zur Navigation springen

Auf autonomes Fahren vorbereiten : Vom Fahrlehrer zum Coach

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Durch den Verkehr im volldigitalisierten Auto – ein Berufsstand bereitet sich auf die Zukunft vor

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Wird autonomes Fahren den Fahrlehrer überflüssig machen? Rainer Sydow aus Friedersdorf (Dahme-Spreewald) ist überzeugt, dass sein Berufsstand weiter gebraucht wird. Aber er weiß: Die Aufgaben werden sich stark verändern.

Der Fahrlehrer führt vor, wie sein Dienstauto, ein Golf Caddy, allein einparkt. Demonstrativ lässt er beim Rückwärtsfahren die Hände vom Lenkrad. Dann tritt er sanft aufs Gas. Einmal, als der Abstandsassistent zu piepen anfängt, legt er doch per Hand den Vorwärts- und wieder den Rückwärtsgang ein. Am Ende steht das Fahrzeug akkurat in der Lücke, und Sydow steigt zufrieden aus.

„Das ist keine Spielerei. In den Städten sind die Parklücken oft so klein, dass es gut ist, sich ein bisschen helfen zu lassen“, sagt er. Fünf Prozent des Unterrichts entfalle auf diesen Bereich. Der Fahrlehrer ist sicher: „Das wird in den nächsten Jahren noch wesentlich mehr werden.“

Bei den Fahrschulen hat sich in den vergangenen Jahren viel geändert: Das Anfahren am Berg ist mit elektronischer Hilfe einfacher geworden, beim Theorielernen helfen Programme auf dem Smartphone. Die Fahrlehrerverbände haben erkannt, dass sie reagieren müssen. Aus Fahrtrainern sollen Multimedia-Experten werden.

Noch klingt das nach Zukunftsmusik. Google hat mit selbstfahrenden Autos in den USA viele Testkilometer absolviert. Aber bei einem gravierenden Unfall fuhr ein Google-Fahrzeug auf einen Bus auf. Dennoch ist Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) überzeugt: „In fünf Jahren stehen hochautomatisierte Fahrzeuge in den Autohäusern.“

Sydow hat der Minister an seiner Seite. „Im Straßenverkehr gehen gerade zwei Prozent aller Unfälle auf das Konto der Technik. Der Rest ist menschengemacht“, sagt er. Er hoffe stark, dass durch selbstfahrende Autos die Zahl der Unfälle zurückgehe.

Aber braucht man Fahrlehrer noch, wenn ein Gefährt alleine startet, um die Ecke biegt, Vorfahrtsregeln beachtet, seine Geschwindigkeit an den Verkehrsschildern ausrichtet, selbstständig den Zielort findet und einparkt? VW-Digitalchef Johann Jungwirth sagt: „Meine Kinder werden keinen Führerschein mehr brauchen.“

„Unser Beruf wird sich zwar ändern. Aber wir werden weiter gebraucht“, hält Sydow dagegen. „Ein paar Sachen sind auch bei selbstfahrenden Autos noch zu erledigen. Die wichtigste ist, das Fahrzeug betriebs- und verkehrssicher zu machen“, so der Fahrlehrer. „Bei heutigen Autos füllt sich das Wasser in der Scheibenwischanlage auch nicht alleine auf. Das muss der Fahrer machen.“ Es bleibe dabei, dass der Fahrzeugführer Aufgaben zu erledigen habe: Er muss kontrollieren, ob sich das Fahrzeug insgesamt in einem ordentlichen Zustand befindet. Er hat Daten korrekt einzugeben und zu prüfen, auch soll er die Instrumente an Bord bedienen können. Diese Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelten Fahrlehrer.

Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände beschäftigt sich intensiv mit der Ausbildung der Zukunft. So sitzt man im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums mit Herstellern und Juristen zusammen, um rechtliche Rahmenbedingungen des autonomen Fahrens in Deutschland zu klären. „Wir sind der Meinung, dass beim Fahren am Ende der Mensch verantwortlich ist und er sich von Assistenzsystemen immer nur helfen lassen kann“, sagt der Vorsitzende Gerhard von Bressensdorf. Bei manchem Autoversicherer gebe es die Tendenz, bei einem Unfall die Schuld beim Computer zu suchen und den Hersteller haftbar machen zu wollen.

Ändern muss sich die Prüfungsordnung. „Fahrschüler werden in Zukunft nachweisen müssen, dass sie Abstandshalte- und Spurhaltesysteme korrekt bedienen können. Bisher wird das nicht geprüft.“ Er erwartet, dass „spätestens bis 2018“ die Vorgaben angepasst werden. Nicht alle Fahrlehrer seien davon begeistert. „Manche müssten ihre Fahrzeuge umrüsten, was nicht billig ist.“ Daher gebe es in den eigenen Reihen Vorbehalte gegen ein zu schnelles Tempo, so von Bressendorf.

Der ADAC geht davon aus, dass der Beruf des Fahrlehrers auf absehbare Zeit nicht in Gefahr ist. „Was in 30 bis 50 Jahren sein wird, weiß keiner. Aber bis dahin braucht man Regeln für die gemeinsam genutzte Straße. Und die müssen gelernt werden“, sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. „Der Fahrer eines Fahrzeugs wird noch lange Herr des Geschehens sein müssen, ganz egal wie viel Technik sich an Bord befindet“, sagt er.

Rainer Sydow erzählt, dass die Digitalisierung ihm schon heute Kunden bringe. So nehme mancher ältere Fahrer wieder Unterricht, weil er mit dem neuen Auto nicht zurecht kommt. „Die gehen zielgerichtet zu mir und sagen: ,Ich brauche wieder ein paar Stunden.“ Je mehr die Fahrzeuge aufgerüstet würden, desto mehr wachse bei dieser Zielgruppe der Bedarf.

Bei jüngeren Menschen sieht Sydow den Umgang mit der Technik ziemlich unproblematisch. „Die können ein Smartphone bedienen, dann klappt das auch mit dem Auto.“  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen