Handwerk in Brandenburg : Vielerorts Erleichterung bei Friseuren

Ab 4. Mai wird es sicher einen Ansturm auf die Friseurgeschäfte in Brandenburg geben.
Ab 4. Mai wird es sicher einen Ansturm auf die Friseurgeschäfte in Brandenburg geben.

Sie dürfen ab 4. Mai unter Auflagen wieder öffnen. Das Handwerk in Brandenburg erlebt aber auch durch verändertes Konsumverhalten eine Wucht von Umsatzeinbußen.

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20. April 2020, 05:00 Uhr

Die Corona-Krise hat auch das Handwerk in Brandenburg finanziell stark getroffen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Das Handwerk erlebt durch die Einschränkungen und das veränderte Konsumverhalten in Teilen eine Wucht von Umsatzeinbrüchen, die Firmenexistenzen bedrohen“, sagte die Sprecherin der Handwerkskammer (HWK) Potsdam, Ines Weitermann. Probleme hätten insbesondere Geschäfte von personennahen Dienstleistern wie Friseure oder Kosmetikstudios, die ihre Betriebe ganz schließen mussten.

Auch Bäcker und Fleischer seien mit ihren Cafés und Imbissen betroffen. Brauer berichteten von erheblichen Umsatzeinbußen durch die Schließung von Restaurants und Hotels sowie durch die Absage von Veranstaltungen oder dem Ausbleiben des eigenen Biergartengeschäftes. Der stabil nachgefragte Werkstattbereich könne bei vielen Fahrzeugbetrieben die finanziellen Einbußen durch die Verkaufsschließung nicht auffangen.

In Westbrandenburg sind rund 2000 Friseur- und Kosmetikbetriebe geschlossen, im Osten sind es gut die Hälfte, wie Michael Thieme, Sprecher der HWK Frankfurt (Oder) berichtete. Die aktuelle Ankündigung der Landesregierung, dass die Betriebe ab 4. Mai unter Auflagen wieder öffnen dürfen, habe vielerorts für Erleichterung gesorgt. Thieme lobt ebenso, dass Soforthilfen bis zum 31. Mai beantragt werden könnten. Das Kurzarbeitergeld helfe zudem, dass den nach der Krise dringend benötigten Fachkräften nicht gekündigt werden müsse. „Wir kämpfen aber dafür, dass auch Lehrlinge in Kurzarbeit geschickt werden können“, fügte der Sprecher hinzu.

Weitermann betont aber auch, dass in vielen Bereichen, insbesondere bei den Bau- und Ausbauhandwerken, weiter gearbeitet wird. „Allerdings häufig in geringerem Umfang, verursacht durch Personalausfall oder Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Material und Betriebsmitteln“, sagte sie. Viele Betriebe würden notwendige Vorsichtsmaßnahmen umsetzen.

So fahren beispielsweise die Mitarbeiter des Heizungs- und Sanitärbetriebs „Eco“ in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) maximal zu zweit zu Einsätzen. Dabei tragen sie laut Geschäftsführer Ulrich Kappel Mundschutz und Handschuhe. Dass die durch die Krise frei gewordenen Kapazitäten des Betriebs nun ad hoc von Kunden genutzt werden, kann Ulrich Kappel nicht bestätigen. „Im Gegenteil, vor allem Privatkunden schieben wegen der Ansteckungsgefahr Reparaturen auf“, berichtet er. Viele Aufträge seien zurückgestellt worden. Auch Thieme beklagt, dass die Gelegenheit vor allem nicht durch die öffentliche Hand genutzt werde, um dringend notwendige Bauvorhaben in die Wege zu leiten. In der Gastronomie, wo es nun ebenfalls Spielraum für Sanierungen und Reparaturen gibt, fehlt hingegen das Geld. „Die meisten Betriebe haben damit zu tun, sich selbst über Wasser zu halten“, sagte Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Brandenburg. Richtig schwierig sei es für die Gastronomen, die unmittelbar vor der Krise für viel Geld renovieren lassen hätten und nun nicht öffnen dürften. Durch die Möglichkeit für viele Handwerksbetriebe, in der Krise weiterarbeiten zu dürfen, gibt es bei den Handwerkskammern auch eine Hoffnung. „Besonders deutlich wurde, wie unverzichtbar einige Berufe in der Gesellschaft sind, die das Land am Laufen halten und die jetzt die Anerkennung und Wertschätzung erhalten, die ihnen jahrelang verwehrt blieb“, sagte HWK-Sprecherin Weitermann. Wenn man der Krise etwas Positives abgewinnen wolle, bleibe der Aspekt, dass Berufe wie das Handwerk, positiv in der Öffentlichkeit stehen würden. „Ihnen künftig auch die entsprechende Wertschätzung entgegen zu bringen, muss ein Ergebnis dieser Krise sein“, sagt Weitermann.

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