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Brandenburg

12. Dezember 2017 | 20:39 Uhr

Brandenburg : Von Kornkreisen umzingelt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fünf rätselhafte Gebilde in Brandenburg – ein Ansturm der Esoterik-Fans blieb allerdings aus

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2015 | 21:00 Uhr

Nummer fünf kam vor wenigen Tagen hinzu. Ein prächtiger Kornkreis, der für einen erhöhten Pulsschlag von Esoterik-Fans und Drohnenpiloten gleichermaßen sorgt, aus der Luft dokumentiert in einem Getreidefeld nahe Großziethen (Dahme-Spreewald). Und der sich als Blumenmotiv interpretieren lässt, wahlweise auch als Windrad.

Vier weitere mysteriöse Gebilde waren in den vergangenen Wochen in der Umgebung des Schönefelder Ortsteils entdeckt worden – in der Nähe der Berliner Stadtgrenze. Ein Kornkreis ähnelt einem Propeller, ein anderer kann als Kastanienmännchen gedeutet werden. Hinzu kommen zwei weitere Blumengrüße durch umgeknickte Halme. Großziethen kann sich daher durchaus als diesjährige Hauptstadt der Kornkreise bezeichnen. Nur noch ein weiterer wurde in Rheinland-Pfalz gemeldet, weltweit sind es jährlich rund 100. Im bayrischen Raisting hatte 2014 ein 75 Meter großes Muster für eine Invasion der Schaulustigen gesorgt – schließlich wurde es ausgerechnet neben einer Satellitenfunkanlage entdeckt. In Brandenburg sind derartige Phänomene selten. „Unsere Landwirte haben so etwas noch nie registriert“, heißt es beim Bauernverband.

Von einem Massenansturm auf die Kornkreise kann in Großziethen freilich keine Rede sein. „Die Leute wissen doch gar nicht, wo die genau liegen, ich übrigens auch nicht“, sagt Bauer Jürgen Pahl, der im Internet auf Bilder der Darstellungen gestoßen ist, um die sich Legenden und Mythen ranken. Der Eigentümer der Felder glaubt allerdings nicht, dass die Kornkreise ein Werk von Außerirdischen sind, die unweit des Flughafens Schönefeld „gelandet“ sind. „Das waren Berliner Jugendliche“, meint er und verweist auf die nahegelegenen Hochhäuser in Gropiusstadt. Auch entsprechende Experten haben sich bereits zu Wort gemeldet. Die unsaubere Geometrie der Kornkreise deute darauf hin, dass Menschen am Werk waren, meint der Kornkreisforscher und Buchautor An-dreas Müller gegenüber verschiedenen Medien. Dabei werde mit Seilen, Brettern und Walzen gearbeitet.

Dabei wird Großziethen an den Wochenenden ohnehin schon von Tausenden Spaziergängern aus Berlin aufgesucht, die dort ihre Hunde ausführen. „Viele rennen über die Felder, treten die Saat nieder, da wird das Eigentum anderer missachtet“, empört sich Ortsbürgermeister Hans-Georg Springer. Daher hofft er, dass der „Spuk“ mit den rätselhaften Zeichen bald vorbei ist. Mehr Gelassenheit zeigt Schönefelds Bürgermeister Udo Haase. „Hoffentlich wird dieser Fall einmal von ernstzunehmenden Wissenschaftlern untersucht“, sagt er. Störend seien die Kornkreise nicht, auch wenn darum ein „kleiner Hype“ entstanden sei. Der Schaden hält sich für Bauer Pahl in Grenzen. „Die paar Doppelzentner Getreide, die mir verloren gehen, werden mich nicht ruinieren.“

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