Krankenkasse : Versteckte Beitrags-Hinweise

Die DAK hat die Information zur Beitragserhöhung im Schreiben gut versteckt.
Die DAK hat die Information zur Beitragserhöhung im Schreiben gut versteckt.

Versicherte ärgern sich über dürftige Informationen ihrer Krankenkassen über höhere Zahlungen

von
13. Januar 2016, 13:48 Uhr

Es war kurz vor Weihnachten, als der Brief ankam. Kerstin Rainer (Name geändert) ahnte, was ihre Krankenkasse, die DAK, mitteilen würde. Von der Beitragserhöhung hatte sie in der Zeitung gelesen. Doch dann war sie erstaunt, als in dem Schreiben zunächst nur neue Serviceleistungen aufgezählt wurden. Erst im Laufe des langen Schreibens änderte sich der Ton; „Leistungsstärke hat ihren Preis“, hieß es dann und dass man „auch in Zukunft mit umfassender Versorgung für Sie da“ sein wolle.

Die entscheidende Zahl folgte am Beginn der zweiten Seite. Man sehe sich gezwungen, den Beitragssatz um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent anzuheben. Zum Vergleich: Die Techniker-Krankenkasse, mit rund 9,3 Millionen Versicherten vor der DAK – etwa 6,25 Millionen – Nummer eins der gesetzlichen Krankenkassen, erhöht nur um 0,2 auf 15,6 Prozent.

„Ich musste dreimal lesen, um genau Bescheid zu wissen“, ärgert sich die 55-jährige Krankenschwester aus Frankfurt (Oder) darüber, wie unklar die Mitteilung verfasst war. Sie weiß, dass sie mit einer anderen Kasse viel Geld sparen könnte. Aber die verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder sagt: „Ich bin nicht der große Wechsler und fühle mich bei der DAK gut versorgt. Außerdem weiß ich nicht, ob andere Krankenkassen bei ihren Beitragssatz bleiben.“

Die Barmer verfasste ihre Mitteilung ähnlich verklausuliert. Der Verdacht, dass etwas grob falsch läuft, liegt nahe. Schon 2010 waren mehrere Krankenkassen negativ aufgefallen, weil sie bei der Beitragserhöhung laut Sozialgericht Berlin die Hinweispflicht nicht erfüllten. Die DAK versteckte die Mitteilung zum Sonderkündigungsrecht im Kleingedruckten. Erst neun Monate später hielt sie sich mit einem neuen Schreiben an die Vorgaben.

Der Gesetzgeber räumt Versicherten im Fall von Beitragserhöhungen ein Sonderkündigungsrecht ein. Wer bis 31. Januar kündigt, kann am Quartalsende wechseln, bleibt bis dahin zu den alten Konditionen versichert.

Das Bundesversicherungsamt, Kontrollbehörde der gesetzlichen Krankenkassen, wartet zunächst die Diskussion zur Informationspolitik ab. „Bei uns sind bisher keine Beschwerden angekommen“, sagte eine Sprecherin. Daher werde man nicht tätig. Dass Krankenkassen Auflagen gemacht würden, auf welche Weise sie Mitglieder zur Erhöhung des Zusatzbeitrags und das Sonderkündigungsrecht informieren, sei „theoretisch denkbar“.

Die DAK begründet die Beitragserhöhung vor allem damit, dass Ausgaben für Krankenhausaufenthalte und Arzneien enorm gestiegen seien. Es mache sich bemerkbar, dass man sehr viele „Hochpreis-Versicherte“ habe, „die sehr viel Geld kosten“, sagt Sprecher Rüdiger Scharf. Warum manche Allgemeine Ortskrankenkasse, die ebenfalls eine ungünstige Mitgliederstruktur hat, bei ihren alten Sätzen geblieben ist, kann Scharf nicht erklären.

Aus dem Risikostrukturausgleich, der die Ausgaben der Kassen gerecht verteilen solle, gebe es zu geringe Zuweisungen. Im Vorjahr verzeichnete die DAK ein Minus von rund 340 Millionen Euro. Die Rücklagen – 2014 noch etwa 745 Millionen Euro – seien bald aufgebraucht, sie sollen nun wie vorgeschrieben aufgestockt werden.

Wie viele Kündigungen von DAK-Versicherten es seit Ende 2015 gibt, darüber macht Scharf keine Angaben. „Wir werden die Zahlen am Ende des ersten Quartals bekanntgeben“, sagt er. Beim größten Konkurrenten, der Techniker-Krankenkasse, heißt es, die Telefone stünden nicht mehr still, weil so viele zu ihr wechseln wollten.

Der DAK-Sprecher hat die Hoffnung, dass sich viele Mitglieder den Austritt überlegen. „Wer sagt, dass andere Kassen nicht im Jahr darauf deutlich mehr verlangen?“, fragt er und verweist darauf, dass die DAK auch 2017 beim angekündigten Beitragssatz bleiben wolle. Die Summen von 200 bis 500 Euro jährlich, die Versicherte bei ­einem Wechsel angeblich sparen könnten, relativiert er mit dem Argument, dass Arbeitnehmer einen Teil der Zusatzausgaben durch die Steuererklärung wieder vom Finanzamt zurückfordern können.

Michael Gabel

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen