Viele Arten haben ausgezwitschert

Statistiken des Landesjagdverbandes zufolge ist bei den Rebhühnern die Zahl der Brutpaare von 2519 im Jahr 2009 auf 1712 (2013) gesunken.
Statistiken des Landesjagdverbandes zufolge ist bei den Rebhühnern die Zahl der Brutpaare von 2519 im Jahr 2009 auf 1712 (2013) gesunken.

Vogelmonitoring belegt deutlichen Rückgang der Vielfalt / Industrielle Landwirtschaft gilt als ein Grund

svz.de von
23. Mai 2017, 05:00 Uhr

Brandenburgs Vögeln verschlägt es zunehmend die Sprache. Das Umweltministerium in Potsdam bestätigt „einen starken Bestandsrückgang“, der vor allem Rebhuhn, Kiebitz, Feldlerche und Braunkehlchen betrifft. Umweltschützer werfen dem Ministerium vor, das Problem nicht ernst genug zu nehmen.

Still und heimlich, sagt BUND-Landesgeschäftsführer Axel Kruschat, habe sich Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) von seinem Ziel verabschiedet, den Anteil ökologischer Landwirtschaft bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. „Der Maisboom, den wir aber derzeit in Brandenburg erleben, bedeutet einen Rückgang der Biodiversität“, sagt Kruschat. Auf endlosen Maisfeldern seien Insekten als Nahrungsgrundlage für brütende Vögel Mangelware – für den Umweltschützer ein Grund dafür, dass von 43 durch das Ministerium bewerteten Vogelarten 22 immer seltener in Brandenburg vorkommen.

So steht es in der Antwort auf eine mündliche Anfrage des Vorsitzenden der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne, Axel Vogel. Zwar liegt dem Land lediglich eine Auswertung für den Zeitraum von 1995 bis 2009 vor, der Landesjagdverband hat aber zumindest beim Rebhuhn auch für die Zeit danach alarmierende Zahlen: 2009 wurden noch 2519 Brutpaare erfasst, 2013 waren es nur noch 1712.

„Neben jährlichen Schwankungen beim Nahrungsangebot und dem Bruterfolg spielen der Verlust von Lebensräumen durch Flächenverluste aufgrund des Baugeschehens, Prädation, aber auch langfristige Änderungen des Binnenklimas eine Rolle“, konstatiert Brandenburgs Umweltminister. Die Bundesregierung führt mit dem massiven Einsatz von Unkraut- und Insektengiften weitere Gründe für die Halbierung der Brutvogelbestände in der Agrarlandschaft in den vergangenen 30 Jahren an.

Aus Sicht der Bündnisgrünen macht Vogelsänger zu wenig, um dem Trend entgegenzuwirken. Es erstaune ihn, sagt Fraktionschef Axel Vogel, „dass sich Umweltminister Vogelsänger anscheinend nicht für die Situation der Brutvögel im eigenen Land interessiert und sich mit lückenhaften Informationen zufrieden gibt“. Als Verfechter der industriellen Landwirtschaft, orakelt Vogel, fürchte der Minister offenkundig die unbequeme Wahrheit. Und die lautet: Der Brandenburger Weg einer großflächigen konventionellen Landbewirtschaftung zieht nach Auffassung von Bündnis 90/Grüne massive Kollateralschäden für die biologische Vielfalt nach sich.

Dass der Rückgang der Vogelpopulation weitere Ursachen hat, weiß BUND-Landeschef Kruschat natürlich – Millionen Zugvögel erreichen im Frühjahr Deutschland gar nicht erst, weil sie im Mittelmeerraum der illegalen Jagd zum Opfer fallen. „Von Deutschland aus gegen den Vogelfang etwas zu machen, ist schwer. Aber wir können hier mit Flächenprämien die ökologische Landwirtschaft vorantreiben.“

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