Misshandlung in Haasenburg-Heimen : Viele Fragen bleiben nach Skandal

Das Kinder- und Jugenheim „Haus Babenberg“ in Jessern ist längst wie alle anderen Haasenburg-Heime geschlossen. Abgeschlossen ist das Thema damit aber noch nicht.
Das Kinder- und Jugenheim „Haus Babenberg“ in Jessern ist längst wie alle anderen Haasenburg-Heime geschlossen. Abgeschlossen ist das Thema damit aber noch nicht.

2013 kamen Misshandlungsvorwürfe gegen die Haasenburg-Heime auf. Juristische Aufarbeitung läuft noch immer

von
22. Juni 2016, 05:00 Uhr

Vor drei Jahren machten mehrere Jugenderziehungsheime in Brandenburg bundesweit Schlagzeilen. Die Betreuer sollen Heimbewohner gedemütigt und drangsaliert haben. Es entbrannte eine Debatte um die Unterbringung junger Menschen in geschlossenen Einrichtungen. Seit Ende 2013 sind die drei Heime der Haasenburg GmbH für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche geschlossen – der Betreiber wehrt sich juristisch dagegen. Und die Aufarbeitung der Vorwürfe verläuft zäher, als sich viele erhofft hatten.

Bislang kam es zu drei Gerichtsprozessen gegen frühere Haasenburg-Betreuer. Jüngst wurde eines dieser Verfahren allerdings eingestellt, wie das Amtsgericht Lübben im Spreewald auf Anfrage mitteilte. Die betroffene junge Frau, die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte hätten dem zugestimmt unter der Voraussetzung, dass der Ex-Betreuer eine Geldbuße zugunsten des Opfers und mehrerer gemeinnütziger Vereine zahlt, hieß es. Zur Höhe und den Hintergründen für diesen Schritt machte das Gericht keine Angaben. Angeklagt war der Mann wegen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 33-Jährigen vorgeworfen, die junge Frau im Frühjahr 2013 sexuell missbraucht zu haben. Sie war zu dem Zeitpunkt 17 Jahre alt. An dem Verfahren beteiligte sie sich als Nebenklägerin, erschien zum Prozessauftakt im Dezember 2015 allerdings nicht. Das Verfahren war deshalb zunächst ausgesetzt worden.

Der erste Prozess gegen einen früheren Erzieher Anfang 2015 drehte sich auch um sexuellen Missbrauch und endete mit einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Zwei Monate später ging es dann in einem weiteren Prozess um körperliche Gewalt. Die Staatsanwaltschaft warf einem 27-jährigen früheren Betreuer vor, einem jungen Heimbewohner 2012 mit dem Ellenbogen mehrmals ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Prozess endete mit einem Freispruch, weil das Amtsgericht die Zeugenaussage des Jugendlichen als nicht glaubhaft einstufte.

Derzeit liegen beim Amtsgericht Lübben keine Anklagen zum Haasenburg-Komplex mehr vor. Die Staatsanwaltschaft Cottbus hatte in der Vergangenheit Dutzende Verfahren zu dem Heimskandal geprüft, viele davon sind demnach schon eingestellt. Warum? Die Behörde verweist auf Doppelanzeigen, die sich um dieselben Vorwürfe drehten. Zudem seien einige Hinweise zu unkonkret gewesen, was Tatverdächtige oder Tatvorwürfe angehe, hieß es.

Parallel läuft der Streit mit dem Betreiber. Ende 2013 hatte die damalige brandenburgische Jugendministerin Martina Münch (SPD) der Haasenburg GmbH die Betriebserlaubnis entzogen. Zuvor hatte eine Untersuchungskommission einen Bericht vorgelegt, der Missstände in den Heimen anprangerte. Der Betreiber wehrt sich juristisch gegen die Schließung. Wann es zu einer Verhandlung am Verwaltungsgericht Cottbus kommt, ist noch unklar, wie ein Gerichtssprecher sagte. Derzeit verschaffe sich das Gericht einen Überblick und sichte Akten der Staatsanwaltschaft.

In den Kinder- und Jugendheimen der Haasenburg GmbH an den Standorten Neuendorf am See im Unterspreewald, Müncheberg (Märkisch-Oderland) und Jessern (Dahme-Spreewald) hatten Jugendämter aus ganz Deutschland schwer erziehbare Kinder und Jugendliche unterbringen lassen. Seit einiger Zeit werden einige der Gebäude als Flüchtlingsunterkünfte genutzt, wie die Landkreise bestätigten.

In Brandenburg gibt es nach Angaben des Jugendministeriums derzeit 438 stationäre und 64 teilstationäre Einrichtungen der Jugendhilfe. Rund 6500 Kinder und Jugendliche werden dort betreut, etwa 1500 von ihnen kommen aus anderen Bundesländern.

Als Reaktion auf den Haasenburg-Skandal stockte das Land die Heimaufsicht auf. Dem Ministerium zufolge sind im Vergleich zu 2013 zwei Vollzeitkräfte hinzugekommen. Damit seien nun sechs Sachbearbeiter und eine Referentin in dem Bereich tätig. Zudem startete im Land nach Ministeriumsangaben ein Pilotprojekt zur Verbesserung der Heimerziehung. Experten eines Berliner Instituts besuchen dabei Einrichtungen mit dem Ziel, Stärken und Schwächen herauszufinden. Zwei solcher Besuche sind laut Ministerium schon abgeschlossen, insgesamt soll es bis Ende 2017 in Brandenburg 15 Visitationen geben. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen