Landwirte hoffen auf mehr Unterstützung : Von Blühstreifen und Wölfen

Henrik Wendorff, märkischer Bauernpräsident und Betriebsleiter der AGW Worin mbh
Henrik Wendorff, märkischer Bauernpräsident und Betriebsleiter der AGW Worin mbh

Brandenburgs Landwirte wollen sich stärker für Artenvielfalt engagieren / Märkischer Öko-Landbau braucht neue Strukturen

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20. Januar 2018, 05:00 Uhr

Bis zum 28. Januar läuft in den Berliner Messehallen unter dem Funkturm die Internationale Grüne Woche. Sie ist die weltgrößte Ernährungsmesse, aber auch Fachmesse für Landwirtschaft. Benjamin Lassiwe sprach mit dem Präsidenten des Brandenburger Bauernbundes, Henrik Wendorff, über die Herausforderungen, vor denen die Landwirte des Landes derzeit stehen.

Brandenburgs Bauern verteilen auf der Grünen Woche Blumensamen an Besucher. Warum?
Henrik Wendorff: Wir wollen auf eine Aktion des Landesbauernverbands hinweisen. Wir wollen Flächen mit Blühmischungen besäen, so genannte Blühstreifen, und hoffen dafür auf die Unterstützung der Messebesucher. Denn wir wollen als Landwirte mehr für die Biodiversität unternehmen – etwa zum Schutz von Bienen und anderen Insekten. Uns Landwirten fällt es ja generell immer schwerer, den Menschen zu zeigen, was wir machen. Nicht jeder Bürger weiß mehr, was auf unseren Feldern geschieht. Und wir haben leider kein Umweltprogramm des Ministeriums, das dieses Vorhaben unterstützt.
Im letzten Jahr war die Grüne Woche noch vom Streit um die Massentierhaltung überschattet. Hat der Tierschutzplan die Lage beruhigt?
Beruhigt ist der falsche Ausdruck. Wir waren nicht die, die das Thema Tierhaltung mit Aufregung sehen. Uns geht es mit dem Tierschutzplan darum, die Tierhaltung weiterzuentwickeln. Jetzt steht der Plan und wir müssen sehen, wie die Politik mit ihren Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung diesen Weg weitergeht. Dazu kann man Ansätze im Land finden, aber auch auf der Bundesebene.
Wo ist mehr Unterstützung nötig?
Zum Beispiel bei der Investitionsförderung. Wer Tierhaltungsanlagen etwa aus Gründen des Tierschutzes verändert, braucht eine angepasste Investitionsförderung. Wir brauchen eine Begleitung der Betriebe in den nötigen Genehmigungsverfahren. Da brauchen wir ein besseres System, als wir derzeit haben. Denn auch Stallumbauten brauchen eine Genehmigung. Wünschen würden wir uns Investitionslotsen für die Landwirtschaft, wie es sie bei den IHK in anderen Bereichen schon gibt. Und es braucht eine bessere Beratung der Betriebe. Da sind uns andere Bundesländer weit voraus.

Sie sind selber Ökobauer. Die Grünen haben einen Aktionsplan für den ökologischen Landbau gefordert, und beklagt, dass die Umstellungsprämie zu gering ist. Was meinen Sie?
Die reine Forderung nach einem Anteil des ökologischen Landbaus von 20 oder 25 Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche ist nicht zielführend. Wichtiger wäre es, sich einmal mit der Struktur der Branche zu beschäftigen. Mit 11,1 Prozent der Landesfläche haben wir einen hohen Anteil an Ökolandbau. Es ist uns aber nicht gelungen, auch eine Tierhaltung zu installieren, die die Produktion veredelt.

Und wir haben nicht genügend Verarbeitungsbetriebe, die die Produkte verkaufen. Nur die Fläche zu bewirtschaften, reicht allein nicht. Zur Stabilisierung des Ökolandbaus gehört mehr.
Gerade die Tierhalter beklagen ja in letzter Zeit die Bedrohungen durch den Wolf. Wie sehen Sie denn die Wolfsverordnung des Ministeriums?
Die Wolfsverordnung ist eingebettet in ein sehr kompliziertes, weitreichendes Naturschutzrecht. Das Land Brandenburg versucht, damit den Druck auf die Tierhalter zu entschärfen. Es ist positiv zu bemerken, dass man versucht hat, hier Lösungen zu finden. Ich glaube, die Wolfsverordnung wird uns zeigen, dass sie hier an Grenzen stößt. Da heißt es, starke Positionen auf Bundesebene zu finden, zum Beispiel zur Frage, wann derzeit streng geschützte Tierarten noch schutzwürdig sind.

Das Land Brandenburg hat getan, was in seinen Möglichkeiten steht, die nächsten Wochen werden dann zeigen, ob es praxistauglich ist. Wir begleiten und unterstützen die Landwirte, die diese sehr aufwendigen Anträge im Rahmen der Wolfsverordnung stellen.
Was halten Sie von der Forderung des Bauernbundes nach wolfsfreien Zonen?
Die Einrichtung solcher Zonen setzt bestimmte Dinge voraus, etwa die Einführung von Schutzjagden. Das ist aus unserer Sicht in Deutschland im Moment angesichts des geltenden Bundesrechts juristisch nur sehr schwer möglich. Deswegen kann so ein Aufruf derzeit lediglich den Finger in die Wunde legen.

Wir danken für dieses Gespräch.

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