Energieland im Umbruch : Verunsicherung in der Lausitz

Lausitzer Energiemix: Windräder drehen sich vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde (Spree-Neiße).
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Lausitzer Energiemix: Windräder drehen sich vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde (Spree-Neiße).

Brandenburgs Wirtschaftsminister Gerber fordert gerechte Verteilung der Kosten für Energiewende

svz.de von
06. September 2017, 05:00 Uhr

Die brandenburgische Energielandschaft ist im Umbruch. Der Strukturwandel in der Lausitz verlangt ebenso Lösungen wie die notwendige Senkung des CO2-Ausstoßes. Viele Probleme kamen auf dem 19. Brandenburger Energietag in Cottbus zur Sprache.

In diesem Jahr hat die Lausitzer Bergbaugesellschaft Leag erstmals nicht alle ihre Ausbildungsplätze besetzen können. „Das ist beunruhigend“, sagte Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, am Montag auf dem Energietag. „Wir müssen den jungen Leuten hier eine Perspektive aufzeigen.“

Die Diskussionen um die Zukunft der Braunkohle in der Lausitz haben für Verunsicherung gesorgt. So wurden Politiker auf dem Treffen von rund 400 Wissenschaftlern, Behördenvertretern und Unternehmern nicht müde, der Braunkohlewirtschaft den Rücken zu stärken.

„Ich bin überzeugt, dass die Lausitz eine Energieregion bleiben wird“, erklärte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Die Braunkohle werde noch eine ganze Weile gebraucht. Auch sein sächsischer Amtskollege Martin Dulig sieht das so: „Die Brückentechnologie Braunkohle und erneuerbare Energien sind unsere heimischen Energieträger.“

Jede zehnte Kilowattstunde Strom in Deutschland wird aus Lausitzer Braunkohle erzeugt, wie Helmar Rendez, der Vorstandsvorsitzende der tschechisch-deutschen Leag, erklärte. Der Energieerzeuger will künftig vor allem in die Flexibilisierung seiner Produktion und in Speichertechnologien investieren. Aber auch erneuerbare Energien sind für die Leag ein Thema, wie er deutlich machte. Denn letztlich werde die Kohle irgendwann zur Neige gehen.

Auf ein Datum für einen Kohleausstieg wollte sich der Wirtschaftsminister nicht festlegen. Einen zweiten Strukturbruch wie den nach der Wende dürfe es in der Wirtschaft der Lausitz nicht geben. Die Braunkohle sichert derzeit 24 000 Arbeitsplätze. Die Region brauche mehr Zeit für einen Strukturwandel. Der sei bereits im Gange, meinte Gerber und verwies auf 300 neue Arbeitsplätze, die beim Windkrafthersteller Vestas in Lauchhammer entstehen.

Von der Bundespolitik erhofft sich der Brandenburger Minister nach der Wahl vor allem Augenmaß in der Energiepolitik. Er tritt für eine andere Finanzierung der Umlage zum Ausbau der erneuerbaren Energie ein, die derzeit jeder Bürger über seinen Strompreis mitbezahlt. Sie sei sozial ungerecht, weil sowohl Niedrig- als auch Spitzenverdiener dasselbe zahlen. Gerber schlägt vor, die Umlage „mittelfristig“ abzuschaffen und aus dem Bundeshaushalt zu bezahlen.

Auch Brandenburgs Energiestrategie 2030 war ein Thema in Cottbus. Die rot-rote Landesregierung will sich von ihrem ursprünglichen Ziel verabschieden, bis 2030 den Kohlendioxidausstoß um 72 Prozent zu reduzieren. Der Wirtschaftsminister begründet das mit steigendem Wirtschaftswachstum und Verkehrsaufkommen sowie dem Aus für die Speichertechnologie CCS. Damit sollte CO2 aus den Schornsteinen der Kraftwerke in der Erde gelagert werden können. Bis 2030 will Brandenburg seinen Kohlendioxidausstoß nur um etwa 55 Prozent senken.

Da ist die Bäckerei Röhrig aus Trebbin besser als das Land. Die hat ihren Treibhausgas-Ausstoß schon jetzt um 57 Prozent gesenkt und wurde dafür mit einem Energieeffizienzpreis ausgezeichnet. Der Familienbetrieb hat einen Jahresumsatz in Solaranlagen, ein Blockheizkraftwerk und eine Batterieanlage investiert. Die Investition konnte das Unternehmen schon sieben Jahre später refinanzieren. Als Energiesparer geehrt wurde überdies ein Netzwerk von elf Schulen aus dem Kreis Havelland, die 30 000 Euro Energiekosten im Jahr einsparen, sowie ein Wohnungsunternehmen und die Stadtwerke Bad Belzig. Zwei Schüler der Exin-Oberschule Zehdenick (Oberhavel) bekamen den Nachwuchs-Preis für eine Sonnenbatterie, die überall Strom für die E-Gitarre liefert.

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