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Banden haben Agrarbetriebe im Visier : Viehdiebe nerven Rinderzüchter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gegen professionell agierende Täter scheint in Brandenburg kein Kraut gewachsen zu sein

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass in Brandenburg irgendwo ein Viehdiebstahl gemeldet wird. Zumindest diesen Eindruck haben mittlerweile viele Landwirte. Zuletzt wurden einer Agrargenossenschaft in Jänschwalde (Spree-Neiße) am Wochenende 30 Rinder gestohlen. Die Polizei tappt bislang im Dunklen.

Auch Heidi Wittgen ist tief verunsichert. Ende Januar stahlen Viehdiebe ihrer Agrargenossenschaft in Neißemünde (Oder-Spree) vier Zuchtbullen aus dem Stall. „Das ist ein Schaden von 20 000 Euro“, sagte die Vize-Chefin des Betriebs. Damit die Zucht weitergehen kann, wurde tief in die Tasche gegriffen, ein neuer Bulle angeschafft. „Ein mulmiges Gefühl bleibt zurück, weil die Diebe jederzeit wiederkommen können“, sagte Wittgen.

„Das scheinen echte Vollprofis zu sein, und das macht uns große Sorgen“, sagte Sebastian Scholze vom Landesbauernbund Brandenburg.

Die Viehdiebe gingen gezielt vor, holten sich stets die besten Exemplare. „Die wissen, was sie tun. Sie müssen vorher alles genau ausspionieren oder bekommen Tipps“, deutete er das Geschehen.

Das sieht auch Thomas Vogt so, Geschäftsführer einer Agrargenossenschaft nahe Brandenburg/Havel. Diebe hatten im Mai 2016 Zaunanlagen in Schmerzke aufgehebelt und 40 Rinder auf einen Laster geladen. „Zum Glück haben Anwohner das Treiben mitbekommen und ein Angestellter von uns ist gleich hinterher“, erinnerte sich Vogt. Über die Autobahn seien die Viehdiebe in Richtung Osten gerattert. „Irgendwie müssen sie mitbekommen haben, dass sie verfolgt wurden, haben den Laster auf die Raststätte Michendorf gesteuert und sind getürmt“, erzählte Vogt. Die Rinder habe er wiederbekommen. Ob die Polizei die Täter gefasst hat, wisse er nicht. „Am Laster waren polnische Kennzeichen angebracht. Als gestohlen gemeldet war er nicht“, sagte Vogt.

Viele Rinderzüchter fühlen sich nach Angaben des Bauernbundes allein gelassen. Oft bekämen Landwirte zu hören, dass die Polizei zur Bewachung von Rindern keine Streifenwagen abstellen könne. „Wir haben tatsächlich das Gefühl, dass die Aufklärung bei der Polizei keine oberste Priorität genießt“, sagte Scholze.

Die Ordnungshüter wollen das so nicht stehen lassen. Die Brandenburger Polizei sei jetzt dabei, zentral gegen professionell organisierte Viehdiebstähle im Land vorzugehen. Viehdiebstähle machen nicht am Staatsgrenzen halt. So zerschlug die polnische Polizei im Januar eine Bande, die im vergangenen Jahr Rinder von mindestens fünf Höfen in der nordwestpolnischen Woiwodschaft Westpommern gestohlen haben soll. Fünf Verdächtige kamen in U-Haft. Einer der mutmaßlichen Täter ist Polizeiangaben zufolge selbst Besitzer eines großen Hofs. Dorthin seien die in Polen gestohlenen Tiere gebracht worden. Verbindungen zu den Viehdiebstählen in Deutschland gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

 

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