Schutzmaßnahmen zeigen erste Erfolge : Vielen Libellenarten geht es besser

Die Rote Feuerlibelle ist eine von 47 heimischen Libellenarten.
Die Rote Feuerlibelle ist eine von 47 heimischen Libellenarten.

Aktualisierte Rote Liste für Brandenburg belegt die Erholung vieler Populationen

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10. März 2018, 05:00 Uhr

Früher war doch nicht alles besser, zu diesem Ergebnis kommt die gerade erschienene, aktuelle Rote Liste der Libellen des Landes Brandenburg. Insgesamt 69 verschiedene Libellenarten kommen in Brandenburg vor. Zum Vergleich: In Deutschland sind es insgesamt 81 Arten. Alle der im Land jemals nachgewiesenen Arten kommen auch derzeit noch vor, allein das ist schon eine sehr erfreuliche Tatsache, teilte das Brandenburger Umweltministerium mit.

Brandenburg gilt mit seinen fast 3000 natürlich entstandenen Seen sowie vielen künstlichen Gewässern wie Kies- und Tongruben, zahlreichen Kleingewässern und einem ausgedehnten Netz von Fließgewässern als das gewässerreichste Bundesland Deutschlands und bietet viele für Libellen günstige Lebensräume.

Dass es aktuell vielen Arten besser geht, ist in erster Linie der deutlichen Verbesserung der Wasserqualität der meisten märkischen Fließ- und Standgewässer zu verdanken. Zahlreiche Projekte zur Verbesserung der Struktur von Fließgewässern und viele Renaturierungsschritte zeigen bei dieser Artengruppe Wirkung. Zu ähnlichen Ergebnissen kam bereits die vor sechs Jahren aktualisierte Rote Liste der Fische und Rundmäuler Brandenburgs.

Vor allem einige Arten der Fließgewässer konnten sogar aus der Roten Liste der Libellen entlassen werden und gelten nicht mehr als bestandsbedroht. Dazu zählen die Blauflügel-Prachtlibelle, die Gemeine und die Asiatische Keiljungfer, die Grüne Flussjungfer und der Kleine Blaupfeil. Auch seltene Arten wie Kleine Zangenlibelle und Gebänderte Heidelibelle konnten ihre Bestände offensichtlich auf niedrigem Niveau stabilisieren.

Dennoch sind bei einigen Arten auch negative Entwicklungen in Brandenburg zu verzeichnen. Zwerglibelle, Speer-Azurjungfer, Torf- und Hochmoor-Mosaikjungfer sowie die Kleine und die Nordische Moosjungfer als typische Arten intakter Moorgebiete zeigen anhaltend negative Bestandstrends und mussten entweder in die Rote Liste neu aufgenommen oder in der Gefährdungskategorie höher gestuft werden. Einheitlich ist der Trend nicht: Mit der Gefleckten Smaragdlibelle und der Großen Moosjungfer konnten einzelne Arten der Moore auch Nutzen aus Schutzprojekten ziehen.

Erfreulich ist, dass einige Libellenarten, für deren Erhaltung Brandenburg eine deutschland- oder sogar weltweite Verantwortung trägt, stabile und zum Teil wachsende Bestände aufweisen. Hierzu gehören die häufigen Arten Blaugrüne Mosaikjungfer und Spitzenfleck.

Von den neun Libellenarten, die in den Anhängen der europäischen FFH-Richtlinie gelistet und für die besondere Schutzmaßnahmen erforderlich sind, befindet sich allerdings nur die Zierliche Moosjungfer in einem hervorragenden Erhaltungszustand, bei zwei Arten ist der Zustand als kritisch anzusehen, so das Ministerium.

Vorrangig durch klimatische Veränderungen bedingt ist die weitere Ausbreitung und Zuwanderung von Libellenarten zu sehen, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im Süden und Südosten Europas haben. So sind die Feuerlibelle und die Südliche Mosaikjungfer im Land inzwischen heimisch geworden. Die Entwicklung bei einigen, erst in den letzten zehn Jahren in der Mark erstmals nachgewiesenen Arten wie der Südlichen Heidelibelle oder der Scharlachlibelle muss noch weiter beobachtet werden. „Jüngster“ Zuwanderer ist der Östliche Blaupfeil, der 2016 erstmals in der Bergbaufolgelandschaft nahe der Grenze zu Sachsen nachgewiesen werden konnte.

Die recht genauen Einschätzungen der Bestandssituation der einzelnen Libellenarten wurden vor allem durch die sorgfältige Arbeit der zahlreichen ehrenamtlich tätigen Arterfasser in Brandenburg möglich, zu denen auch die Autoren der aktuellen Roten Liste der Libellen gehören. Auf der Basis dieser Arbeiten konnte bereits 2013 die Libellenfauna Brandenburgs in einer Schriftenreihe des Landesamtes für Umwelt herausgegeben werden. Doch auch intensivierte Untersuchungen zur Gewässerqualität für die Umsetzung der EU-Wasserrahmen-Richtlinie steuerten Ergebnisse zu aktuellen Roten Liste bei.

Das Landesamt für Umwelt gibt nach den Vorgaben des Brandenburger Naturschutz-Anpassungsgesetzes regelmäßig Rote Listen gefährdeter Arten heraus. Die Bewertung der Gefährdung erfolgt seit über 20 Jahren nach einem System bundesweit abgestimmter, objektiver Bewertungskriterien.

Seit 1997 wurden in Brandenburg Rote Listen für 15 verschiedene Artengruppen teilweise mehrfach aktualisiert. In Vorbereitung befinden sich derzeit neue Listen für Säugetiere, Heuschrecken, Weichtiere sowie Pflanzengesellschaften.

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