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Unterstützungsangebote reichen nicht aus : Viele pflegen Angehörige

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Unterstützung hat hat hohen Stellenwert in Brandenburg – kaum Pausen vom Beruf

svz.de von
erstellt am 02.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Immer mehr Brandenburger beteiligen sich an der Pflege ihrer Angehörigen – beruflich treten deshalb aber nur wenige kürzer. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die häusliche Pflege hat im Land einen sehr hohen Stellenwert“, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Potsdam, Gabriel Hesse. Von den rund 112 000 pflegebedürftigen Brandenburgern würden 78 Prozent im eigenen Zuhause entweder von Angehörigen allein oder mit Hilfe von ambulanten Pflegediensten versorgt.

„Im Ländervergleich ist das ein Spitzenwert“, betonte der Sprecher. Fast die Hälfte der Pflegebedürftigen werde allein von Angehörigen, oft neben dem Beruf, versorgt. Zu dem Ergebnis kommt auch der aktuelle Pflegereport der gesetzlichen Krankenkasse Barmer.

Ein Grund für die häusliche Pflege ist demnach, dass in Brandenburg lediglich 26,9 Plätze pro 100 Pflegebedürftige in Pflegeeinrichtungen verfügbar sind. Ein weiterer Aspekt ist laut Hesse die demografische Entwicklung - Brandenburg werde eben immer älter. Beachtlich sei auch, dass sich Angehörige für die Pflege selten eine Auszeit von ihrem Beruf nehmen würden.

Dabei verwies der Ministeriumssprecher auf eine Studie zur Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Pflege aus dem Jahr 2009. Demnach waren 38 Prozent der pflegenden Frauen in Ostdeutschland vollzeiterwerbstätig, von den Männern sogar fast 60 Prozent. 20 Prozent der Frauen, aber nur ein Prozent der Männer arbeiteten in Teilzeitbeschäftigung.

„Oft sind Angehörige wenig über die Möglichkeiten einer beruflichen Auszeit informiert“, sagte Birgitta Neumann vom Kompetenzzentrum Demenz für Brandenburg in Potsdam. „Die vorhandenen Anreize sind aber insbesondere hinsichtlich des Einkommens nicht so attraktiv, dass sie einen Anstieg begründen würden“, sagte Hesse.

Darüber klagen auch viele Angehörige, die sich in den 19 Pflegestützpunkten des Landes über Pflegemöglichkeiten für ihre Liebsten informieren. Etwa 1000 Menschen lassen sich pro Jahr beispielsweise im Pflegestützpunkt Herzberg (Elbe-Elster) beraten.

„Das Thema Pflege in den eigenen vier Wänden wird gerade in ländlichen Räumen wie bei uns immer wichtiger“, berichtete Sozialberaterin Elisabeth David. Besonders häufig würden Fragen zur Mobilität oder erforderlichen Umbaumaßnahmen zuhause gestellt. Auch die Möglichkeit einer beruflichen Auszeit interessiere viele.

„Gern in Anspruch wird die kurzzeitige Arbeitsunterbrechung genommen“, berichtete David. Dabei könnten Berufstätige bis zu zehn Tage bei vollem Gehalt pausieren, um die Pflege ihrer Angehörigen zu organisieren.

Eine weitere Möglichkeit, sich um Angehörige zu kümmern, sei die Familienpflegzeit. Dann könne die Arbeitszeit bis zu zwei Jahre auf 20 Wochenstunden bei 75 Prozent des Gehalts reduziert werden. Die verlorene Zeit müsse danach aber entweder mit Gehaltseinbußen oder Nacharbeit ausgeglichen werden.

„Dieser Anspruch gilt auch nur in Betrieben ab 25 Beschäftigten“, fügte Hesse hinzu. Zudem sei es noch möglich, ein halbes Jahr ohne Gehalt im Job zu pausieren. „Das wird aber kaum genutzt“, sagte David und verwies auf die schlechtere finanzielle Situation vieler Pflegender.

Vollzeitbeschäftigte seien gegenüber Teilzeitbeschäftigten, die ihre Angehörigen pflegen, übrigens im Nachteil, erläuterte die Sozialberaterin. Denn sie erhielten keine zusätzlichen Rentenpunkte. Ein weiteres Problem sieht David auch in der aktuellen Pflegereform. Diese Regelung stelle zwar Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen bei der Pflege besser als vorher, benachteilige aber im Gegenzug jene mit körperlichen Einschränkungen.

 

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