschaften beendet, agieren seitdem als Wertungsrichter und Turnierleiter. Als es darum geht, den Tanzsport in der Region nach westdeutschen Regeln neu zu organisieren, schlägt ihre Stunde.

In Berlin mit dem Ost- und Westteil, das wird Hubertus Kunze schnell klar, gestaltet sich die Suche nach einem gemeinsamen Weg mehr schlecht als recht. Das bringt Brandenburg ins Spiel. „Hier gab es auch Tanzklubs, die man zusammenfassen konnte.“ Kunzes Freund Arnhold Hoock, zu DDR-Zeiten zweiter Vorsitzender der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Gesellschaftstanz, beginnt mit der Vorarbeit. Doch dann hat er zum wiederholten Mal einen Herzinfarkt. Als Hoock stirbt, ist es an Kunze, die Fäden in die Hand zu nehmen.

Vor 25 Jahren, am 12. Januar 1991, findet in Uckley unter dem Dach des Landessportbundes die Gründung des Landestanzsportverbandes (LTV) Brandenburg statt. Hubertus Kunze wird zum ersten Vorsitzenden gewählt, seine Frau Inge zur Schatzmeisterin und Leiterin der Geschäftsstelle. Für die haben die Kunzes ein Zimmer in ihrer Berliner Wohnung frei geräumt. Eine Anschubfinanzierung bekommt der Verband, zu dem anfangs sieben Vereine mit gut 300 Mitgliedern gehören, von seinem „West-Paten“, dem 40 000 Mitglieder zählenden Landestanzsportverband Nordrhein-Westfalen.

Unter das Dach des LTV rutschen neben Latein- und Standardtänzern Rock ’n’ Roll-Vereine, Gruppen für Jazz und Modern Dance, Garde- und Showtanz, Country. Kunzes besuchen die LTV-Mitglieder, schauen, wie es bei jedem von ihnen läuft. Der größte Verein damals ist der Tanzsportclub Schwedt.

„Überall waren meist ältere Tänzer dabei“, sagt Hubertus Kunze. Hier galt es, anzusetzen. „Wir mussten was organisieren, die Jugend interessieren.“ Ein Problem, das den Verband bis heute beschäftigt. „Bei den Senioren, die das als Hobby betreiben, gibt es einen Riesenboom“, sagt Marlis Kramski, die den Leitungsposten von Kunze übernahm. Anders beim Nachwuchs. „In ländlichen Regionen haben Kinder wenig Möglichkeiten, zum Tanzen zu kommen.“ Zumal der Verband zu wenig gut ausgebildete Trainer habe, die nachmittags Unterricht anbieten könnten. Vor allem aber: „Man kommt schwer an die Kinder ran“, erläutert Marlis Kramski. Vom Verband fortgebildete Partner in Kindergärten und Schulen, die die Kleinen vor Ort ans Tanzen heranführen, könnten ein Weg sein, das Problem zu lösen.

Einen anderen sind die Brandenburger bereits gegangen: In den 90er-Jahren wurden zwei Leistungsstützpunkte eröffnet. In Bad Saarow widmet man sich Standard und Latein und in Königs Wusterhausen dem Rock ’n’ Roll. Dort wurde ein Weltmeister im Jugendbereich zum Erfolg geführt. In 14 Tagen richtet der Tanz- und Sport-Club „Take it easy“ die Deutsche Meisterschaft Rock ’n’ Roll Akrobatik aus. Weil man neben dem Leistungs-, auch dem Breitensport verpflichtet ist, nimmt der LTV an den Kinder- und Jugendsportspielen des Landes am Scharmützelsee teil. Abgesehen von der Zeit und dem Schweiß, den man investieren muss – Tanzen ist auch ein teurer Sport. „Für ein Kleid muss man eine vierstellige Summe einplanen“, sagt Hubertus Kunze. Auch die Musik und die Choreografie, die im Leistungsbereich inklusive der Kleider alle zwei Jahre wechselt, kosten Geld. Ohne Sponsoren, sagt Marlis Kramski, sei das kaum zu machen. Wenn auch noch nicht alle Blütenträume reiften: Die Zahl der Vereine unter seinem Dachhat der Verband seit seiner Gründung verfünffachen, die seiner Mitglieder verzehnfachen können.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen