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Kleine Manufaktur : Von „Berliner Luft“ bis „Rote Bete“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

René Rosinski betreibt eine Schnupftabakmanufaktur in Frankfurt (Oder). Bestimmte Sorten produziert nur er.

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2017 | 05:00 Uhr

20 Unternehmer aus dem Oderland hatten sich um den Existenzgründerpreis 2016 beworben, darunter auch René Micha Rosinski, Inhaber der Tabakmanufaktur Rosinski in Frankfurt.

Dass René Micha Rosinskis Kunden nicht nur in Deutschland zu Hause sind, zeigt schon die Internetseite der kleinen Frankfurter Manufaktur. Interessenten können sich dort in vier Sprachen informieren: auf Deutsch, Polnisch, Englisch – und auf Kaschubisch. Kaschubisch? „Ja, väterlicherseits bin ich kaschubischer Abstammung“, sagt der Frankfurter, der eigentlich aus Sachsen kommt. „Bei den Kaschuben ist der Genuss von Schnupftabak eine nationale Tradition.“ Das westslawische Volk der Kaschuben ist in der polnischen Wojewodschaft Pomorskie (deutsch: Pommern) zu Hause, in der Region Kaszubi (Kaschubien) westlich von Gdansk. Und die Kaschuben waren auch die ersten Kunden des Unternehmers, bevor dieser sich mit seiner Tabakmanufaktur selbstständig gemacht hat.

Die Schnupftabake aus Frankfurt gehen vor allem nach Nordamerika und in die skandinavischen Länder, nach England, nach China sowie nach Süddeutschland und ins Ruhrgebiet. Und so international wie seine Kundschaft ist auch der Berufsweg René Rosinskis. Der gebürtige Zwickauer hat Zootechniker, Marketingkaufmann, Diakon und Übersetzer gelernt sowie Theologie und Soziologie studiert. Fast 20 Jahre lang war er für eine polnische Stiftung tätig, die weltweit Landwirtschaftsbetriebe betreut – vor allem in Südamerika.

2012 beendete er diese Arbeit. „Es war Zeit, heimzukehren“, sagt er. Seine Heimkehr führte ihn aber nicht nach Sachsen, sondern nach Frankfurt, in seine neue Wahlheimat. Warum? „Ich habe Verwandte in Polen, hatte über die Jahre viele Kontakte in Polen geknüpft – da war Frankfurt jene Stadt, die am nächsten dran ist an Polen“, erklärt er. Was er hier künftig beruflich machen wollte, habe er damals allerdings noch nicht genau gewusst. Mit dem Schnupftabak hatte sich René Rosinski bereits während seiner Arbeit für die erwähnte polnische Stiftung beschäftigt. „In Südamerika habe ich mehrere Landwirtschaftsprojekte betreut, die den Tabakanbau betreiben“, erzählt er, „der Schnupftabak hat dort ja eine jahrtausendealte Tradition.“ Vor etwa zehn Jahren hat er versucht, selbst welchen herzustellen. „Ich wollte damals mit dem Rauchen aufhören“, verrät er, „aber das war mir nie geglückt – vor allem, weil ich beruflich ja jeden Tag mit Tabak zu tun hatte.“ Er probierte es mit dem Schnupftabak, „der hat ja auch seine Rituale, wird ein bisschen zelebriert“ – und kam schließlich mit dem Schnupfen vom Rauchen weg. Und nach vielen Versuchen und etlichen Fehlschlägen hatte er irgendwann auch den Dreh der Schnupftabakherstellung endgültig raus.

Seit Oktober 2014 stellt der Frankfurter Schnupfmacher – dieser Beruf war einst normaler Ausbildungsberuf – Schnupftabak in seiner Manufaktur her. Die Produkte tragen Namen wie „Kümmel“, „Rote Bete“, „Berliner Luft“ und „Alter Fritz“. Und jene mit Gewürznamen riechen auch so, wie sie heißen. Natürlich produziert er an der Oder auch einen echten „Frankfurter“ – einen Schmalzler, der sehr ölig und naseschonend ist, wie er versichert. Den „Goldapper“ hat er benannt nach der kleinen Stadt Goldap im einstigen Ostpreußen: „Das Rezept dafür habe ich von einem Pfarrer aus dieser Stadt.“ Besonders stolz ist er aber auf „Nordisch Grün“ und andere grüne Sorten, denn: „Ich bin der einzige kommerzielle Hersteller weltweit, der grüne Schnupftabake erzeugt“, betont er.

Als Schnupfmacher ist Rosinski in Ost- und Norddeutschland konkurrenzlos. Von den Konsumenten in Süddeutschland wurden seine Produkte anfangs als „Saupreißn-Schnupf“ bezeichnet, erzählt er lachend, „das hat sich aber von herablassend zu scherzhaft-freundlich gewandelt“. Die Tabake vertreibt er übers Internet.

Vor allem polnische Tabakbauern liefern ihm den Rohtabak. Diesen trocknet er und entfernt per Hand die Rippen aus den Blättern, zermahlt ihn zu Pulver, setzt Frucht- oder Gemüsesäfte und andere Zutaten hinzu, knetet alles zu einem Teig und lässt diesen dann gären. „Der Gärungsprozess schafft die Aromen“, erklärt er, „je nach Sorte dauert er drei Monate oder mehr als ein halbes Jahr.“

Noch verdient der 49-Jährige seinen Lebensunterhalt vor allem durch einen Halbtagsjob als Sozialarbeiter, er will aber sobald wie möglich davon leben können. „Rosinski Frankfurt“ heißt die Marke, unter der er seine Schnupftabake verkauft. „Den Namen habe ich bewusst gewählt. Frankfurt ist zwar nicht die schönste Stadt, aber sie ist sehr lebens- und auch liebenswert und die Menschen hier sind sehr herzlich.“  

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