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Bombenfund in Oranienburg : Verseuchter Boden störte Entschärfung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Oranienburger Weltkriegsbombe unschädlich gemacht. Seniroenheim von Evakuierung betroffen.

In Oranienburg (Oberhavel) ist gestern die 193. Bombe seit 1990 entschärft worden. Tausende Menschen mussten den Sperrkreis verlassen. Die Entschärfung entpuppte sich als schwierig, weil der Boden um den Sprengkörper durch Uran verseucht war.

Mit sechs Mitarbeitern war der Kampfmittelbeseitigungsdienst seit 6 Uhr auf dem Gelände des Pharmaherstellers Takeda nahe der Havel im Einsatz, um den chemischen Langzeitzünder des 250 Kilogramm schweren amerikanischen Blindgängers zunächst mit einem Reinigungsgerät zu säubern und später zu entschärfen.

Die Entschärfer mussten in Schutzanzügen und mit Mundschutz arbeiten, weil auf dem Gelände Monazitsande als Überbleibsel aus der Uran-Aufbereitung der Auer-Werke in den 1930er- und 1940er-Jahren liegen. Außerdem ist das Grundwasser dort mit Chemikalien der mehr als 100-jährigen Pharmaproduktion verseucht.

Morgens um 6 Uhr starteten auch die Helfer der Rettungsdienste die Evakuierung des Krankenhauses und einer Seniorenresidenz. Diese befanden sich im Sperrkreis von 1000 Metern, der die gesamte Mittelstadt von Oranienburg lahmlegte. 12 000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Sieben Kitas und Horte, fünf Schulen, Amtsgericht und Kreisverwaltung blieben geschlossen. Die Bahnhöfe der Oberhavel-Kreisstadt und des Ortsteiles Lehnitz lagen im Sperrkreis, der Zugverkehr war stundenlang unterbrochen, Schienenersatzverkehr war eingerichtet.

Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) zeigte sich am Nachmittag erleichtert, dass die Entschärfung erfolgreich verlaufen war und bedankte sich bei Müller und den vielen Helfern. Er forderte wegen der enormen Kosten, die für die Grundwasserabsenkung und die Evakuierung des Krankenhauses auf die Stadt zukommen, mehr Geld vom Bund. „Wir befürchten, dass die drei Millionen Euro, die Oranienburg dieses Jahr für die Bombensuche im Haushalt plant, nicht ausreichen werden.“

Allein auf dem Pharma-Grundstück gibt es fünf weitere Bombenverdachtspunkte. Die nächste Entschärfung wurde für den 23. März angekündigt. Dann tritt erneut der gestrige Sperrkreis in Kraft.

Friedhelm Brennecke

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