Brandenburg : Viel Arbeit für Katzenretter

Private Tiernotrettungsdienste haben immer mehr zu tun.
Foto:
1 von 2
Private Tiernotrettungsdienste haben immer mehr zu tun.

Während sich das Pensum bei Feuerwehr und THW in Grenzen hält, sind Tierrettungsdienste gut ausgelastet

svz.de von
01. August 2016, 08:00 Uhr

Private Tiernotrettungsdienste können sich nicht über mangelnde Arbeit beklagen – und sie nimmt noch zu. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Im Monat fahren wir durchschnittlich 200 Einsätze“, sagt der Geschäftsführer der Mobilen Tiernotfallrettung Berlin-Brandenburg, Ronald Rackow. Einer der fünf für den Rettungsdienst tätigen Tierärzte sei allein diese Woche innerhalb von vier Stunden zu fünf Einsätzen in Berlin und Brandenburg ausgerückt.

„Wir werden immer bekannter, darum erhalten wir auch mehr Anrufe“, erklärt Rackow. Das habe sich in den acht Jahren, seitdem es den rund um die Uhr tätigen Notdienst gibt, stetig nach oben entwickelt. Zehn Prozent der Einsätze im Jahr würden vom eigens angeschafften Rettungswagen begleitet. „Einen stark blutenden Hund können Sie schwer im Pkw transportieren“, bemerkt der Geschäftsführer. In dem Zusammenhang moniert er, dass es dem Rettungswagen sowohl in Brandenburg als auch in Berlin untersagt sei, mit Blaulicht zu fahren. Dabei seien Tier-Noteinsätze oft auch für Menschen wichtig – etwa, wenn vom verletzten Tier Gefahr ausgehe.

Allerdings beschränke sich sein Spektrum mehr auf die klassischen Haustiere. „Mit Exoten haben wir weniger Erfahrung.“ Ob Exot oder Wildtier, die Tierrettung in Potsdam kümmert sich um fast jeden Notfall, wie der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, Michael Breuer, betont. „Letztens haben wir eine Boa constrictor gefangen.“ Schwänen wiederum entfernten die Vereinsmitglieder schon Angelhaken aus dem Schnabel.

Ein trauriges Erlebnis habe Breuer vor drei Jahren dazu inspiriert, den ehrenamtlichen Rettungsdienst zu gründen. „Damals war ein Hund aus dem fünften Stock geworfen worden“, erinnert er sich. Niemand habe dem Tier geholfen – dann sei er tätig geworden. Heute habe der Verein 160 Mitglieder, von denen 40 aktiv im Dienst seien.

Im Gegensatz zur Mobilen Tiernotfallrettung, die allein für den Einsatz des Rettungswagens bis zu 70 Euro berechnet, rücke der Verein mit seinen zwei Fahrzeugen häufig auch unentgeltlich aus und das sogar bis ins Havelland oder in den Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Bis zu 200 Kilometer fahre er täglich, berichtet Breuer; bis zu 150 Einsätze bewältige sein Team im Monat. Auch wenn der Verein gut mit den Feuerwehren zusammenarbeitet, hat Breuer, wie er sagt, zunehmend das Gefühl, dass die Wehren aufgrund erheblicher Einsatzkosten seltener bei Tiernotfällen tätig werden. Den Eindruck teilt Ronald Rackow.

Immerhin würde der Einsatz zweier Feuerwehrleute und des Rettungsfahrzeuges 1,71 Euro pro Minute in Cottbus kosten, wie Uwe Schulze von der dortigen Feuerwehr sagt. Dass dies allerdings ein Grund für die sinkende Zahl an Tierrettungseinsätzen sei – sie reduzierten sich zwischen 2011 und 2015 von 216 auf 131 –, glaubt Schulze weniger. „Das schwankt von Jahr zu Jahr“. Auch die Kosten für die Stadt, die bei der Rettung von Wildtieren anfallen würden, hielten sich in Grenzen.

Ähnliches ist aus Potsdam zu hören. Dort musste die Feuerwehr nach Angaben eines Stadtsprechers im vergangenen Jahr zwar zu 19 Tiernotrettungen, von denen fünf den Haltern in Rechnung gestellt wurden, ausrücken. Die Zahl der Einsätze habe aber die zwei Jahre zuvor konstant bei sieben gelegen. „Die Rechnung wird nur gestellt, wenn der Notruf und der Anlass nicht mit der Definition einer Tiernotrettung vereinbar ist“, erklärt der Sprecher. Dann koste der Einsatz eines Leiterwagens 163 sowie eines technischen Mitarbeiters 60,20 Euro pro Stunde.

„Tierrettungen stellen Ausnahmen bei unseren Einsätzen dar“, sagt auch eine Sprecherin des Technischen Hilfswerks (THW). Meist würden die Feuerwehren zunächst angefragt und holten sich das THW dazu, wenn besondere Technik gefragt ist. Der letzte „echte“ Rettungseinsatz liege drei Jahre zurück, als sich ein Dackel in unterirdischen Gängen verlaufen hatte. In diesem Jahr habe der Ortsverband Seelow einen Laster, der lebende Bienen geladen hatte, geborgen.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen