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Rauchmelder-Pflicht : Vermieter zögern mit Einbau

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit Juli 2016 gilt in Brandenburg die Pflicht zum Einbau bei Neubauten. Bestandsobjekte müssen bis 2020 nachgerüstet werden.

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Ein schrilles Piepen kann verhindern, dass Brände eine verheerende Wirkung entfalten. Doch bislang ist nur ein geringer Teil der Wohnungen in Brandenburg mit Rauchmeldern ausgestattet. Obwohl eine gesetzliche Pflicht besteht, haben Vermieter bis 2020 Zeit, die Bestandsobjekte nachzurüsten.

Matthias Stammert hat es für seine Mieter schon durchkalkuliert. 2,50 bis drei Euro müssten diese monatlich mehr über die Betriebskosten zahlen, wenn in ihren Wohnungen kleine, runde Kästen an der Decke hängen. „Wir legen diese Investitionen um, alles andere wäre gar nicht möglich“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Wohnungsbaugenossenschaft (Wobag) Schwedt. Auf das Unternehmen wartet ein Mammutprogramm: Im Großteil der 4500 Wohnungen müssen Rauchmelder installiert werden. Derzeit wird in Schwedt an einem Konzept gearbeitet, um die Nachrüstung zu organisieren – ohne zusätzliche Termine für die Mieter. „Wenn beispielsweise Zähler ausgetauscht werden müssen, können unsere Partnerfirmen in diesem Zusammenhang gleich Rauchmelder anschrauben“, sagt Stammert. Zwar sieht der Chef der Genossenschaft noch ungelöste Probleme bei der Wartung der bei Rauchentwicklung extrem laut piependen Geräte, allerdings würde er den Nutzen nicht in Zweifel ziehen. „Wir hatten im vergangenen Jahr einen Wohnungsbrand mit tödlichen Folgen. Diese Tragödie hätte wohl durch einen Rauchmelder verhindert werden können“, sagt Matthias Stammert.

Seit vergangenem Juli sind in Brandenburg die gesetzlichen Grundlagen in Kraft getreten. Nach der Novelle der Bauordnung müssen Rauchmelder in neuen Wohnungen sofort eingebaut werden. Beim Altbestand wurde Vermietern eine Übergangsfrist bis 2020 eingeräumt – dieser Zeitraum gilt auch bundesweit. Brandenburg hatte als vorletztes Bundesland die Rauchmelder-Pflicht beschlossen. Nur Berlin war später dran. Dort gilt die Regelung seit 2017. In beiden Ländern müssen die Geräte in allen Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmern in Betrieb sein.

Dagegen sind andere kommunale und private Vermieter noch längst nicht so weit wie die Wobag. Bernd Jarczewski, Chef der Wohnungsbaugesellschaft Oranienburg, strebt an, ab 2018 mit der Nachrüstung zu starten.

„Wir warten darauf, dass die Vorschriften klarer formuliert werden“, sagt er. In den Regelungen stehe zwar, dass Rauchmelder ein Mal jährlich einer Sichtprüfung unterzogen werden müssten, unklar sei jedoch, ob dies auch für Geräte gilt, die sich technisch selbst überwachen. „Hersteller und Gesetz haben eine völlig unterschiedliche Auffassung“, kritisiert Jarczewski.

Bei der Wohnungswirtschaft Frankfurt (Oder), mit 8050 Wohnungen einer der größten Vermieter im Land, will man noch keinen Zeitrahmen für die Umrüstung der Bestandsobjekte nennen. Erst würden die Mieter informiert, sagt eine Sprecherin. Auch kleinere Gesellschaften sind noch mitten in der Planung.

Eine abwartende Haltung erkennt auch der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Derzeit seien erst fünf Prozent der rund 400 000 Mietwohnungen in Brandenburg mit Rauchmeldern ausgestattet, sagt Sprecher David Eberhardt. „Wir sehen die Einbaupflicht kritisch. Nach unserer Auffassung hätte der Gesetzgeber stärker auf die Eigenverantwortung der Mieter setzen sollen.“ Da im Durchschnitt drei Geräte installiert werden müssten, rechnet Eberhardt mit Kosten von 100 Euro pro Wohnung. „Das ist eher ein gewaltiges Konjunkturprogramm für die Hersteller“, meint er. Ähnlich äußert sich Lars Eichert, Vorsitzender des Landesverbandes „Haus und Grund“: Der Gesetzgeber habe dafür gesorgt, dass es zu mehr Bürokratie und Verwaltungsaufwand komme.

Schornsteinfeger berichten, dass weitaus häufiger Einfamilienhäuser mit Rauchmeldern ausgestattet worden sind. Landesinnungsmeister Markus Hirschnitz schätzt, dass jeder fünfte private Eigentümer in Brandenburg die Geräte eingebaut hat. „Allerdings sind oftmals auch Billigmodelle darunter“, sagt er. Sein Kollege Stephan Rost, Innungobermeister aus Fürstenwalde (Oder-Spree), bemängelt, dass es die Landesregierung versäumt habe, eine Kontrollinstanz für die Rauchmelder-Pflicht zu benennen. „Wir hätten es im Rahmen unserer Aufgaben mit übernehmen können, aber das wollte der Minister nicht“, so Rost.

 

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