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Behördenskandal : Von der eigenen Mutter entführt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vater vermisst seit fünf Wochen die Tochter und ärgert sich über untätige Behörden

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Behördenfehler wie beim Drama mit drei Toten in der vergangenen Woche sind offenbar kein Einzelfall. Ein Fall von Kindesentführung zeigt, dass offizielle Stellen immer wieder fragwürdig agieren.

Sebastian Schulz weiß nicht mehr weiter. Um sein Kind nicht zu gefährden, bittet er um Anonymität. Er ist Ende 20 und lebt in Berlin, ein Akademiker mit einem gut bezahlten Job und Vater einer zwei Jahre alten Tochter. Sarah lebte seit etwa einem Jahr im Haushalt von Sebastian Schulz, ist seit nunmehr fünf Wochen verschwunden. An einen unbekannten Ort entführt von ihrer in Brandenburg lebenden Mutter. Eine Straftat, der Vater hat das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht, wenn sich auch Mutter und Vater das Sorgerecht teilen.

Das zuständige Amtsgericht hat Anfang Februar eine Anordnung zur Herausgabe des Kindes und eine Grenzsperre erlassen, die verhindern soll, dass sich die Frau ins Ausland absetzt. Passiert ist seitdem kaum etwas. Von der Polizei fühlt sich Schulz nicht ernst genommen.

Dabei sollten die Beamten sogar in besonderem Maße alarmiert sein, findet er. Denn die Kindsmutter gilt laut Aktenlage als psychisch labil und selbstmordgefährdet. Sie neigt zum Konsum illegaler Drogen und zu Gewaltausbrüchen. Ein psychologisches Gutachten im Sorgerechtsstreit bescheinigt ihr Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Kind. Mehrfach hat sie gegen Absprachen mit dem Kindsvater zum Umgang mit der gemeinsamen Tochter verstoßen.

Sebastian Schulz macht sich große Sorgen. Er hat das Recht auf seiner Seite, und doch geschieht in seinen Augen nichts. „Wenn ich mir als Mann das erlaubt hätte, was die Kindsmutter getan hat, säße ich längst im Gefängnis“, vermutet er.

Seine Anwältin findet den Vorgang „skandalös“. Auch sie ist der Meinung: „Würde sich ein Mann wie diese Frau verhalten, wäre das Geschrei groß. Ich verstehe nicht, warum sie nicht zur Fahndung ausgeschrieben wird.“ Die Polizei habe kaum mehr unternommen, als zwei Mal zur Wohnung der Frau zu fahren, dort niemanden angetroffen. Sie hatte ihr Untertauchen wohl geplant, sich eine neue Handynummer zugelegt. Die Berliner Behörden fühlen sich wegen des Brandenburger Wohnsitzes der Frau nicht mehr zuständig, die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat noch keine Akten erhalten, kann nicht handeln.  

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